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SENDETERMIN Di, 3.9.2019 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

Kampf gegen Kinderarbeit und Konfliktrohstoffe Ökologische Smartphones helfen der Umwelt

Smartphones gehören heutzutage einfach dazu. Laut einer Studie sind in der Bundesrepublik mehr Smartphones in Umlauf als es Bundesbürger gibt. Doch wer sich die Ökobilanz von einem Smartphone anguckt, muss sich eingestehen: Smartphones sind zwar eine tolle Erfindung, aber auch eine, für die andere einen hohen Preis zahlen müssen.

Alte Mobiltelefone

Alte Mobiltelefone

Die Hersteller sind auf Wachstum und Gewinne aus. Verbraucher sollen neue, bessere, schnellere Smartphones kaufen. Seit der Einführung des ersten iPhones, dem Urknall, wurden laut Marktforschern mehr als sieben Milliarden Smartphones produziert. Elektroschrott von riesigem Ausmaß.

Bestimmte Metalle, auch "Seltene Erden" genannt, machen das Smartphone zum Umweltkiller. Ohne diese Rohstoffe gäbe es unter anderem keine Notebooks, keine Windkraft, eben auch keine Smartphones.

Natur leidet unter Abbau-Produkten 

In China werden fast 99 Prozent aller seltenen Erden abgebaut. In den betroffenen Gebieten entstehen Mond-Landschaften. Beim Abbau werden zudem giftige Chemikalien eingesetzt, ihre Abwasser gelangen ins Grundwasser. Nicht nur die Natur leidet. Auch in Afrika sind die Arbeitsbedingungen verheerend: Im Ostkongo wird vor allem Kobalt für die Akkuherstellung in Minen abgebaut, Menschenrechtler berichten von Kinderarbeit und Waffengewalt. Man spricht von Konfliktrohstoffen, dazu gehört auch das Mineral Koltan.

Smartphones: Fragwürdige Produktionsbedingungen

80 Stunden die Woche auf Mindestlohnbasis, sechs Tage am Stück. So sah die Arbeitswelt vieler Chinesen noch bis vor wenigen Jahren für den Weltmarktführer Apple aus. Das Lohnniveau dort ist gestiegen, die Produktion weitergezogen ins nächste Billiglohnland.

SWR Umweltexperte Werner Eckert sagt: "Das sind Regionen, in denen gekämpft wird, in denen auch um diese illegale Minen gekämpft wird. In denen Kindersoldaten eine Rolle spielen, also ganz, ganz schlimme soziale Zustände. Und wenn man solche Stoffe vermeiden kann, dann hilft es, diese Bürgerkriege auszutrocknen."

Öko-Smartphone als Alternative

Als Alternative gibt es das Fairphone aus Holland. Ein Smartphone mit der besten Ökobilanz, dessen Lieferkette klar zurück zu verfolgen ist, womit keine Kriege querfinanziert werden, und welches zu 100 Prozent recycelbar ist. Verbraucher können auch im Internet nachschauen, welche Hersteller bessere Ökobilanzen haben als andere. Greenpeace etwa liefert eine solche Liste.

Und was tun mit den alten Geräten? Handys einfach in den Hausmüll zu werfen, ist denkbar schlecht und verboten. In den Elektroschrott ist zwar gut, aber optimal sind Sammelstellen, weil nur hier gewährleistet ist, dass die wertvollen Rohstoffe aus den alten Geräten gerettet werden. Eine Papp-Box als Recycling-Hilfe steht beispielsweise an 70 verschiedenen Stellen in Rheinland-Pfalz. Dies ist eine Idee vom NABU.

Das Smartphone ist ohne Frage eine wichtige Errungenschaft. Es ist aber auch ein Gerät mit einer miesen Ökobilanz. Die Zeche dafür zahlen meist andere. Recyclen, Reparieren und Handys mit einer längeren Lebensdauer wählen - all das könnte ein wenig Abhilfe schaffen.