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Interview mit Folkard Asch zu Skyfarming Gigantische Gewächshochhäuser inmitten der Stadt

Während Megastädte wachsen und Ackerland schrumpft, drohen die Folgen des Klimawandels regelmäßig ganze Ernten zu zerstören. Forscher der Universität Hohenheim arbeiten deswegen akribisch an einer Alternative zu heutigen Formen der Landwirtschaft. Ihre Vision ist das "Skyfarming" - Das Modell verspricht hocheffizienten Anbau von Nahrungsmitteln wie Reis und Getreide in einem Gewächshochhaus im Zentrum der Stadt. SWR-Umweltredakteurin Sabine Schütze hat sich mit Folkard Asch, Mitbegründer der Idee, unterhalten.

Model eines Gewächshochhauses

Reisanbau im Hochhaus - Megastädte wachsen, Ackerland nimmt ab

Gewächshochhäuser mitten in der Stadt. Wie soll das genau funktionieren?

Wir stellen uns vor, dass wir auf einer Grundfläche von einem Hektar mehrere Gewächshäuser übereinanderstapeln, die in ihren einzelnen Bereichen jeweils den Ansprüchen der Pflanzen genügen. Das muss man sich so denken: Unten kommt der Reis als Saatgut in das Gewächshaus rein und bewegt sich dann auf einer Art Fließband durch das komplette Gebäude. Und zwar immer durch den klimatischen Bereich, den die Pflanzen in ihrer jeweiligen Phase der Entwicklung gerade brauchen - so entwickeln sich die Pflanzen optimal vom Keimling bis hin zur großen Pflanze. Die verschiedenen Stockwerke können dabei ganz bewusst genutzt und gesteuert werden. Je nach Bedarf der Pflanze kann die Temperatur, die Wasser- und Lichtzufuhr geregelt werden.

Wie kommt denn das Licht da rein? Sonnenlicht wird ja sicherlich nicht überall ins Gebäude gelangen, selbst wenn an vielen Stellen Glasfenster installiert werden.

Portrait von Folkard Asch

Folkard Asch, Uni Hohenheim.

Das ist noch eine offene Frage, da müssen wir auch noch mal mit den Architekten sprechen, ob wir überhaupt Glasfenster brauchen. Das Licht wird bisher über LEDs künstlich erzeugt. Das ist momentan die modernste Technologie die wir auch weiterentwickeln wollen. Dieses künstliche Licht kann Licht direkt dort an die Pflanze bringen, wo es gerade benötigt wird. Sonnenlicht ist bei direkter Einstrahlung dagegen sogar eher störend, da man die Intensität so schlecht regeln kann. Aber vor allem spielt die Lichtqualität eine Rolle. Sonnenlicht enthält ja deutlich mehr Wellenlängen, als beispielsweise für die Reisproduktion nötig ist. Da ein Gewächshaus aber ein geschlossenes System darstellt, muss mit der in das System eindringenden Energie ja auch irgendwie umgegangen werden. Da läuft man Gefahr, dass sich bei zu viel Sonnenlicht ein solches Haus vollständig aufheizt.

Sie haben ja auch gesagt, Sie brauchen unterschiedliche Temperaturen, je nach dem was die Pflanze gerade benötigt. Wie genau wollen Sie die Pflanzen denn zum Wachsen bringen?

Auf Wasser wollen wir größtenteils verzichten. Die Idee ist, den Reis mit Nährstoffnebel anzuziehen. So sind die Wurzeln konstant mit hundertprozentiger Luftfeuchtigkeit benetzt und liefern auf diese Weise das notwendige Wasser an den Spross. Auch Erde wird dadurch keine mehr nötig sein.

Skyfarming ermöglicht es dem Menschen vor allem Nutzungsfläche zu gewinnen. Aber hat das Konzept noch mehr praktische Vorteile?

Model einer Gewächshochhausanlage

Ohne Erde und mit Nährstoffnebel sollen die Pflanzen optimal wachsen

Es gibt sehr viele grundliegende Vorteile, sich mit einer Sky-Farm zu beschäftigen: Aus ökologischer Sicht entfallen die Transportwege der Lebensmittel, die in die Stadt geliefert werden. Deswegen beschäftigen wir uns auch stark mit Grundnahrungsmitteln – die benötigen riesige Flächen im Umfeld der Städte. Ein anderer Vorteil ist die Tatsache, dass eine solche Sky-Farm das komplette Jahr über produziert. Rund um die Uhr wird da hochwertiger Reis produziert und zwar mit einem sicher kalkulierbaren Ertrag, da weder Dürre noch Kälte oder Überflutungen Schwankungen erzeugen können.

Wie sieht es denn mit Pestiziden und Spritzgiften aus?

Also angenommen, das System läuft hygienisch sauber und geschlossen, wird der Einsatz von Pestiziden natürlich enorm reduziert. Auf Herbizide, also Unkrautvernichtungsmittel, kann vollständig verzichtet werden – das eigentliche Problem sind Bakterien und Viren, die in einem solchen System auftreten können und die man kontrollieren muss.