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Teilerfolg in der Tierhaltung Weniger Antibiotika - die halbe Wahrheit

In Deutschland sterben pro Jahr über 15.000 Menschen, weil bei ihnen kein Antibiotikum mehr wirkt. Das liegt auch daran, dass diese Medikamente Tieren in der Landwirtschaft verabreicht werden.

Puten im Stall

Übermäßiger Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung - immernoch bei Puten und Masthähnchen

Der Bauernverband betont, man sei verantwortungsbewusst und verabreiche bereits weniger dieser Medikamente als früher. Weniger Antibiotikum in der Tierhaltung - klingt besser als es ist.

Fragen an Alice Thiel-Sonnen, Umwelt und Ernährung

Hat der Versuch, weniger Antibiotika in der Tierhaltung einzusetzen, etwas gebracht?

Auf den ersten Blick ist das schon ein Erfolg. Seit 2011 muss ja gemeldet werden, was und wie viel an Medikamenten jährlich an Tierärzte abgegeben wird. Da sagen die jüngsten Zahlen: Nach den sechs Jahren, in denen diese Regelung greift, wird mittlerweile nur noch halb so viel an Antibiotika für die Tiermedizin in Deutschland eingesetzt.

Schaut man aber weiter, wie oft im Stall mit Antibiotika therapiert wird, ist die Entwicklung bei Rindern und Kälbern okay. Bei Schweinen geht die Therapiehäufigkeit nur noch langsam zurück, und bei Masthühnchen und Puten steigen die Zahlen sogar. Man hat wohl erst einmal die Vielverbraucher gebremst - aber bei einzelnen Tierarten muss auf jeden Fall weiter daran gearbeitet werden.

Welche Folgen hat das für den Menschen?

Frau mit Mundschutz liegt in einem Krankenhausbett.

Resistente Krankenhaus-Keime erfordern Quarantäne

Es ist auf jeden Fall gut, wenn weniger Antibiotika im Stall eingesetzt werden. Dann bilden sich weniger resistente Erreger - also solche, die sich quasi an die Medizin gewöhnt haben, die nicht mehr darauf reagieren, denen Antibiotika nichts mehr anhaben können. Denn solche resistenten Keime gelangen in die Umwelt oder über direkten Tierkontakt oder die Hähnchenschenkel auf dem Küchenbrett auch zu uns Menschen.

Hier verraten die Zahlen noch ein Manko: Es werden inzwischen zwar weniger von den klassischen Tierarzneien eingesetzt, dafür aber mehr aus der Wirkstoffklasse der Fluorchinolone. Das sind Antibiotika, die auch beim Menschen zum Einsatz kommen. Wenn die verstärkt im Tierstall eingesetzt werden, häufiger Resistenzen bilden - und dann beim Menschen möglicherweise nicht mehr wirken - das ist dann keine positive Bilanz mehr.

Versucht man auch, andere Wege zu gehen? Welche Alternativen gibt es?

Hand hält ein kleines Reagenzglas

Forscher suchen Alternativen für Antibiotika

Wenn es darum geht: Wie ersetze ich Mittel A durch Mittel B - das ist schwierig. Man könnte aber daran ansetzen und fragen: Warum werden die Tiere krank? Meistens, weil zu viele auf zu engem Raum gehalten werden, auf Grund von Stress oder wegen der schlechten Hygiene. Also müssen die Haltungsbedingungen geändert werden.

Eine Alternative können auch homöopathische Mittel sein - also aus Pflanzen und Naturmitteln. Die werden auch in der Nutztierhaltung immer öfter eingesetzt.

Aber will man die gleiche durchschlagende Wirkung wie Antibiotika - an dieser Stelle steckt man noch in der Forschung. Zum Beispiel an sogenannten Bakteriophagen - das sind Viren, die sich in den krankmachenden Bakterien einnisten und sie abtöten. Daran sitzen auch Experten an der Uni Hohenheim in Stuttgart. Solche Mittel werden in osteuropäischen Ländern auch schon in der Praxis eingesetzt - bei Mensch und Tier - mit guten Erfahrungen. Bei uns sind sie aber noch nicht zugelassen - und das wird auch bestimmt noch dauern.


Online: Heidi Keller