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Versuchsaffen aus der Pharma-Forschung Ein Gnadenhof für Labor-Schimpansen

In engen Käfigen ohne Tageslicht fristeten über 30 afrikanische Affen ihr Leben für medizinische Experimente. Auf Gut Aiderbichl dürfen die Tiere in Würde ihre letzten Jahre verbringen.

1:52 min

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Tierschützer ermöglichen Laboraffen erträgliches Leben

Mandlik

Stellen Sie sich vor: ein Schimpanse, der Jahrzehnte seines Lebens ohne Licht in einem engen Käfig fristet. Und damit nicht genug: Der Schimpanse ist ein Versuchstier - das heißt, er muss für wissenschaftliche Versuche leiden, bis diese Art von Forschung dann endlich eingestellt und der Affe sozusagen überflüssig wird. Für mehr als 30 solcher Schimpansen gibt es in Österreich einen Gnadenhof: das Affenrefugium Gut Aiderbichl.

Körperliche und seelische Schäden für die Pharmaforschung

Die ehemaligen Versuchstiere müssen abgeschottet bleiben.

Die ehemaligen Versuchstiere müssen abgeschottet bleiben.

Affen-Frühstück in einem Freigehege hinter hohen Betonmauern unweit von Wien: Zwei Schimpansen futtern Karotten, ein dritter beißt in einen Salatkopf. Auf den ersten Blick könnte man denken: eine Szene wie im Zoo um die Ecke.

Allerdings, einer der über dreißig Affen auf dem Gnadenhof ist zuckerkrank, ein anderer auf einem Auge blind, einer scheint zu hinken. Manche Tiere leiden unter Zitterattacken und Ess-Störungen, und sie verletzen sich häufig selbst. Kein Wunder bei dem, was die Schimpansen erleben mussten.

Tierpflegerin Bettina Gaupmann erklärt: "Die meisten von unseren Schimpansen sind Wildfänge. Das heißt, wirklich so, wie man sich das vorstellt: In Afrika die Mütter, die Familien der Schimpansen getötet. Die Babys sind in Kisten und dann nach Österreich gekommen und waren fast 20 Jahre lang einzeln gehalten in kleinen Käfigen im Labor." ...als Versuchstiere einer Pharmafirma, die ein Medikament gegen die Immunschwächekrankheit AIDS entwickeln wollte.

Für medizinische Experimente Affen mit HIV und Hepatitis infiziert

Sogar durch das Panzerglas versucht der Affe neugierig Kontakt aufzunehmen.

Sogar durch das Panzerglas versucht der Affe neugierig Kontakt aufzunehmen.

Einige Affen wurden deshalb mit dem AIDS-Erreger HIV und mit Hepatitis infiziert. Andere, gesunde Tiere mussten als Vergleichsgruppe herhalten. Regelmäßig wurden die Affen betäubt - und die Forscher entnahmen Blut- und Gewebeproben.

Bei Schimpansen bricht AIDS zwar nicht aus, aber die Haltung im Labor hat manche Affen bis heute traumatisiert, erzählt Tierpflegerin Renate Foidl. "Das meiste, was man ihnen angetan hat, abgesehen davon, dass man sie infiziert hat, ist eigentlich, dass man sie seelisch wirklich zerstört hat."

Die Tiere waren zum Teil jahrelang isoliert, Menschen begegneten ihnen nur in grauen Schutzanzügen. Futter gab es durch eine Klappe. Nachdem die Versuche eingestellt wurden, mussten die Schimpansen erst mühsam in ein normales Affenleben zurückfinden. Sie mussten zum Beispiel klettern lernen. Einer ist dabei gestürzt und hat sich ein Bein gebrochen - und sie mussten sich nach und nach an Artgenossen gewöhnen.

Auf Gut Aiderbichl nehmen Affen Kontakt auf

Einige sind sogar neugierig auf Menschen: "Es ist erstaunlich, dass die Affen einen auch wirklich kennenlernen wollen. Das heißt, sie nehmen auch Kontakt auf und darum ist es für mich manchmal auch der Gedanke, ob sie das noch wissen, was ihnen angetan worden ist. Oder ob sie einfach auch verzeihen können."

Versuche an kleineren Affen auch in Deutschland immer noch möglich

Versuche an Menschenaffen sind in Österreich laut Tierschutzbund inzwischen verboten. In Deutschland gab es seit Anfang der 1990er Jahre keine Experimente mit Menschenaffen mehr.

Andere Affen sind schlechter dran: 2016 wurden in Deutschland noch mit fast 2.500 Affen und Halbaffen Versuche gemacht.

Im Fernsehen können Sie mehr dazu sehen am Sonntag, 9. September, um 19.20 Uhr im Ersten in der Sendung "Weltspiegel" oder auf der Webseite des "Weltspiegel".

Von Stefanie Peyk, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Heidi Keller