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SENDETERMIN Di, 7.10.2014 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

Region Ahr Nachhaltige Wege des Weinbaus

Vorbildlich: Als erste Region deutschlandweit verzichtet das Ahrtal beim Weinbau komplett auf Insektizide. Zurzeit ist die Lese in vollem Gange - sowohl im Recher Herrenberg von Winzer Alexander Stodden, der konventionellen Weinbau betreibt, als auch beim Bio-Winzer Christoph Bäcker. Wie sie ihre Reben erfolgreich nachhaltig bewirtschaften, erzählen sie uns im Interview.

Winzer Alexander Stodden

Alexander Stodden

SWR: In Ihren Reben hängen nicht nur Trauben, sondern auch zahlreiche Pheromonampullen. Welchen Zweck haben die?

Alexander Stodden: Die sind dazu da, um den Traubenwickler, einen der größten Schädlinge hier, zu verwirren. Darin sind Sexualduftstoffe, die den Männchen vorgaukeln, dass hier Weibchen herumschwirren. Da sie aber keine finden, können sie auch keine Population in den Reben aufbauen.

Die Ampullen gibt es ja schon seit den 90er Jahren. Aber, dass sich eine ganze Region dazu entschließt, diese einzusetzen, ist neu, oder?
Genau, wir sind die ersten, die das flächendeckend tun - und das sehr erfolgreich. Wir sind selbst sehr angetan von dem großen Erfolg.

Winzer Alexander Stodder mit Pheromonfalle

Klein und effektiv ...

War es schwierig, andere Winzer davon zu überzeugen?
Nein, denn die Zeit war reif dafür. Es gab wirklich kaum einen, der zunächst sagte: "Nein, da mache ich nicht mit."

Warum sind Sie diesen Weg gegangen?
Im Endeffekt geht es doch darum, im Einklang mit der Natur die besten Qualität zu erzielen. Außerdem ist der Weinberg das einzige Pfund, womit ich wuchern kann. Mir geht es also um die Nachhaltigkeit: Wenn eines meiner Kinder später auch mal Weinbau betreiben möchte, braucht es einen funktionierenden Weinberg.

Sie haben sich bewusst gegen eine Bio-Zertifizierung entschieden. Wie kann konventioneller Weinbau dennoch nachhaltig betrieben werden?
Ich habe mich dem Verein "Fair 'n Green" angeschlossen, der sich stark für das Nachhaltige - auch über das Hegen und Pflegen der Traube hinaus - engagiert. Der Verein durchleuchtet praktisch das ganze Unternehmen und zeigt auf, wo man Einsparungen machen kann. Das kann zu einem Umdenken in der Gesellschaft führen.

Als erster Winzer im Ahrtal hat Öko-Winzer Christoph Bäcker schon in den 90er Jahren ökologisch gearbeitet und wahre Pionierarbeit geleistet. Er probierte vieles aus, bis er schließlich bei seinem heutigen Stand angelangte. Auf eines hat er dabei von Anfang an verzichtet: auf Insektizide.

Winzer Christoph Bäcker

Christoph Bäcker

SWR: Wie finden Sie den Zusammenschluss der Ahrtal-Winzer in Sachen Nachhaltigkeit?

Christoph Bäcker: Ich hoffe, dass da noch mehr möglich ist. Es gibt viele Bereiche, in denen man etwas einsparen kann oder sogar auf etwas verzichten kann. Ich meine damit vor allem den Boden, der ja die Grundlage unseres Schaffens ist. Viele Winzer verzichten beispielsweise inzwischen bei der Bodenbegrünung auf Herbizide.

Welche Möglichkeiten haben Sie als Bio-Winzer Schädlingen wie beispielsweise der Kirschessigfliege zu begegnen?
Die einzige Möglichkeit, die ich habe, sind freistehende Trauben. Und entblättern ist natürlich eine wichtige Maßnahme.


Im Gegensatz zu heimischen Fruchtfliegen befällt die aus Asien stammende Kirschessigfliege gesunde Früchte. Sie legt ihre Eier in die Früchte und lässt diese in kürzester Zeit ungenießbar werden.

Als alternatives Insektizid für Öko-Weinbau hat Kupfer ja eine lange Tradition ...
Wir nutzen es, seit der Falsche Mehltau aus Amerika nach Deutschland eingeschleppt wurde, als Mittel gegen diese Pilzerkrankung. Erst spät wurde festgestellt, dass es sich in den Böden anreichert und man es nicht in großen Mengen ausbringen sollte.

Aber erlaubt ist es noch, oder?
Ja, aber man beschränkt sich auf eine relativ kleine Fläche und hofft, dass das Kupfer als Spurenelement in den organischen Substanzen verarbeitet werden kann und sich dann nicht in den Böden anreichert.