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SENDETERMIN Di, 20.6.2017 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

LED-Manufaktur aus Pirmasens Neues Licht spart Energie

Die Festung Ehrenbreitstein, das Humboldt Carré in Berlin, das Dorf Hüffler im Kreis Kusel, der Europa Park Rust und das Freiburger Münster - sie alle haben etwas gemeinsam: Sie werden von LED-Licht der Lanz Manufaktur in Pirmasens beleuchtet.

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600 Einwohner zählt die pfälzische Gemeinde Hüffler im Landkreis Kusel und nennt sich "LED-Dorf". Vor sechs Jahren wurde hier die gesamte öffentliche Beleuchtung auf LED umgestellt. Für Bürgermeister Helge Schwab war die Entscheidung für den Umstieg schnell klar: "Wir haben berechnet, dass es sich nach acht bis zehn Jahren amortisiert", sagt er rückblickend.

Grüne LED-Lampe

LED-Lampen erstrahlen in den buntesten Farben

Wegen der steigenden Strompreise ist die Anlage sogar jetzt schon bezahlt. Und sie weist unerwartete positive Nebeneffekte auf: " Wir haben kein Streulicht mehr, das in die Wohnzimmer geht, sondern das Licht ist dort, wo es sein soll, nämlich auf der Straße. Und weil es ja ein kaltes Licht ist, werden Insekten nicht von der Temperatur angezogen und verbrennen nicht mehr."

Professor Peter Heck, IfaS Birkenfeld

Professor Peter Heck, IfaS Birkenfeld

An dem LED-Projekt in Hüffler ist auch ein Umwelt-Forschungsinstitut aus Birkenfeld beteiligt. Denn was hier funktioniert, könnte auch anderswo Schule machen, hofft Professor Peter Heck. Und setzt auf die Vorteile Geldersparnis und Klimaschonung: "Wenn dann noch andere Leute gucken kommen und nehmen die Idee mit nach Mexico, Oman oder Dubai, dann hat man das Klima gleich zwei Mal gerettet - zuhause bei sich und dort."

Individuelle LED-Lösungen

Die Anlage in Hüffler entstand in Zusammenarbeit mit der Firma Lanz-Manufaktur in Pirmasens, einem kleinen Unternehmen, das seit zehn Jahren hocheffiziente LED-Lichtsysteme entwickelt und produziert. Den Markt beherrschen eigentlich Giganten wie Siemens oder Osram, doch Chef-Tüftler Rüdiger Lanz hat mit seiner kleinen Manufaktur den Großen den Kampf angesagt. Als großen Vorteil seines kleinen Unternehmens sieht er die Fähigkeit, auf spezielle Anforderungen von Kunden flexibel reagieren zu können. Anders als die großen Player betreibt Lanz keine Serienfertigung, sondern kann individuell zugeschnittene Lösungen anbieten.

Gelbe quadratische Folie auf Lampe

Die Farbe der Folie entscheidet darüber, ob das Licht eher kalt oder warm empfunden wird.

Dabei ist die LED-Technik hochkompliziert, gesteht der Firmenchef. Anders als bei einer Glühbirne hat man keinen glühend heißen Draht, sondern einen Halbleiter, also verschiedene Chemikalien, die durch den Strom angeregt werden, um Licht zu erzeugen. Lanz fühlt sich als Chemiker, Physiker und muss sich auch noch mit dem Lampenbau auskennen. Beispiel: "Allein schon mit einer gelben Schicht produziere ich verschiedene Farbtemperaturen, mache ich eher ein warmes oder ein kaltes Licht." Bis zu 80 Prozent Energieersparnis seien drin gegenüber einer herkömmlichen Leuchtstoffröhre oder Halogenlicht, schätzt er.

Keine Angst vor Großaufträgen

Zur Zeit arbeitet die Firma an Halterungen für LED-Flutlichter, die gerade für das Olympiastadion in Berlin entwickelt werden. Schon bald könnte sogar der Auftrag kommen, das ganze Stadion zu beleuchten. Vor Großaufträgen schreckt die kleine Firma nicht zurück, siehe die Beleuchtung des Freiburger Münsters oder der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz. Dazu kommen noch viele andere Gebäude in der ganzen Republik.

Rüdiger Lanz (links) mit Moderator Axel Weiss in einer Werkstatt

In seiner Werkstatt kommen Rüdiger Lanz (links) die besten Ideen

Angefangen hat alles bei Rüdiger Lanz in der Garage im Wohnort Kirn. Dort ist der Erfinder auch heute noch am allerliebsten. Das Basteln war schon von Kindheit an seine Passion. "Als kleiner Junge habe ich mir aus ausgedienten Fernsehern die Lautsprecher, Schaltkreise und Spulen ausgebaut und Motoren daraus gebastelt." Seine Werkstatt sei immer noch das Herzstück der Firma, da habe er die besten Ideen.

Hier entstand auch der Plan, den ganzen Ort Hüffler umzurüsten. Als Goodie bekamen die Lampen auf dem Dorfplatz auch noch Farbe und erstrahlen jetzt sogar bunt in rot, blau und grün. Das hat sonst keine Gemeinde.

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