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Schmetterlings-Sterben Monokulturen bedrohen die bunten Falter

In den letzten 20 Jahren sind die Hälfte der Wiesen-Schmetterlinge ausgestorben, und die Artenvielfalt schrumpft weiter drastisch. Verantwortlich ist nicht zuletzt die intensive Landwirtschaft.

Ein Schmetterling der Art Hauhechel-Bläuling

Ein Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) auf einer Roggenähre am Feldrand

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat eine Studie zum Sterben der Schmetterlinge vorgestellt. Danach ist seit den frühen 1980er Jahren die Häufigkeit nachtaktiver Schmetterlinge um die Hälfte und die Anzahl der Arten um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Der dramatische Rückgang betrifft vor allem die Agrarlandschaft.

Fragen an Elke Klingenschmitt, SWR Umwelt und Ernährung

Warum sterben unsere Wiesen-Schmetterlinge aus?

Die vielen möglichen Gründe sind noch nicht bis ins Detail geklärt. Aber es liegt auf der Hand, dass unsere intensive Landwirtschaft die größte Verantwortung am Sterben der Schmetterlinge hat, denn die Hälfte der Fläche Deutschlands sind Wiesen und Äcker.

Auf diesen Flächen wird massiv gedüngt und Pestizide werden versprüht. Dadurch gibt es kaum noch blühende Wildpflanzen und -kräuter. Auf diese sind die Schmetterlinge jedoch angewiesen. Viele brauchen sogar eine ganz bestimmte Nahrungspflanze, und wenn die fehlt, dann stirbt auch der Schmetterling.

Welche Schmetterlings-Arten sind betroffen?

Dukatenfalter

Dukaten-Feuerfalter

Laut einer Studie der Europäischen Umweltagentur von 2013 sind innerhalb von 20 Jahren die Hälfte der Wiesenschmetterlinge verschwunden. Darunter zum Beispiel der wunderschöne Hauhechel-Bläuling. Der leuchtend orange Dukaten-Feuerfalter hat sich nachweislich in kühlere Gefilde zurückgezogen - wie etwa ins Hochsauerland. In warmen Gebieten wie in Rheinhessen finden wir ihn nicht mehr.

Eine gute Nachricht: Der Aurorafalter, auch ein Wiesenfalter, hat bisher tapfer durchgehalten. Für die Nachtfalter werden die beleuchteten Städte zum Verhängnis: Sie umflattern die ganze Nacht die Lichtquellen, und am nächsten Morgen sterben sie oft an Erschöpfung - oder sie werden von Vögeln gefressen.

Was kann man gegen das Schmetterlings-Sterben tun?

Ein Aurorafalter sitzt auf Blüten.

Der Aurorafalter hält sich bislang noch wacker.

Auf jedem fünften Hektar der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland werden inzwischen sogenannte nachwachsende Rohstoffe angebaut - zum Beispiel Mais für Biogas. Diese Monokulturen sind eine Wüste für Insekten und Schmetterlinge, sie finden dort keine Nahrung.

Wenn man also etwas für die Artenvielfalt tun will, bedeutet das: Wieder gesunde Fruchtfolgen wie früher, weniger Mais, mehr Blühpflanzen auf dem Acker zulassen und auch auf den Straßenrandstreifen. Die sollten nicht so oft gemäht werden und auch nicht gedüngt, damit sich wieder mehr Blühpflanzen dort ansiedeln können, denn die sind für Schmetterlinge überlebenswichtig.

Übrigens, auch wer Bio-Lebensmittel kauft, tut etwas für die Umwelt und auch für die Schmetterlinge, denn auf den Öko-Flächen wird nicht chemisch gedüngt und gespritzt. Daher gibt es dort viel mehr Kräuter und Blühpflanzen als auf den konventionellen Äckern und Wiesen. Leider werden bis jetzt nur etwa sechs Prozent der Landwirtschaft bei uns in Deutschland ökologisch bewirtschaftet.

Schmetterlinge im eigenen Garten - Tipps von Pflanzenexpertin Heike Boomgaarden

  • Die wilde Möhre ziert größere Blütengruppen aus kleinen weißen Blüten.

    Schmetterlingsraupen lieben heimische Kräuter wie die Wilde Möhre.

    Am liebsten mögen unserer heimischen Schmetterlinge - und vor allem ihre Raupen - heimische Pflanzen. Die Raupen der Schmetterlinge haben am liebsten Wildkräuter wie Brennnesseln, Wilde Möhre, Disteln oder auch Wildsträucher, wie die Schlehe, aber auch Apfelbäume.
  • Bis Oktober, also bis es richtig kalt wird, haben wir noch Schmetterlinge im Garten. Es ist also wichtig, Schmetterlingen Futterpflanzen anzubieten, die bis in den Herbst hinein blühen und sehr viel Nektar haben. So stärken sich die Schmetterlinge für den kalten Winter. Man kann jetzt noch offen blühende Dahlien, Chrysanthemen oder Astern pflanzen, da diese bis zum Frost blühen. Auch Sommerflieder ist bei Schmetterlingen sehr beliebt.
  • Wenn man das Gefühl hat, dass das Nahrungsangebot im Herbst mehr ausreicht, kann man eine Lösung aus Wasser, Zucker und ein wenig Honig anrühren, die man dann in einer Schale bereitstellt.
  • Ganz wichtig ist es, den Schmetterlingen eine Möglichkeit zum Überwintern zu geben. Manche tun dies als Raupe, andere als erwachsenes Tier. Sie hängen sich gerne an abgeschnittene Äste, an Sträucher oder überwintern im Laub. Und Fallobst ist eine willkommene Mahlzeit vor dem Winterschlaf. Also: Nicht alles wegräumen und perfekte Ordnung im Garten schaffen.

Bieten wir den Schmetterlingen und ihren Raupen dieses Futter und den entsprechenden Unterschlupf, können wir uns von Jahr zu Jahr über mehr Schmetterlinge im eigenen Garten freuen.

Online: Stefan Heinz