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Laktosefreie Produkte im Test Es muss nicht immer das Spezialprodukt sein

Von wegen: "Ich vertrag das nicht". Die Zeitschrift "Öko-Test" hat laktosefreie Milchprodukte getestet. Laut den Autoren sind zwar viele dieser Produkte qualitativ gut, ihr Kauf jedoch nicht notwendig. Wer sicher gehen will, sollte auf voreilige Selbstdiagnosen verzichten und beim Einkauf genauer hinschauen.

Wer keinen Milchzucker verträgt, den plagen nach dem Verzehr von Milchprodukten unter Umständen Völlegefühl, Übelkeit und Bauchschmerz. Was liegt also näher, als Milch, Joghurt und Käse ohne Milchzucker zu kaufen. Das Angebot hierfür ist mittlerweile sehr groß, selbst im Discounter. Doch Öko-Test-Redakteur Enno Brendgens warnt: "Man sollte sich keine Selbstdiagnose ausstellen, denn Laktose-Intoleranz erscheint uns etwas als Modeerscheinung. Leute reden sich ein, sie würden keine Laktose vertragen und kaufen dann diese neuen Produkte, um sich besser zu fühlen. Sie sollten aber lieber zum Arzt gehen und sich testen lassen, spätestens dann zeigt sich, ob Spezialprodukte nötig sind oder nicht."

Selbst bei Laktose-Intoleranz können Milchprodukte konsumiert werden

Im Reifeprozess baut der Käse Milchzucker ab

Mediziner schätzen, dass etwa jeder fünfte Deutsche einfach keinen Milchzucker verdauen kann, aber selbst diese Menschen brauchen eigentlich keine speziellen Diätprodukte, meint Enno Brendgens: "Es ist tatsächlich so, dass nicht jeder, der keinen Milchzucker aufspalten kann, auch so Laktose-intolerant ist, dass er dafür Spezialprodukte braucht." Wer Laktose-intolerant ist, also von Geburt an keine Milch verträgt, der kann dennoch Lebensmittel essen, die von Natur aus wenig Laktose enthalten. Das trifft beispielsweise auf Hartkäse oder Naturjoghurt zu. Als Faustregel gilt: Je reifer ein Käse ist, desto weniger Laktose enthält er, denn während der Reifung wird der Milchzucker abgebaut.

Laktose steckt auch in Kaffee und Wurst

Laktosefreie Milch im Supermarktregal

Laktosefreie Milch im Supermarktregal

Bei Verdacht auf Intoleranz sollte kritisch mit Fertiggerichten, Keksen, Tabletten, Instant Cappuccino oder sogar Wurst umgegangen werden. Dort lauern unter Umständen große Mengen an zugesetztem Milchzucker, wenngleich sie dort am wenigsten erwartet werden. Da hilft nur ein sorgfältiger Blick auf die Zutatenliste. Im aktuellen Öko-Test-Heft stehen 29 laktosefreie Milchprodukte auf dem Prüfstand. Alle enthalten unter 0,1 Prozent Laktose, sind also für die Zielgruppe Laktose-Allergiker gut verträglich. Mit mangelhaft wird der laktosefreie Hirtenkäse von "Minus-L" bewertet. Diese schlechte Wertung wird mit dem Stoff "DEHP" begründet, der in dem Produkt nachgewiesen werden konnte. "Das ist ein Weichmacher, der als Fortpflanzungsschädigend einzustufen ist. Das darf einfach nicht vorkommen. Wir wissen nicht, wie der da reingekommen - eventuell über die Verpackung oder die Produktion", erklärt Brendgens.

Alternative Soja-Produkte schneiden im Öko-Test schlecht ab

Ein schlechtes Zeugnis erteilte Öko-Test vor allem den laktosefreien Milch- und Joghurtsorten aus der Sojabohne: Im Sojade-Joghurt mit Bifidus fanden die Tester nicht deklariertes künstliches Erdbeeraroma und viel zu wenig versprochenen Bifido-Bakterien. Im "Alpro Sojadrink" konnten dagegen Spuren von gentechnisch veränderter Soja nachgewiesen worden. Zwar unter dem Grenzwert - aber es wird deutlich, dass ein Nebeneinander von gentechnikfreier und Gen-Soja hier nicht funktioniert.