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ein Spinnenaffe

Maximilian zu Wied-Neuwieds Brasilienreise Dschungeltrip zeigt seltene Affen und Frösche

Vor 200 Jahren brach der in Neuwied geborene Forscher Maximilian Prinz zu Wied-Neuwied zu seiner Brasilienexpedition auf. Er dokumentierte nach seiner Rückkehr viele bis dato unbekannte Arten sowie seine Zusammentreffen mit indigenen brasilianischen Völkern.

Moderator Axel Weiß begibt sich mit brasilianischen und deutschen Biologen auf die Spuren des Forschers in den Nordosten Brasiliens. Dort sind noch immer viele Arten beobachtbar, die zu Wied-Neuwied anno 1815 beschrieb.

Axel Weiß begleitet eine Expedition des Brasilien-Zentrums des Landes Baden-Württemberg. Zwanzig Studierende aus Tübingen erkunden mit ihren Lehrenden die Pflanzen- und Tierwelt Nordost-Brasiliens und suchen unter anderem nach Tieren, die erstmals von Maximilian zu Wied-Neuwied beschrieben wurde.

Die Gruppe fahndet unter anderem nach dem Hornfrosch, einen kleinen braunen Frosch, den zu Wied-Neuwied 1815 entdeckte und benannte. Namensgebend für den im Laub lebenden Frosch waren seine "kegelförmig aufgerichteten Spitzen über den Augenlidern". Acht Arten dieser Hornfrösche gibt es.

ein Hornfrosch

Der Hornfrosch

Froschforscher der Universität in Ilhéus untersuchen die im brasilianischen Küstenregenwald gefundenen Frösche. Die Tiere werden gewogen, vermessen und alle Werte ordentlich dokumentiert.

Forschungsobjekt Mageninhalt

Schließlich erhält der im Schnitt nur zwei Gramm schwere Frosch vorsichtig eine Magenspülung, denn die Forscher interessiert, was der Frosch frisst. Der Mageninhalt wird später unter dem Mikroskop untersucht.

Prof. Mirco Solé, Biologe an der Uni Ilhéus, erklärt den Sinn und Zweck der Untersuchung: "Wir untersuchen die Ernährung der Frösche, um zu sehen, wo sie im Ökosystem stehen. Also: Was essen Frösche und wer frisst die Frösche? In vielen Gebieten sind Frösche Grundnahrung für Schlangen, Vögel, Säuger oder andere Frösche."

Ein Frosch auf einer Hand

Frösche sind in Brasilien aufschlussreiche Forschungsobjekte

Auch viele Medikamente oder Naturstoffe könnten von Fröschen synthetisiert werden. Wenn die Forscher also bemerken, dass Frösche giftige Ameisen fressen und das Gift durch die Haut ausscheiden, ist dies eine wichtige wissenschaftliche Erkenntnis - zum Beispiel für die Herstellung von Medikamenten.

Die Gefahr des Artenschwunds

Forschungsobjekte gibt es reichlich: Rund 50 Froscharten leben in jenem brasilianischem Urwald. Dabei sind die Bedingungen in den zunehmend abgeholzten Regenwäldern für die Frösche schwierig. "Frösche mögen Tümpel. Viele von den letzten Regenwäldern stehen jedoch an Hängen, wo es keine Tümpel gibt. Das ist für die Frösche nicht optimal. Sie brauchen Tümpel, um sich fortpflanzen zu können", sagt Solé.

Wenn die Bedingungen nicht stimmen, macht sich das leider bemerkbar: Die Folge ist Artenschwund. Die meisten Arten, die Maximilian zu Wied-Neuwied vor 200 Jahren beschrieb, würde er jedoch noch finden. "Je mehr der Wald abgeholzt wird, desto mehr Arten gehen aber verloren", sagt der Forscher Solé. Der neuen Rote Liste der Amphibien zufolge seien lediglich vier bis fünf Arten ausgestorben.

Blattmessungen geben Aufschluss über die Wasserabgabe

Blattmessungen geben Aufschluss über die Wasserabgabe

Der Klimawandel ist spürbar

Der Waldverlust für Viehweiden und Landwirtschaft ist in Brasilien enorm: statt Urwald wachsen Kakao- und Kautschukbäume. "Wenn ein Wald gerodet wird, dann wird nicht mehr so viel Wasser durch Transpiration in die Atmosphäre zurückgebracht", sagt der Biologe Martin Ebner von der Uni Tübingen. Der Klimawandel ist spürbar - und messbar.

Zusammen mit Studenten untersucht Ebner dies beispielhaft auf einer Plantage. Die Frage lautet: Wo verdunstet mehr Wasser? Im Urwald, auf einer Weide, einer Plantage? Ziel ist es, daraus Folgerungen für die Landnutzung zu ziehen, die dem Naturwald nahe kommt.

Lebensraum vieler seltener Arten

Gelbkopf-Büschelaffe auf Baum

Ein Gelbkopf-Büschelaffe

Das freut auch seltene Tiere wie die Gelbkopf-Büschelaffen, die im Küstenwald in einigen privaten Schutzgebieten leben. Nur 2.500 dieser Affen gibt es noch weltweit. Sie leben wie auch rund 450 Muriquis, Nördliche Spinnenaffen, im Schutzgebiet "RPPN Feliciano Miquel Abdala". Viele Teile des Schutzgebietes, die früher als Viehweiden genutzt wurden, "sind inzwischen von der Natur zurückerobert worden und so gibt es viele Flächen für die Affen", erklärt Parkwächter Roberto Paulino Pereira.

Maximilian zu Wied-Neuwied hat die Muriquis früher noch gejagt und gegessen. Im knapp 1.000 Hektar großen Schutzgebiet geht es ihnen heute gut, jedoch gehören sie inzwischen zu den seltensten 25 Tierarten der Welt - und ihr Lebensraum schrumpft weiter. Geplant ist, das Schutzgebiet "RPPN Feliciano Miquel Abdala" mit einer weiteren, nahegelegenen Schutzzone zu verbinden. Dieser sogenannte Ökologische Korridor würde das Überleben der Spinnenaffen und der vielen anderen seltenen Tierarten des Küstenregenwalds erleichtern.

Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied

Naturforscher und Artenentdecker

Maximilian Prinz zu Wied-Neuwied lebte von 1782 bis 1867. Der in Neuwied geborene Forschungsreisende, Ethnologe, Zoologe und Naturforscher unternahm Expeditionen nach Brasilien und Nordamerika. Seine erste Reise führte ihn im Sommer 1815 nach Brasilien, wo er sechs indigene Stämme besuchte und zahlreiche Tierarten für die Wissenschaft beschrieb. Er sammelte hunderte Pflanzen und Tiere für wissenschaftliche Zwecke. Seine Schilderungen der brasilianischen Natur beeindruckten unter anderem Goethe.

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