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SENDETERMIN Sa, 11.9.2010 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Thema 3 Virtuelles Wasser und Wasserspeichergranulat

Wenn wir ein Glas Wasser trinken, verbrauchen wir ein Glas Wasser – das scheint klar. Wenn wir aber eine Tasse Kaffee trinken, wie viel Wasser verbrauchen wir dann? „Eine Tasse“ sagen die meisten, aber wer genau hinschaut entdeckt noch eine viel größere Menge…

Virtuelles Wasser – dieser Begriff wurde in den 90er Jahren von dem britischen Wissenschaftler Tony Allan geprägt und bezieht sich auf die tatsächliche Menge an Wasser, die zur Herstellung und zum Transports eines Produkts verbraucht wird – egal ob es verschmutzt, verdunstet oder konsumiert wird. Er erfand die Einheit, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welche Auswirkungen unsere Gewohnheiten auf die Umwelt haben. So kommt unsere Tasse Kaffee auf 140 Liter! Der Großteil dieser Menge geht für die Bewässerung von Kaffeebohnenplantagen drauf, die in sengender Sonne angepflanzt werden. Mit 140 Litern pro Tasse liegt ein Kaffee schon über der durchschnittlichen Wassermenge, die jeder Deutsche täglich verbraucht. Für Waschen, Trinken, Kochen und Körperpflege verbrauchen wir immerhin 125 Liter.

Eine riesige Menge Wasser benötigt auch die Herstellung eines einfachen Hamburgers. 2400 Liter Wasser – das sind 11 Badewannen voll! Kaum zu glauben, aber das Waschen von Tomaten und Salat so wie die Menge im Brötchenteig machen dabei kaum etwas aus. Die Herstellung von Rindfleisch ist der wahre Wasserschlucker, denn Kühe trinken viel und verdrücken große Mengen an Getreide, das auch bewässert werden muss. So kommt auch eine normale Jeans auf 11000 Liter Wasser, denn Baumwollfelder bedürfen intensiver Bewässerung.

Wasser ist eine sehr knappe Ressource, mit der sparsam umgegangen werden muss. In vielen Ländern ist die Wasserknappheit extrem – darunter leidet auch die Landwirtschaft. Weltweit werden 70% des gesamten Wasserverbrauchs in der Landwirtschaft eingesetzt. Das ist besonders erschreckend, wenn man bedenkt, dass bis zu einem Drittel des Wassers ungenutzt im Boden versickert oder einfach verdunstet. Das passiert besonders bei sandigem Boden in heißen Regionen.

Deutsche Forscher haben jetzt ein Granulat entwickelt, dass aktiv mithilft, Wasser zu sparen! Im Studio zeigte ein großer Versuch: Schüttet man die gleiche Menge Wasser in zwei bepflanzte Beete – eines mit reinem Sandboden, eines mit Sandboden, der mit dem Granulat versetzt ist – läuft das Wasser tatsächlich durch das Sandbeet hindurch. Aus dem Sand-Granulat-Gemisch kommt allerdings kein Tropfen heraus!

Das liegt an einem ganz besonderen Bestandteil des Granulats – Superabsorber. Dieser Stoff ist besonders bei Eltern bekannt, denn er steckt in Babywindeln. Nun sind diese darauf ausgelegt, nach dem Aufsaugen kein Tröpfchen Wasser mehr abzugeben. Damit das Wasser aber auch wieder den durstigen Pflanzen zur Verfügung stehen kann, hilft ein Prinzip aus der Natur weiter: Vulkangesteinsmehl, Tonmineralien und Silikate sorgen dafür, dass die Wurzeln sich die benötigte Menge Wasser selbst aus dem Boden saugen können.

Es ist erstaunlich, wie viel Wasser aufgesaugt und gespeichert werden kann. Das Granulat nimmt das 40-fache seines Eigengewichts auf und vergrößert damit sein Volumen um drei Viertel! Dabei ist es auch umweltverträglich, denn innerhalb von 3-5 Jahren zersetzt sich der Stoff selbst. Weil mit dem Wasser auch Düngemittel und Pestizide gespeichert werden, können diese viel sparsamer eingesetzt werden. So sinkt auch die Belastung für das Grundwasser.

Studien beweisen die Wirksamkeit des Granulats, wobei es vor allem in sandigem Boden für Ertragssteigerung trotz weniger Wasser sorgen kann. Auf Mango-, Dattel- und Zitrusplantagen kommt es gezielt bei Einzelpflanzen zum Einsatz, denn für den großflächigen Einsatz auf beispielsweise Reis- oder Getreidefeldern ist es noch zu teuer.

aus der Sendung vom

Sa, 11.9.2010 | 20:15 Uhr

SWR Fernsehen

Mann schaut auf Testbild

Sendetermine

19. Mai 2018, 20:15 Uhr, HR
(Sendung vom 26. Mai 2016)