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SENDETERMIN Di, 17.9.2019 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen BW

Polarisierendes Kriechtier Schnecken - archaisch, faszinierend und nützlich

Manche Arten leben im Wasser, manche an Land. Für die einen sind sie gekocht und mit Kräuterbutter eine Delikatesse. Die anderen finden sie nur ekelhaft. Auf jeden Fall ist es eines der ältesten Tierarten überhaupt: die Schnecke.

Wie geheimnisvolle Wesen sehen sie aus: die Schnecken. Sobald es dämmert, kriechen sie aus ihren Verstecken. Kein Gartenzaun hält sie auf, denn sie sind hungrig nach frischem Salat. Die gierigen Kriecher besitzen Tausende von Raspelzähnen auf ihrer Zunge. Jeden Tag vertilgen sie damit so viel wie sie wiegen. Kein Wunder, dass der Salat im Nu weg ist und alle Gärtner die "Schleimer" nur los werden wollen.

Wie sieht, isst, atmet, kriecht eine Schnecke?

Faszinierend sind auch die Augen der Schnecke. Sie sitzen ganz vorne an ihren Fühlern, die sie teleskopartig aus ihrem Kopf herausschiebt. Sie kann damit jedoch nur hell und dunkel unterscheiden. Dafür kann die Schnecke umso besser riechen.

Schnecken atmen durch ein Atemloch, manche mithilfe von Kiemen, andere mit einer Art Lunge ("Lungenschnecken"). Mehr als 200 Millionen Jahre ist es her, da lebten Schnecken noch im Wasser. Manche entwickelten dann eine Lunge und eroberten das Land.

Ein weiteres auffälliges Merkmal sind die Füße: Statt ihrer hat die Schnecke nämlich nur eine sogenannte "Sohle". Ihre Muskeln verursachen wellenartige Bewegungen, mit der sich die Schnecke fortbewegt.

Schnecke Rasierklinge

Die Sohle ist so fest und schleimgeschützt, dass sie sogar über eine Rasierklinge klettern kann, ohne sich zu verletzen.

Der antibakterielle Schleim schützt die Schnecke vor Krankheiten und vorm Austrocknen. Je feuchtwärmer das Klima, desto besser für die Schnecke und ihre Schleimproduktion. Der Schleim ist dabei beides zugleich: Mal dient er zur besseren Haftung auf glatten Oberflächen, mal hilft er beim Gleiten.

Von Hausbesitzern und Schneckenkönigen

Eigentlich ist die Schnecke ein faszinierendes Geschöpf: Seit vielen Millionen Jahren kriecht sie durch diese Welt. Das größte Exemplar ist die Weinbergschnecke. Sie hat ihr Haus immer dabei und trägt es wie einen Rucksack auf dem Rücken. Wird es ihr zu heiß oder zu kalt, zieht sie sich einfach dorthin zurück. Das Schneckenhaus ist ein richtiges Kunstwerk, das nur aus Kalk besteht, den die Schnecke aus der Nahrung aufnimmt.

Schneckenkönig

Normalerweise ist ein Schneckenhaus links herum gedreht, ganz selten findet man eines rechtsherum. Das ist dann ein "Schneckenkönig".

Heute leben bei uns viele unterschiedliche Schnecken: kleine und große mit bunten Häusern oder auch mit gar keinen Häusern wie die "Nacktschnecken". Sie haben ihr Haus wieder abgeschüttelt. Sie blieben überall damit hängen und waren viel zu langsam. Jetzt sind sie schneller und passen in jede Ritze. Das hat Vorteile beim Überlebenskampf - und vielleicht auch beim massenweisen Vernichten von Gartenbeeten, wer weiß?

Aber sie ist auch nützlich, denn sie frisst Verwelktes, Aas und Tierkot. Dabei sorgt sie gleichzeitig auch für frischen Humus. Sie ist so eine Art "Gesundheitspolizei" in unserem Garten und zugleich selbst wichtige Nahrung für viele Tiere, zum Beispiel für Igel, Drosseln oder Erdkröten. Schnecken sind also faszinierende und nützliche Wesen in unserem Naturkreislauf.

aus der Sendung vom

Di, 17.9.2019 | 18:15 Uhr

SWR Fernsehen BW