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SENDETERMIN Do, 10.5.2007 | 20:15 Uhr | Das Erste

Thema 2 Die Haihaut

Haie haben auf uns Menschen meist eine abschreckende Wirkung. Klischees häufen sich und Bilder des gefährlichen "Weißen Hais" kommen auf. Die wenigsten führen sich dabei vor Augen, dass es rund 500 verschiedene Haiarten gibt und von ihnen längst nicht alle gefährlich sind. So gibt es zum Beispiel selbst bei uns in der Nordsee Haie. Die für uns Menschen vollkommen harmlosen Katzenhaie sind schlank und maximal einen Meter lang. Im Saal konnten sich die Zuschauer davon überzeugen, dass Katzenhaie keiner Menschenseele etwas zu Leide tun.

Haie haben einen exzellent ausgeprägten Geruchssinn. Das Riechzentrum kann wegen der Wichtigkeit bis zu 2/3 der Gehirnmasse ausmachen. Haie können so Blut in milliardenfacher Verdünnung wahrnehmen. Der Hai wittert seine Beute schon aus großer Entfernung (über 100 m), auch wenn kein anderer Sinnesreiz Informationen liefert. Durch ständige Kopfbewegung ("Pendeln") folgt er dieser Geruchsspur bis zum Ziel. So genannte Schneiderschen Falten kanalisieren das einströmende Wasser so, dass die Nasengruben ständig von Wasser umspült werden. Die innere Oberfläche ist gefaltet, wodurch die rezeptive Fläche vergrößert wird. Selbst ein blinder Hai findet so zielsicher sein Futter. Haie riechen einen Tropfen Blut in 10.000 m3 Wasser verdünnt immer noch. Menschen schmecken im Vergleich dazu ca. 45 g Kochsalz in 10 m3 Wasser.

Das Gehör ist einfacher ausgeprägt als bei Landtieren, da Wasser den Schall schneller leitet als Luft, trotzdem hat der Gehörsinn der Haie eine Reichweite von mehreren Kilometern. Er ist auch für den Gleichgewichts- und Orientierungssinn wichtig. Haie reagieren im Bereich der niederfrequenten Töne unter 600 Hz (zappelnde Fische, singende Wale, grunzende Seehunde, kämpfende Fische) und hochempfindlich auf pulsierende Schwingungen im 100 Hz-Bereich (kranke und verwundete Tieren).

Die Augen eines Hais sind zehn Mal so lichtempfindlich wie die eines Menschen, was fürs Sehen in der Tiefe nötig ist. Anpassung an das wenige Licht wird durch das Tapetum lucidum erreicht, welches wie ein Lichtverstärker durch eine Schicht winziger, spiegelähnlicher Kristalle funktioniert. In der Dämmerung sehen Haie so sogar besser als Katzen, Wölfe und Füchse. Bei Angriffen schützen die Haie oft ihre Augen durch eine Nickhaut, die sich schützend davor schiebt, oder durch Verdrehen der Augen nach hinten.

Was die Haie zudem gemeinsam haben ist ihre faszinierende Haut. Sie ist komplett besetzt mit kleinen Zähnchen, die letztlich mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Die "Zähnchen" sitzen auf kleinen Stielen auf einer etwas weicheren, beweglichen Unterhaut und sind auf Druck gegeneinander verschiebbar. Durch die Zähnchen entsteht so eine feine Rillung in Längsachse über das Tier. Das mögen Seepocken offenbar gar nicht! So senken die Zähnchen nicht nur den Widerstand beim Gleiten durchs Wasser, sondern machen es auch Seepocken und anderem Meeresgetier schwer, auf der Haut Halt zu finden.

"Die große Show der Naturwunder" zeigte in einem Experiment, dass diese natürliche Wirkungsweise dem Menschen wie auch der gesamten Umwelt zu einer bedeutsamen Hilfe werden kann. Mehrere Kunststoffplatten wurden von der Hochschule Bremen mit einer speziellen "Antifouling"-Folie nach dem Prinzip der Haihaut überzogen und über 9 Monate in die See gehangen. Und tatsächlich, dass Experiment funktionierte: Mit nur leichtem Wasserdruck ließ sich die angesammelte tierische und pflanzliche Beschichtung entfernen. Ohne spezielle Beschichtung konnten selbst Hammer und Meißel nichts gegen den Bewuchs ausrichten. Die Folie soll zukünftig in der Schifffahrt zum Einsatz kommen, wo sie sowohl für Umwelt als auch Reeder große Änderungen bewirken kann. Würde ein großes Containerschiff mit einer Länge von 300 m mit solch einer Antifouling-Folie versehen werden, so könnten pro Tag rund 85t Schweröl eingespart werden. Umgerechnet sind dies täglich etwa 90.000 Liter toxischer Treibstoff pro Containerschiff, die der Atmosphäre erspart werden könnten.

aus der Sendung vom

Do, 10.5.2007 | 20:15 Uhr

Das Erste

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Sendetermine

19. Mai 2018, 20:15 Uhr, HR
(Sendung vom 26. Mai 2016)