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Weddellmeer Pläne für Südpolar-Schutzgebiet gescheitert

Die Schutz-Bemühungen für das Südpolarmeer haben einen Rückschlag erlitten. Denn bei der Antarktis-Schutzkonferenz wurde die Idee zum Schutz des Weddellmeeres blockiert.

Etwa 14.000 verschiedene Tierarten leben im Weddellmeer - Forscher und Naturschützer wollen, dass das so bleibt.

Etwa 14.000 verschiedene Tierarten leben im Weddellmeer - Forscher und Naturschützer wollen, dass das so bleibt.

Deutschland hatte das Weddellmeer bei der internationalen Kommission zum Schutz der Antarktis als Meeresschutzgebiet vorgeschlagen. Doch vor allem China und Russland haben diesen Plan blockiert und die Einrichtung eines entsprechenden Schutzgebietes damit vorerst vereitelt.

Fragen an Martin Thiel, SWR Umwelt und Ernährung

Warum hätte das Weddellmeer besser geschützt werden müssen?

Die Frage ist berechtigt, denn bisher schützt sich das Weddellmeer ganz gut selbst. Dicke Eisschichten verhindern bis jetzt, dass Fischfangflotten in das Meer Eindringen und das fast unberührte Ökosystem zerstören könnten. Aber das ändert sich gerade - zum einen werden die Fischfangflotten immer moderner, das heißt die Technik macht mehr möglich, und zum anderen kommt der Klimawandel dazu. Der Temperaturanstieg trägt dazu bei, dass im Sommer künftig große Flächen eisfrei sein könnten und damit eben für die Fischerei interessant werden.

Pottwal

Die Artenvielfalt im Weddellmeer soll durch ein Meeresschutzgebiet erhalten werden.

Deshalb sollte ein Gebiet geschützt werden, das ungefähr sechs Mal so groß ist wie Deutschland. Das lohnt sich, denn im Weddellmeer leben etwa 14.000 verschiedene Tierarten: Blauwale, Buckelwale, Kaiserpinguine, Orcas kennen wir alle - aber da gibt es zum Beispiel auch Eisfische, die mit Frostschutz-Proteinen ein Gefrieren ihres Blutes verhindern. Es gibt antarktische Sturmvögel, die an den Küsten des Weddellmeeres brüten. Ein Drittel der Kaiser-Pinguine kommt dort auf dem Meereis zu Welt.

Und da gibt es eben auch reiche Krill- und Fischvorkommen, die vielen Meeressäugern als Beute dienen. Aber auf sie haben es eben auch Fischfangflotten abgesehen. Meeresbiologen vergleichen die Artenvielfalt mit der von tropischen Riffen. Kurz: Das Weddellmeer ist ein riesiges Stück unberührter Natur. Es wäre das größte Schutzgebiet der Welt gewesen.

Warum hatten ausgerechnet die Deutschen den Schutz des Weddellmeeres beantragt?

Die Antarktis gehört keinem einzelnen Staat, sondern unterliegt den Regeln des Antarktisvertrags. Die Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis CCAMLR, Kamlar ausgesprochen, bestehend aus 24 Mitgliedstaaten und der Europäischen Union, kümmert sich um die Meeresgebiete rund um den eisigen, unbewohnten Kontinent. Deutschland ist Teil dieser Kommission, die gerade im australischen Hobart tagt. Deutsche Forscher sind sehr aktiv in der Antarktis. Da gibt es auch die berühmte Forschungsstation Neumayer III.

Der Stuttgarter Daniel Noll vor der Antarktis-Forschungsstation Neumayer III.

Die deutsche Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis.

Deutsche Wissenschaftler vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) haben den Antrag für das Schutzgebiet fachlich vorbereitet. Da wurde jahrelang daran gearbeitet. Deutschland - das nicht gerade zu den großen Fischfangnationen gehört - tut sich da natürlich leichter. Bereits vor zwei Jahren hatte Deutschland die Schutzzone schon einmal vorgeschlagen, eingerichtet wurde daraufhin ein Schutzgebiet im antarktischen Rossmeer.

Große Fischereinationen haben selbstverständlich Bedenken gegen das Schutzgebiet, wollen sich nicht so leicht verbieten lassen, wo sie fischen und wo nicht. Deshalb waren die Verhandlungen im Australischen Hobbart, die 14 Tage lang gedauert haben, nicht einfach und am Ende haben Russland, China und Norwegen die Schutzgebiets-Pläne blockiert und damit vorerst vereitelt. Ginge es jedenfalls alleine nach Deutschland, sollte das Meeresschutzgebiet allein der wissenschaftlichen Forschung vorbehalten bleiben und die internationale Kooperation auf diesem Gebiet stärken.

Fakten zum Weddellmeer

Der Name Weddellmeer stammt von dem britischen Segler James Weddell, der 1823 in das bis dahin nahezu unberührte Gebiet vorstieß. Das Meer ist das größte der an die Antarktis und den Südpol angrenzenden Meere. Es liegt im Nordwesten der Antarktis und umfasst eine Fläche von etwa 2,8 Millionen Quadratkilometern. Damit ist es etwa fünf Mal so groß wie Deutschland. Das Weddellmeer ist zwischen 500 und 5.000 Meter tief.

Online: Heidi Keller