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Laxer Umgang mit Backwaren Unser täglich Brot - oft nur verheizt

Die deutsche Bäckerszunft arbeitet mit Hochdruck daran, die nationale Brotkultur als UNESCO-Kulturerbe zu etablieren. Der 12. Juni ist "Tag des Brotes". Aber: Brot wird hierzulande nur wertgeschätzt solange es frisch ist. Viele Backwaren landen nicht beim Kunden, sondern im Müll - oder im Heizofen.

Laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) kaufen die Deutschen pro Jahr 1,9 Millionen Tonnen Brot, Brötchen und andere Backwaren. Doch insgesamt werden davon jährlich rund 2,5 Millionen Tonnen gebacken. Das heißt, dass knapp 600.000 Tonnen Brot gar nicht erst verkauft werden, sondern häufig bereits direkt aus dem Verkaufsregal "entsorgt" werden. Was geschieht mit diesem überschüssigen Brot?

Brot als billiger Brennstoff

Teile des nicht verkauften Brotes werden verschenkt, beispielsweise an sozial Bedürftige - doch das trifft nur auf einen kleinen Teil der 600.000 Tonnen zu, denn so viele Hilfsbedürftige gibt es in Deutschland glücklicherweise nicht. Das Altbrot an Tiere zu verfüttern bietet auch keine Alternative, da Hühner, Schweine oder Rinder in der Regel anderes Futter erhalten. Das überschüssige Brot würden die meisten Landwirte auch geschenkt nicht nehmen.

Brot im Müll

Überflüssiges Brot wandert erst in den Müll, dann in den Ofen

Um also noch irgendeinen Nutzen aus dem alten Brot ziehen zu können, bleibt in vielen Fällen nur noch das Verbrennen, am besten als Brennstoff im Backofen der Bäckerei. Dafür gibt es bereits spezielle Öfen, die mit einer Mischung aus 70 Prozent Holzpellets und 30 Prozent altem Brot angeheizt werden. So kann sich der Bäcker auch gleich die Kosten für fossile Energien wie Öl oder Gas sparen. Seit drei Jahren steht Altbrot deshalb sogar als offizieller Brennstoff im neuen Bundes-Immissionsschutzgesetz.

Am 12. Juni feiert der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks den 1. Tag des Deutschen Brotes und verweist damit auf die heimische Brotvielfalt: Das weltweit erste Brotregister (Link) verzeichnet über 3.000 Brot-Spezialitäten. Das Register ist eine wichtige Initiative auf dem Weg zur Anerkennung der deutschen Brotkultur als immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO.

Bäcker stehen unter Frischedruck

Angesichts der Brotverbrennung stellt sich jedoch die Frage, warum nicht einfach weniger Brot gebacken wird? Eine Ursache für den Brotüberschuss ist in der Angst der Bäcker zu finden, die Kundschaft könne zur Konkurrenz abwandern, sobald nicht immer alle Backwaren auch abends noch frisch verfügbar sind. So wird logischerweise immer mehr gebacken als verkauft.

Neubacken ist die günstigere Lösung

Eine weitere Ursache ist sicherlich, dass mittlerweile fast jedes zweite Brot oder Brötchen beim Discounter gekauft wird. Für Discounter-Ketten würde es sich aber kaum rechnen, das Brot vom Vortag am nächsten Tag zum halben Preis anzubieten. Solange Brotpreise günstig und Arbeitskräfte teuer sind, ist es für die Billiganbieter noch immer wirtschaftlicher, erst zu viel Brot zu backen und die Reste dann zu verheizen! Trotz bitterem Beigeschmack.