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Rückkehr der Wildtiere Wölfe, Bären - auch der Wisent sorgt für Streit

Wolf, Bär und Wisent waren einmal heimisch bei uns. Mittlerweile ist der Mensch die Wildtiere nicht mehr gewohnt. Die Tiere passen sich an ihre neue Umgebung an.

Wisent

Wisente dehnen ihr Revier aus - und schädigen den Wald.

Die Wildtiere kommen zurück oder werden wieder ausgewildert. Tierliebhaber freuen sich, Bauern, Schäfer und die Nachbarn der wilden Tiere sind weniger begeistert - haben auch Angst.

Wisente gegen Waldbesitzer

Der Streit über das Schicksal der Wisente im nordrhein-westfälischen Rothaargebirge hat jetzt den Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe erreicht. Das von Bund und Land geförderte Artenschutz-Projekt startete mit hohen Erwartungen: Die lange ausgerotteten, größten Landsäuger Europas - bis zu drei Meter lang und bis zu 900 Kilo schwer - sollten im Siegerland wieder heimisch werden. 2013 wurden sie ausgewildert. Die Wisente haben ihr Revier ausgedehnt: Sie blieben nicht im Wald des verstorbenen Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg - es zog sie ins angrenzende Sauerland, wo sie mit Vorliebe den geschützten Rotbuchen an die Rinde gehen. Die Waldbesitzer haben geklagt. Im Januar wird das Verfahren vor dem BGH fortgesetzt.

Bär, Wolf und Wisent sorgen für Streit

Als 2006 Problem-Bär Bruno über die Alpen gekommen ist, gab es Probleme. Er war der erste Bär auf deutschem Boden seit 1835. Bruno riss nicht nur Schafe, sondern zerlegte auch Hühnerställe und hatte keine Scheu vor dem Menschen. Ihn lebend zu fangen, scheiterte, weswegen der Problem-Bär erschossen wurde. Jetzt steht Bruno ausgestopft im Museum, ein Super-Gau für Naturschützer.

Bär im Bärenpark Rippoldsau-Schapbach

Wildtiere sorgen für Verunsicherung und Konflikte.

Der Problem-Bär machte aber auch problembewusst und zeigte auf, wie schwer sich der Mensch mit den neuen alten Wildtieren tut. Das belegen auch Schlagzeilen wie "Wolf reißt Schaf", "Wolf nähert sich Joggerin", "Wolf durchstreift Innenstadt". Der Wolf erobert sein altes Terrain zurück. In den betroffenen Regionen führt das dazu, dass Jäger, Weideviehalter und Naturschützer aneinandergeraten - so, wie im aktuellen Fall mit den Wisenten.

Die Tiere reißen zwar keine Schafe, aber sie nagen an Bäumen. Das wiederum gefällt nicht jedem. Egal, ob Bär, Wolf oder Wisent, es führt zwischen Waldbauern und Tierschützern zu Konflikten, die häufig emotional und nur wenig sachlich geführt werden.

Wildtiere in der Kulturlandschaft der Menschen

Das Problem sind aber nicht die Tiere. Sie verhalten, beziehungsweise vermehren sich, wie es ihnen die Natur erlaubt. Denn Wisent, Wolf und Co, sie treffen heute nicht mehr auf die gleichen Bedingungen wie vor 200 Jahren. Die Wildtiere treffen auf eine vom Menschen gestaltete Kulturlandschaft mit reichlich Nahrung. Das führt dazu, dass sich auch der Wolf anpasst. Mal reißt er ein Reh, mal ein Schaf, ein anderes Mal nimmt er sich ein Menü aus der Mülltonne.

Jagd bleibt aus

Wolf blickt durch grüne Zweige hindurch

Der Wolf passt sich an seine Umgebung an.

Große Wildtiere treffen auf einen veränderten Lebensraum, der perfekt ist, um sich zu vermehren. Das zeigen sowohl die Wölfe, die von Osteuropa wieder nach Deutschland kommen, wie auch die ausgewilderten Wisents, die sich nicht an Grundstücksgrenzen halten.

Früher wären die Wölfe gejagt worden, sie hätten sich gefürchtet und zurückgezogen. Diese Konditionierung bleibt heute aus. Umgang und Regeln im Zusammenleben mit den neuen wilden Mitbewohnern müssen neu gelernt werden. Das zeigt auch das Gerichtsverfahren vor dem Bundesgerichtshof.

Autor: Martin Thiel, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Thomas Oberfranz