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Mülltonne voller Pappbecher

SENDETERMIN Di, 26.9.2017 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

Weniger Müll Mehr Mehrweg-Kaffeebecher

Jedes Jahr werden in Deutschland fast drei Milliarden Coffee-To-Go-Becher verbraucht. Für die Produktion wird viel Rohöl und Holz verwendet und die Becher sind wegen ihrer Kunststoffbeschichtung nicht recycelbar. Eine Lösung könnten Mehrwegbecher sein.

Kaffee, das Lieblingsgetränk der Deutschen. Auch unterwegs wollen die meisten nicht auf den Genuss des Wachmachers verzichten. Das sieht man in den Fußgängerzonen - und in den Mülleimern: überall Einwegkaffeebecher, eine regelrechte Mülllawine. Für Naturschützer wie Sabine Yakoub vom BUND-Rheinland-Pfalz ein ernsthaftes Problem. "Es werden sehr viele Rohstoffe verwendet, um sie herzustellen", sagt sie. "Das Papier bei Pappbechern ist meistens nicht recycelt, sondern aus frischem Holz. Also wird sehr viel Holz verbraucht. Und die Pappbecher sind dann auch noch mit Plastik beschichtet. Was dazu führt, dass man sie dann auch nicht mehr recyceln kann. Das heißt, sie sind tatsächlich Müll." Auch Biokunststoff auf pflanzlicher Basis sei keine Alternative, so die Umweltaktivistin. Denn selbst professionelle Kompostierer sortierten sie aus, weil sie sehr schwer verrotten.

Die in Deutschland pro Jahr verbrauchten Einweg-Kaffeebecher ergeben nebeneinander aufgestellt eine Fläche von mehr als 5.000 Fußballfeldern.

Con-Cup-Becher

Der "Con-Cup" in Mainz ist spülmaschinenfest und mehrfach verwendbar.

Das einfachste Mittel gegen den Müllberg aus Kaffeebechern wäre, wenn man seinen eigenen Becher zum Befüllen mitbringen würde. Das Problem dabei ist die Hygiene, für die der Lebensmittelunternehmer die Verantwortung trägt. Einer, der sich um Alternativen Gedanken gemacht hat, ist der Mainzer Dan Brandes. Seine Geschäftsidee: Ein System mit Mehrwegbechern, mit so genannten "Con-Cups". "Das System funktioniert ganz einfach", erklärt er. "Der Kunde geht in das Café seiner Wahl, kauft sich seinen Kaffee-To-Go im Con-Cup, nimmt diesen mit, kann ihn bei allen Bäckereien oder Cafés, die Systempartnern sind, wieder abgeben und bekommt seinen Euro Pfand wieder zurück." Der Con-Cup-Becher ist spülmaschinenfest, mehrere hundert mal verwendbar und kann recycelt werden.

Bundesweit zahlreiche Initiativen

Aufeinander gestapelte Freiburg-Becher

In Freiburg sind schon 20.000 Mehrwegbecher im Umlauf.

Auch in Freiburg setzt man auf ein ähnliches System, den Freiburg Cup, eine Initiative der Stadt. Ende 2016 waren hier 5.000 Mehrweg-To-Go-Becher im Umlauf, ein halbes Jahr später sind es schon 20.000. Mittlerweile bieten fast alle großen Städte in Deutschland unterschiedliche Pfandsystem für Coffee-To-Go an. Kunden, die in München, Köln, Hamburg oder Hannover ihren Kaffeebecher zurückbringen, erhalten einen Nachlass zwischen 10 bis 50 Cent. Auch die großen Fast-Food- und Coffee-To-Go-Ketten denken über Pfandsysteme nach, entschieden sei aber wohl noch nichts. Und auch die ersten Bundesländer planen Initiativen: Hessen, Hamburg und Berlin wollen unterschiedliche Mehrwegsysteme ausprobieren.

Keine gesetzliche Regelung

Die Entscheidung Einweg oder Mehrweg hängt alleine vom Umweltbewusstsein der Konsumenten ab. Anders als bei den mittlerweile kostenpflichtigen Plastiktüten will hier der Gesetzgeber bei Einwegbechern bislang keine Vorschriften machen. Dan Brandes würde ein solche Regelung aber begrüßen. "Schön wäre natürlich eine gesetzliche Bestimmung, die ganz klar sagt: Es gibt ausschließlich Mehrweg in den Städten. Dies ist aber in meinen Augen ein bisschen utopisch gedacht. Deswegen ist wirklich jeder einzelne Kunde, der einen Con-Cup mitnimmt, im Endeffekt ein Gewinn für das System."

Dazu gehören in Mainz potenziell die über 35.000 kaffeedurstigen Studenten. Denn an den Mensen der Mainzer Uni wird Kaffee zum Mitnehmen seit diesem Sommer auch im Mehrwegbecher angeboten. Aber auch hier gilt: Am Ende entscheidet der Kaffeetrinker selbst, wie öko er sein will.