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Elektromüll

SENDETERMIN Mi, 9.3.2016 | 10:20 Uhr | SWR Fernsehen

Rohstoff Elektroschrott Mehr als Müll

Ob altes Handy, defekter Laptop oder Röhren-Fernseher. In vielen deutschen Haushalten finden sich ausrangierte Elektrogeräte. Für die Verbraucher sind sie für nichts mehr zu gebrauchen. Doch in den Geräten stecken oft teure Edelmetalle wie Gold, Kupfer oder Platin. Recyclinganlagen haben sich zur Aufgabe gemacht, diese wertvollen Stoffe aus den alten Geräten zurückzugewinnen. Das ist nur aus wirtschaftlicher Sicht lohnenswert, sondern schützt auch die Umwelt.

Wo der Nutzen eines alten und defekten Elektrogerätes für den Verbraucher endet, beginnt das Interesse auf Seiten der Recyclingbetriebe. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Wertstoffe aus den alten Geräten zurückzugewinnen. So auch das Logistikunternehmen Geodis. In der Niederlassung im rheinhessischen Nieder-Olm sind 270 Menschen damit beschäftigt, ausrangierte Elektrogeräte zu recyceln.

Der Geodis-Betriebsleiter Matthias Wilke beim Ausbau eines Computers

Der Geodis-Betriebsleiter Matthias Wilke beim Ausbau eines Computers

Pro Jahr werden nach Nieder-Olm 400.000 alte Elektrogeräte angeliefert. Doch nicht alles, was hier ankommt, ist wirklich reif für die Tonne: Deshalb wird in einem ersten Verarbeitungsschritt jedes Gerät auf seine Funktionstätigkeit überprüft. Das heißt: Jedes Gerät wird von einem Mitarbeiter getestet. Ein aufwendiges Prozedere, das sich aber dennoch lohnt, denn manche Geräte oder deren Einzelteile funktionieren noch. Diese werden dann ausgebaut und wieder im Handel verkauft. In Nieder-Olm können pro Jahr über 100.000 noch funktionierende Ersatzteile aus alten und defekten Geräten gewonnen werden.

Nur die defekten und kaputten Geräte werden als Müll weiterverarbeitet. Doch auch dieser Müll ist nicht wertlos, sagt der Betriebsleiter der Geodis-Niederlassung Matthias Wilke: "Aus 4.000 Tonnen Elektroschrott gewinnen wir ca. 25 Kilogramm Gold". Auch andere Edelmetalle wie Silber oder Platin können in großen Mengen aus dem Elektromüll gewonnen werden. Sie können zum Beispiel für die Herstellung neuer Elektrogeräte verwendet werden.

Weltweit über 20 Millionen Tonnen Elektromüll pro Jahr

Es sind Millionen von Tonnen, die weltweit an Elektroschrott jedes Jahr anfallen. Die Vereinten Nationen schätzen, dass weltweit 20 bis 50 Millionen Tonnen produziert werden. Allein in Europa produziert jeder Bürger pro Jahr 20 Kilogramm Elektroschrott. Nicht jedes Kilogramm kommt in den Recycling-Betrieben an. 150.000 Tonnen des in Deutschland produzierten Elektromüll landet nach Angaben des Bundesverbands Sekundärstoffe und Entsorgung (BVSE) in Müllverbrennungsanlagen. Damit wird nicht nur die Umwelt belastet, sondern es gehen auch die teuren Wertstoffe verloren. Aus dem gesamten Elektromüll können so nur 30 Prozent der Wertstoffe wiedergewonnen werden. Das liegt vor allem an der geringen Rücklaufquote des Elektroschrotts.

Hintergrund: Wohin mit dem Elektromüll?
In Elektrogeräten stecken viele giftige Substanzen. Elektromüll gehört damit nicht in die Restmülltonne. Es handelt sich um Sondermüll. Ausgemusterte Elektrogeräte können in der Regel in den kommunalen Sammelstellen entsorgt werden. Manche Kommunen bieten auch an, bestimmte Geräte direkt von der Haustüre abzuholen - ähnlich wie beim Sperrmüll. Außerdem nehmen auch viele Hersteller und Händler alte, defekte Elektrogeräte an. Seit 2013 bietet das Bundesumweltministerium die kostenlose Smartphone-App "eSchrott-App" an. Mit ihr können die am nächsten gelegene kommunale Sammelstellen für Elektromüll abgefragt werden.

Illegale Entsorgung des Elektroschrotts im Ausland

Kinder in Afrika beim Müll verbrennen

Kinder in Ghana beim Verbrennen von illegalem Elektroschrott.

Nicht immer werden Elektrogeräte aufwendig wie in Nieder-Olm recycelt. Oft werden die alten Elektrogeräte auch illegal entsorgt: Experten von Ökopol gehen davon aus, dass 300.000 Tonnen an deutschem Elektromüll ins Ausland exportiert wird. Ein EU-Gesetz verbietet das eigentlich: Gefährlicher Elektromüll darf demnach nicht in das Ausland ausgeführt werden. "Das versucht man aber zu umgehen, indem man sagt: Es ist kein Elektroschrott, sondern es sind Geräte, die noch repariert werden sollen", sagt Matthias Wilke. Nur so ist es den Händler überhaupt möglich, den Elektroschrott auszuführen.

Dieser ins Ausland exportierte Elektroschrott kommt in vielen Fällen nicht in den Recycling-Betrieben an. Greenpeace schätzt, dass rund zwei Drittel nicht in professionellen Anlagen weiterverarbeitet werden. Nicht selten zerlegen Kinder den Elektromüll mit bloßen Händen auf der Jagd nach wertvollen Metallen. Von Giften wissen sie nichts. Sie verwenden Dämmschäume aus alten Kühlschränken, um Feuer anzufachen. Damit glühen sie die Kabel aus. Eine gefährliche Arbeit, die auch die Umwelt belastet: "In diesen Geräten sind sehr viele Schadstoffe enthalten. Wenn die nicht ordentlich und nach neustem Stand der Technik entsorgt werden, dann belastet das die Umwelt für Jahre", erklärt Matthias Wilke von Geodis. Er wünscht sich, dass in Zukunft noch mehr alte Elektrogeräte in Recycling-Betrieben landen und weniger illegal entsorgt werden.

aus der Sendung vom

Mi, 9.3.2016 | 10:20 Uhr

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