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Jährlich rund 1.700 Tonnen Antibiotika in Tiermast Bitte einmal Hühnchen ohne Antibiotika

Laut einer Studie des Verbraucherschutzministeriums Nordrhein-Westfalen schlucken 96,4 Prozent der Masthähnchen Antibiotika. Die Politik reagierte auf die schockierende Zahl und verabschiedete eine Änderung des Arzneimittelgesetzes. Dadurch soll der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung eingeschränkt werden. Sind die Änderungen sinnvoll? Eine Einschätzung von SWR-Umweltredakteurin Sabine Gronau.

Kann das neue Gesetz vor Fleisch mit Antibiotika schützen?

Zumindest ist das der Plan – indem einfach weniger Antibiotika in der Tiermast zum Einsatz kommen. Wobei das Fleisch auf dem Teller gar nicht das Hauptproblem ist, denn einem gesunden Menschen macht es im Prinzip nichts aus, ein Hähnchen zu essen, das während der Mast mit Antibiotika behandelt wurde. Das wirklich Schlimme ist, dass durch den häufigen Einsatz von Antibiotika, die schädlichen Bakterien, gegen die die Antibiotika helfen sollen, zunehmend resistent werden. Und Antibiotika werden bei uns massenhaft verwendet, sei es im Krankenhäusern oder eben auch in der Tierhaltung. Nun gibt es dazu erstmals genaue Zahlen: Demnach kommt in der Tiermast mehr als doppelt so viel Antibiotika zum Einsatz, als man bisher geschätzt hatte – rund 1.700 Tonnen pro Jahr.

Bakterien werden gegen Antibiotika immun

Geflügelfleisch wird auf mögliche Keimbelastung untersucht

Keime werden immun gegen Antibiotika

Durch den Einsatz solcher Mengen, ist es unvermeidbar, dass Antibiotika - oder Spuren davon - nicht nur im Fleisch der Tiere gefunden werden, sondern über das Abwasser auch in die Umwelt gelangen. Dadurch können praktisch überall die verschiedensten Bakterien gegen Antibiotika immun werden. Sind die Keime erst einmal resistent, so werden diese Eigenschaft anscheinend an andere Erreger weitergeben: Jüngst wurden Bodenbakterien entdeckt, die plötzlich nicht mehr auf Antibiotika ansprachen. Verschärft wird das Problem der immunisierten Bakterien dadurch, dass in der Tierhaltung auch Antibiotika verwendet werden, die eigentlich für die Behandlung von Menschen vorgesehen sind.

Was kann das neue Gesetz daran ändern?

Es soll dafür sorgen, dass den Tieren weniger Antibiotika verabreicht wird. Das wichtigste Mittel zum Erreichen dieses Zieles, ist die geplante Datenbank: Schon jetzt müssen Tierärzte und Landwirte aufschreiben, welche Tiere welche Medikamente bekommen.

Neue Datenbank und strengere Auflagen sollen helfen

Aber wenn es nach der Gesetzesnovelle geht, dann soll das in Zukunft in einer zentralen Datenbank zusammengefasst und von den Behörden überwacht werden. Sollte ein Betrieb auffallen, weil er zu viel Antibiotika einsetzt, soll es für diesen dann strengere Auflagen geben. Ob alles so funktioniert wie geplant, hängt von der Umsetzung ab, also davon, wie genau die Datenbank aussehen wird. Welche Strafen wird es geben? Wie werden es die zuständigen Bundesländer mit den Kontrollen halten?

Ist Massentierhaltung ohne Antibiotikaeinsatz möglich?

Kritiker, wie der Tierschutzbund und der BUND, sehen das Problem im System an sich - nämlich in der Massentierhaltung. Sie bezweifeln, dass die Massentierhaltung ohne Antibiotika auskommen kann, da viele Tiere die Mast aufgrund der Haltungsbedingungen ohne Medikamente überhaupt nicht überleben würden. Würden die Tiere stattdessen in kleinen Gruppen gehalten werden, so die Kritiker, müssten nicht immer sofort tausenden Tieren Antibiotika verpasst werden, nur weil eines davon hustet.