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NABU: Stunde der Wintervögel Es könnte ein Ausreißerjahr werden

Gemütlich zum Fenster rausgucken und dabei noch etwas Gutes für die Umwelt tun: Vögel zählen für die "Stunde der Wintervögel", bis zum Sonntag. Die Experten sind 2017 besonders gespannt.

An diesem Wochenende - von Freitag, 6. Januar, bis Sonntag, 8. Januar - ruft der Naturschutzbund NABU wieder zur Teilnahme an seiner traditionellen "Stunde der Wintervögel" auf. Mitmachen kann jeder, der Lust hat, eine Stunde lang die Vögel auf dem heimischen Balkon oder im Garten zu beobachten, zu zählen und anschließend dem NABU zu melden.

Die Naturschützer erhoffen sich von diesen Meldungen wichtige Erkenntnisse darüber, wie es der heimischen Vogelwelt geht. Das Ergebnis dürfte in diesem Jahr besonders spannend ausfallen.

Szenario 1: Es gibt mehr Vögel zum Zählen als letztes Jahr

Naturfreunde zählen die Wintervögel vor der Haustür mit Hilfe von Fernglas und Strichliste.

Vom Fenster aus Vögel zählen, hilft den Naturschützern

Eigentlich ist die Stunde der Wintervögel schon so etwas wie Routine für die Naturschützer vom NABU, sie findet schließlich zum siebten Mal statt. Doch in diesem Jahr ist vieles anders. Ein Grund dafür sei das Wetter, sagt Laura Kettering vom NABU Rheinland-Pfalz. "Wir vermuten, dass der aktuelle Kälteeinbruch die Vögel jetzt mehr an die Futterstellen in den Siedlungen zieht als noch im Dezember."

Nach diesem Szenario würden in diesem Jahr also mehr Vögel gezählt werden als in den Vorjahren. Und nicht nur das, es könnte auch die ein oder andere ungewöhnliche Art dabei sein. Möglicherweise der Seidenschwanz, ein bunter Singvogel mit charakteristischer Federhaube auf dem Kopf. Er gehört zu den Brutvögeln aus Skandinavien, die bei uns nur hin und wieder vorkommen, wenn es dort besonders kalt ist.

Szenario 2: Es gibt weniger Vögel zum Zählen als letztes Jahr

Eine Blaumeise sitzt auf einem Ast

Die Blaumeise ist die bunteste unter den Meisen

Aber nicht nur für die Teilnehmer verspricht die Stunde der Wintervögel in diesem Jahr besondere Spannung. Auch für die NABU-Mitarbeiter, die die Ergebnisse auswerten und ihre Erkenntnisse daraus ziehen wollen. Denn es gibt auch noch ein anderes Szenario: Es könnten auch deutlich weniger Vögel gezählt werden als in den Vorjahren, sagt Laura Kettering. "In den vergangenen Wochen haben uns bundesweit viele Meldungen erreicht, dass die Leute sagen, sie finden weniger Vögel in ihren Gärten. Deshalb sind wir hellhörig geworden. Wir sind jetzt total gespannt auf die Ergebnisse der Winterzählung."

Die deutschlandweite Zählung an diesem Wochenende soll einen Hinweis darauf geben, ob wirklich weniger Vögel unterwegs sind, oder ob sie sich bisher einfach nur seltener in den Gärten gezeigt haben als sonst.

2017 könnte ein Ausreißer-Ergebnis bringen

Egal, welches der Szenarien nun eintritt: Ob deutlich mehr oder deutlich weniger Vögel gezählt werden: 2017 könnte ein Ausreißerjahr werden, das sich nur schwer mit den Daten zum Vogelbestand der Vorjahre in Einklang bringen lässt. Für die Vogelkundler hat es trotzdem seinen Wert.

Denn für sie sind nicht nur die Ergebnisse eines Jahres interessant - für sie steht bei der jährlich stattfindenden Stunde der Wintervögel vor allem die Langzeitbeobachtung im Mittelpunkt. Denn nur sie macht Trends und schleichende Entwicklungen bei den Vogelbeständen sichtbar.

Aufgerufen zum Mitzählen bei der "Stunde der Wintervögel" ist jeder, der sich vom 6. bis 8. Januar eine Stunde Zeit nehmen möchte, um die Vogelwelt auf seinem Balkon oder im Garten zu beobachten. Die Ergebnisse der Zählung werden vermutlich Anfang Februar vorliegen und veröffentlicht.

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Dominik Bartoschek, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Heidi Keller