Bitte warten...

SENDETERMIN Di, 17.10.2017 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen BW

Reptilienhandel Blutiges und florierendes Geschäft

Schwerverletzt oder tot - Reptilienhandel ist ein grausames Geschäft auf Kosten von Tierleben. Die Händler quälen die Exoten wissentlich. Massensterben wird dabei von Anfang an einkalkuliert. Großes Leid erfahren die sensiblen Tiere auf ihrer Reise zur Handelsware.

Leid um jeden Preis

Eine Wanne ist voller Blut. In ihr liegt eine schwerverletzte Echse. Die Verletzung hat sich das Tier beim Transport aus seinem Herkunftsland nach Deutschland zugezogen. Auf artgerechten Transport der empfindlichen Tiere wird hier nicht geachtet. Es wird alles zur Transportbox gemacht, wo ein Tier reinpasst - die Tierquälerei wird dabei bewusst in Kauf genommen. Ein Einzeltier hat im Reptilienhandel keinen großen Wert, viel mehr kommt es auf die Masse an. Der Massenimport macht es den Händlern möglich ihre eingekauften Tiere zu ebenso niedrigen Preisen wieder zu verkaufen.

Mark Auliya im Interview

Mark Auliya forscht zu Reptilien-Geschäften am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig.

Mark Auliya ist Biologe am Helmholtz-Zentrum-Leipzig und kennt die Szene, in der Reptilienhandel stattfindet. Er kritisiert die Spottpreise, zu denen viele der Reptilien angeboten werden. Das Verramschen führt dazu, dass sich viele Konsumenten wenig Gedanken um das Schicksal des Einzeltieres machen. "Der Konsument, der sagt sich, wenn es ja nur fünf oder zehn Euro gekostet hat, dann kaufe ich mir nächste Woche einen neuen", betont der Reptilienexperte Auliya. Der Konsument trägt demnach genauso eine Verantwortung beim Kauf eines Exoten, wie der Händler, der mit Großhändlern aus dem Ausland zusammenarbeitet.

Viele exotische Arten werden im Winter nach Deutschland importiert. Das Problem: Die Tiere werden aus ihrer Umwelt mit hohen Umgebungstemperaturen herausgerissen und landen ohne Anpassungszeit im kalten Deutschland. Viele Tiere überleben diesen Wechsel, neben den Transportumständen, nicht. Bei bis zu 70 Prozent der Wildfänge und Reptilien wird eine Sterblichkeitsrate im Reptilienhandel bereits einkalkuliert, wie die Tierärztin Dörte Röhl gemeinsam mit der Tierrechtsorganisation PETA bei einem Rechercheprojekt herausfand.

Reptilienhändler: "Im Terrarium haben sie Vollpension"

Reptilienhändler sehen diese Umstände natürlich als weniger dramatisch an. Jürgen Hoch ist Reptilien-Importeur aus der Nähe von Freiburg und beliefert große deutsche Tiermärkte. Jürgen Hoch glaubt, dass die Sterberate in der Natur viel höher sei, als auf dem Weg vom Exportland bis zu seinem eigentlichen Zielort. "Die Natur ist das Elendigste, was für die Reptilien letztendlich vorhanden ist. Im Terrarium haben sie Vollpension." Ob ein künstliches Terrarium wirklich ein Leben in Freiheit ersetzen kann und diese von einer sterilen Umgebung mehr profitieren, sei dahingestellt.

Fachhändler mit ersten Maßnahmen

Tote Echse vor Transportbox

Dieses Reptil ist sehr geschwächt vom Transport.

Von 2004 bis 2014 wurden sechs Millionen exotische Tiere nach Deutschland verfrachtet. Der Handel floriert, im Internet, bei Tierbörsen und bei Tier-und Futtermärkten. Auch der Wildfang von Reptilien wird weiterhin durch Käufe unterstützt. Drei Tiermärkte gaben nun jedoch Beschränkungen bei ihrem Bezug von Reptilien bekannt. Der Fachmarkt "Dehner" will nur noch Schildkröten aus europäischer Zucht verkaufen, "Fressnapf" möchte nur noch Zuchttiere aus Europa anbieten und der Fachmarkt "Futterhaus" will zukünftig ebenso nur Tiere aus deutschen Nachzuchten im Angebot haben.

Bundeslandwirtschaftsminister sieht keinen Handlungsbedarf

Christian Schmidt, Bundeslandwirtschaftsminister und Tierschützer, hält die derzeitigen gesetzlichen Beschränkungen bei Handel und Import für ausreichend. Die Landestierschutzbeauftragte von Baden-Württemberg Cornelie Jäger fordert hingegen eine Tierschutz-Exotenverordnung mit festgelegten Bedingungen für Tierhalter, Händler und sogenannte Tierbörsen. Ihrer Meinung nach sollte aber der Import komplett unterbunden werden.

Frösche in Flasche

Frösche verstaut in einer Plastikflasche für den Transport.

Die Nachfrage bestimmt das Angebot, so auch im Reptilienhandel. Echsen, Frösche, Schlangen und viele andere Arten sind und bleiben exotische Wildtiere, für die ein Leben in Gefangenschaft häufig mit enormem Stress verbunden ist. Der Kauf eines solchen Tieres hängt immer auch mit dem Tod vieler anderer qualvoll verendeter Reptilien zusammen - das sollte jedem Käufer bewusst sein.

Hintergrundinterviews:

Das Politmagazin Report Mainz vom 23. August 2016 hat sich bereits mit dem Reptilienhandel beschäftigt und dazu zwei Stimmen gegen das boomende Tiergeschäft gehört. Interviewt wurden: Dr. Mark Auliya, Biologe vom Helmholtz-Zentrum-Leipzig, und Dr. Cornelia Jäger, Landestierschutzbeauftragte von Baden-Württemberg.