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SWR-Dokumentation Versenkt und Vergessen - Atommüll vor Europas Küsten

Lange galt das Verklappen von Atommüll im Meer als sichere Entsorgungsmethode - bis es 1995 international verboten wurde. Doch was wurde aus den 114.726 Tonnen, die bereits ins Meer geworfen wurden? Ein Film-Team des SWR machte sich auf die Suche und brachte Beunruhigendes zu Tage

Die Recherche nach den atomaren Altlasten vor Europas Küsten begann für die SWR-Redakteure Manfred Ladwig und Thomas Reutter nach der Atomkatastrophe von Fukushima vor zwei Jahren. Sie fragten sich, welche Altlasten wohl in den europäischen Meeren lagern, und was aus den Atommüll-Fässern geworden ist, die über Jahrzehnte beispielsweise in den Nordostatlantik verklappt wurden. Hat sich die Radioaktivität inzwischen im Meer 'verdünnt' und ist nicht mehr nachweisbar, oder belastet sie im Gegenteil unsere Nahrung, die Fische? Und wenn ja, was bedeutet das für den Endverbraucher? Das waren die Ausgangsfragen der beiden SWR-Redakteure.

200.000 Atommüll-Fässer liegen vor den Küsten Europas.

Sie recherchierten, drehten erste Beiträge für "Report Mainz" und fanden heraus: Mehr als 200.000 Atommüll-Fässer verrosten vor den Küsten Europas und - auch Deutschland ließ Atommüll ins Meer kippen, hatte die Verklappung ins Meer in den 50er Jahren sogar angestoßen.

Im vergangenen Jahr gingen die Recherchen weiter. Ausgehend von Filmaufnahmen der Umweltschutzorganisation Greenpeace aus dem Jahr 2000, die Atommüll-Fässer im Ärmelkanal in nur 100 Metern Tiefe zeigen, machten sich Manfred Ladwig und Thomas Reutter nun selbst auf die Suche. Mit Schiff und ferngesteuertem Mini-U-Boot, ausgerüstet mit Spezialkameras, fuhren sie los und wurden auf Anhieb fündig:

Fässer in geringer Tiefe entdeckt

"Wir hatten großes Glück und entdeckten gleich am ersten Tag zwei Atommüll-Fässer", berichtet Thomas Reutter, Redakteur bei "Report Mainz". "Greenpeace hatte uns zuvor wenig Hoffnung gemacht, etwas zu finden. Die Strömung im Ärmelkanal ist sehr stark und man hat pro Tag maximal eine halbe Stunde Zeit, vernünftig mit dem U-Boot zu navigieren - nämlich dann, wenn Ebbe und Flut sich aufheben."

Die beiden entdeckten Fässer, so glaubt Kollege Manfred Ladwig, Redakteur in der SWR-Umweltredaktion, sind kein Einzelfall. "Wir denken, dass da unten noch viel mehr unversehrte Fässer liegen. Fässer, die in dieser geringen Tiefe möglicherweise ein hohes Gefährdungspotential darstellen."

In ihrer Dokumentation "Versenkt und Vergessen - Atommüll vor Europas Küsten" sprechen Manfred Ladwig und Thomas Reutter außerdem mit Zeitzeugen, politisch Verantwortlichen und Greenpeace-Aktivisten. Sie nehmen Proben in Gewässern und Landstrichen und zeigen, welche Schäden die radioaktiven Altlasten bereits in der Umwelt angerichtet haben.

Und sie stoßen auf eine Gesetzeslücke: Seit 1995 ist es zwar weltweit verboten, Atommüll ins Meer zu werfen. Es ist aber immer noch erlaubt, radioaktives Abwasser von Land aus ins Meer einzuleiten. Und genau das geschieht jeden Tag. Wiederaufarbeitungsanlagen pumpen flüssigen Atommüll in die Irische See und den Ärmelkanal.

ARTE-Themenabend "Endlager Meeresgrund"

23. April, 20.15 Uhr: "Versenkt und Vergessen - Atommüll vor Europas Küsten". Ein Film von Manfred Ladwig und Thomas Reutter.
23. April, 21.10 Uhr: "Atomfriedhof Arktis". Ein Film von Thomas Reutter. Thomas Reutter begibt sich auf die Spuren versenkter sowjetischer Atom-U-Boote und Kernreaktoren, deren Gefahren vom Kreml noch immer geleugnet werden.