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SENDETERMIN Di, 22.5.2018 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

Zu Besuch in der Klingelbacher Mühle Wenn Wildtiere zu Waisen werden

Wenn ein Reh einem Wildunfall zum Opfer fällt oder ein Hase von einem Fuchs gerissen wird, bleiben oftmals hilflose, kleine Tierwaisen zurück. In der Klingelbacher Mühle bei Katzenelnbogen finden sie ein zweites Zuhause.

In der freien Wildbahn hätte Charlie wohl keine Chance zu überleben. Der junge Damhirsch wurde im zarten Alter von vier Tagen in der Tierauffangstation abgegeben, da seine Mutter bei einem Verkehrsunfall überfahren wurde.

Achtung: Hunde und Katzen können in der Klingelbacher Mühle leider nicht aufgenommen werden.

Hausherrin ist hier Biga Kruse, die "Mutter der Wildtierbabys", wie man sie hier nennt. Zurzeit sei sie mal wieder "schwanger", sagt sie - und meint damit ein kleines Känguru-Baby namens Joy, das sie in einem Tragetuch ganz nah bei sich trägt. "Die Kleine ist aus Bayern zu uns gekommen", erzählt sie. "Ihre Mutter ist leider von einem Fuchs gerissen worden."

Tierherberge mit Tradition

Seit fast 30 Jahren gibt es die Auffangstation für tierische Waisen aller Art, hauptsächlich für Wildtiere. Fast 200 von ihnen leben hier zu Spitzenzeiten friedlich zusammen. Und manche wollen irgendwann gar nicht mehr weg, wie ein wilder Goldfasan, der einst von einem Auto angefahren wurde. "Auswildern ist eben nicht jedermanns Sache", sagt sie lachend.

Alpakas

Längst nicht die einzigen Exoten in der Klingelbacher Mühle: die Alpakas.

Im Mai ist Hochsaison für Biga Kruse. Täglich werden verletzte oder verlassene Tierbabys eingeliefert - allen voran aus dem Nest gefallene Vogelkinder. Die seien praktisch immer hungrig, ebenso wie die verletzten Eichhörnchen-Babys. Die kleinen Nager waren samt Nest vom Baum gefallen. Ein ganz schöner Schock für die Tiere, die nun sorgsam aufgepäppelt werden.

Internationales Flair

Die alte Mühle eignet sich perfekt als Refugium für die vielen Tiere. Elf Hektar groß ist das Gelände insgesamt. Hier haben sogar Langstreckenläufer wie die australischen Emus genügend Auslauf. Und auch die haarigen Alpakas fühlen sich in ihrer neuen Heimat pudelwohl.

Auf die Frage, wie sie das nur alles schaffe, antwortet Biga Kruse: "Mit viel Zeit und viel Arbeit". Seit 25 Jahren hatten die ehemalige Flugbegleiterin und ihr Mann praktisch keinen Urlaub mehr. Doch sie lieben, was sie tun. "Die Tiere geben einem so viel zurück", sagt sie.

Känguru, komm zur Ruh!

Schildkröte auf Wagen

Wer nicht laufen kann ...

Biga Kruses Steckenpferd sind die Kängurus. Sie gilt inzwischen bundesweit als Expertin, schließlich hat sie schon elf Känguru-Babys großgezogen. Für ihre Lieblinge lässt sie sogar spezielles Känguru-Milchpulver aus Australien einfliegen. Und das ist heiß begehrt. Denn auch wenn Baby Joy erst einmal satt ist, in zwei Stunden braucht sie schon das nächste Fläschchen.

Die Kängurus stammen meist von privaten Haltern, die irgendwann nicht mehr imstande waren, sich auch um den Nachwuchs zu kümmern. Eine von ihnen ist Mathilda. Bei einem Unfall hatte sie sich den Kiefer gebrochen, trägt nun eine Zahnspange. Das alles koste natürlich jede Menge Geld, gibt Biga Kruse zu. Seit einem Jahr biete sie daher Patenschaften für die Tiere an.

In direkter Nachbarschaft zu den Australiern leben zwei echte Schwergewichte: Rocky und Rambo, jeweils stolze 50 Kilo schwer. Da Riesenschildkröte Rambo nicht mehr gut zu Fuß ist, hat sie ihr eigenes Taxi - ein Rollbrett, auf dem sie zur nächsten Wiese gebracht wird. Hier tritt sie ihren Dienst als Rasenmäher an, denn auf der Klingelbacher Mühle ist jede Hilfe willkommen.