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Weltklimakonferenz: Jugendreport Junge Leute würden gerne Politiker verklagen

Was denken junge Menschen über den Klimawandel, und welche Forderungen haben sie an die Politik? Bei der Weltklimakonferenz haben sie ihre Ideen und Wünsche präsentiert.

Jugendliche bei Diskussionsrunde

Im Vorfeld der Weltklimakonferenz gab es bereits einen Jugenddialog.

In drei Städten - Nürnberg, Bochum und Eberswalde - hatte das Bundesumweltministerium vor der Weltklimakonferenz rund 200 Jugendliche im Alter von 16 bis 25 Jahren diskutieren lassen. Herausgekommen ist der Jugendreport "Unser Klima - unsere Zukunft". In Bonn haben jetzt einige der Jugendlichen diesen Bericht Jochen Flasbarth, dem Staatssekretär im Umweltministerium, und UN-Vertretern übergeben.

Der Jugendreport zeigt auf, welche Klimaschutzmaßnahmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Jugenddialogs für besonders wichtig halten, und welchen Beitrag sie selbst zu leisten bereit sind. Eine der zentralen Forderungen des Reports ist, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Erderwärmung so weit wie möglich zu begrenzen.

Klimawandel beschäftigt Junge mehr als Terrorismus und Einwanderung

Fotoaktion Jugenddialog

Bei einer Fotoaktion präsentierten die Jugendlichen ihre Wünsche.

Die jungen Leute haben sich grundsätzliche und sehr konkrete Gedanken gemacht. Sie wollen ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung, begrünte Dächer und billige Öko-Handys. Die Teilnehmer fordern einen schnellen Ausstieg aus den fossilen Energieträgern, dass öffentliche Verkehrsmittel günstig sind und Bildung ausgebaut wird.

Eine weitere Forderung ist, dass die Interessen und Meinungen der Jugendlichen ernst genommen und auch auf politischer Ebene vertreten werden. Sie wollen Politiker, die nicht genug gegen den Klimawandel tun, vor Gericht verklagen dürfen. Denn der bedrückt die Jugendlichen mehr als alles andere. Fremde im Land oder Terrorismus stehen auf der Sorgenliste hingegen weit hinten.

Frage: Was sind für dich aktuell die größten Probleme auf der Welt?

Diagramm aus dem Jugendreport zur 23. Weltklimakonferenz

Quelle: Jugendreport - Unser Klima! Unsere Zukunft!

Jugendlichen ist wichtig, dass jeder selbst etwas gegen die Probleme tut

Jugendliche mit Mikro

Auf Fleisch verzichten - kein Problem, aber auf Handy und Fliegen - nur ungern

Repräsentativ war die Auswahl der 200 jungen Leute nicht, aber sie sind normale Menschen ihrer Generation. Wichtig ist ihnen, selbst etwas zu tun gegen die Probleme. Alle können sich zum Bespiel darauf einigen, kein Fleisch mehr zu essen.

Auf Reisen oder Mobiltelefone zu verzichten, fällt ihnen hingegen deutlich schwerer. "Wir sind wirklich angewiesen auf unsere Mobiltelefone. Ich glaube, in dem Bericht steht, dass zwei Prozent dazu bereit wären, auf Mobile Devices zu verzichten - das ist fast nichts", so einer der Teilnehmer. Deshalb soll der Strom von Sonne und Wind kommen und die Handys aus fairer Produktion.

Frage: In welchen Konsumbereichen bist du am ehesten bereit, dein Verhalten zu ändern?

Diagramm aus dem Jugendreport zur 23. Weltklimakonferenz

Quelle: Jugendreport - Unser Klima! Unsere Zukunft!


Wenig Hoffnung setzen junge Menschen in die Politik

Diskussionsrunde in Bonn

Diskussion mit Staatssekretär Jochen Flasbarth auf der Weltklimakonferenz

Die Jungen sorgen sich nicht so sehr um sich selbst, sie denken vor allem an andere: Die Hurricans in Amerika oder die Überschwemmungen auf den Philippinen bereiten ihnen Sorge.

Von Politikern fordern sie zwar viel, erwarten aber wenig. Die Koalitionsverhandlungen mit dem Einlenken der Grünen beim Kohleausstieg scheinen ihnen Recht zu geben.

Frage: Um was machst du dir am meisten Sorgen hinsichtlich der Folgen des Klimawandels?

Diagramm aus dem Jugendreport zur 23. Weltklimakonferenz

Quelle: Jugendreport - Unser Klima! Unsere Zukunft!

Staatssekretär Jochen Flasbarth macht ihnen jedoch Mut und sagt: "Wir brauchen solche Formen der Beteiligung dringend. Sie ersetzen nicht politische Entscheidungen, aber sie können neuen Input geben und inspirierend sein. (…) Aber das Wichtigste ist, dass man hinterher dazu berichtet, warum man vielleicht auch bestimmten Forderungen nicht gerecht geworden ist, und deutlich zu machen, dass Politik eben nicht alles zur gleichen Zeit umsetzen kann." Und manches vielleicht auch gar nicht.

Von Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Stefan Heinz