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Tiere stecken Tiere an Afrikanische Schweinepest rückt näher

Bauern und Politiker warnen vor der Afrikanischen Schweinepest. Die gemeldeten Fälle in Osteuropa häufen sich. Damit kommt die Tierseuche deutschen Schweinezuchtbetrieben immer näher.

Bildmontage. Ein Wildschwein in freier Natur und ein Hausschwein im Stall

Wildschweine könnten afrikanische Schweinepest an deutsche Hausschweine weitergeben.

Schweinepest ist nicht gefährlich für Menschen. Aber eben für die Tiere - und sie wird immer teurer. Der große Ausbruch der klassischen europäischen Schweinepest vor 20 Jahren in den Niederlanden hat Schäden von mehr als zwei Milliarden Euro verursacht. Zwölf Millionen Schweine wurden getötet. Seitdem scheint diese Krankheit eingedämmt.

Keine Impfungen und Medikamente

Das erklärt die Angst der Bauern vor der aktuellen Bedrohung - diesmal durch die afrikanische Schweinepest. Dazu kommt: Sie wird durch einen völlig anderen Erreger verursacht, und es gibt weder Impfungen noch Medikamente. Die Tiere stecken sich zwar nicht so leicht an wie mit der klassischen Krankheit, aber dafür ist der Verlauf schlimmer: 90 Prozent der kranken Tiere verenden.

Ursprünglich ist dieses Virus in Südafrika zu Hause, aber 2007 gab es erste Fälle in Georgien. Von dort aus hat sich der Erreger nach Westen vorgearbeitet bis nach Polen, in die Gegend von Warschau, und in das östliche Tschechien. Rumänien, Russland und Weißrussland sowie die baltischen Staaten sind betroffen.

Wildschweine können Seuche verbreiten - und Zufälle

Schweine wühlen in einem Freiland-Gehege im Boden.

Freiland-Schweine kommen Wildschweinen nah.

In Afrika wird die Krankheit durch die Lederzecke übertragen. Die gibt es in Europa nicht - ein Glücksfall. Ein weiterer Glücksfall: Die afrikanische Schweinepest ist längst nicht so ansteckend wie die europäische Namensverwandte.

Bleibt die Übertragung von Tier zu Tier - über Blut zum Beispiel. Und: Wurst und Fleischprodukte aus kranken Tieren können andere Tiere anstecken. Konkret heißt das: Wildschweine sind potentielle Überträger, illegale Schweinelieferungen aus infizierten Gebieten und die Verkettung von Umständen.

Das Wurstbrot, das ein Fernfahrer aus Ostpolen in der Schweinehochburg Cloppenburg-Vechta wegwirft und das ein Wildschwein auffrisst - und schon wäre eine potentielle Seuchenquelle da.

Massive Einbußen für Schweinezüchter

Die deutschen Bauern fürchten die Folgen: Als Erstes müssten alle Tiere aus den betroffenen Ställen getötet werden, und dann würde der Handel in einem größeren Bezirk eingestellt. Erfahrungsgemäß erlassen andere Staaten dann schnell Importverbote. In der Folge können auch Schweine aus gesunden Beständen nicht mehr verkauft werden - die Preise brechen ein.

Lautstarke Forderungen nach Abschuss von Wildschweinen

Die Bauern sehen die Gefahr seit vielen Monaten vor der Tür und wollen mehr Abwehr sehen. Weil die Grenzen für den Verkehr kaum dicht gemacht werden können, bleibt nur die Forderung: Schießt mehr Wildschweine ab! Das halten zwar auch Umweltschützer aus anderen Gründen für sinnvoll - ob das aber geeignet ist, die afrikanische Schweinepest aufzuhalten, ist mehr als ungewiss.

Von Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Heidi Keller