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Internationale Fledermausnacht "Batnight" entführt in unbekannte Welten

Am Wochenende veranstalten Naturschützer im Südwesten die sogenannte Batnight. Sie soll zeigen, wie wichtig Fledermäuse für das Ökosystem sind und, dass sie zum Überleben Menschen brauchen.

Mausohr-Fledermaus im Flug

Mit gut 40 Zentimeter Flügelspannweite ist das Große Mausohr die größte heimische Fledermausart.

Fledermäuse wachen auf, wenn wir schlafen gehen und sind tagsüber für den Menschen nicht sichtbar. Deshalb fällt auch niemanden auf, dass wir den Lebensraum dieser Tiere immer weiter begrenzen. Viele Arten sind deshalb bedroht. Darauf will der Naturschutzbund Deutschland bundesweit an diesem Wochenende mit der "Batnight 2017" aufmerksam machen und für mehr Verständnis für diese nachtaktiven Tiere werben.

Fledermäuse verdrücken tausende Mücken - jede Nacht

In Deutschland leben 25 Fledermaus-Arten. Sie brauchen vielfältige und abwechslungsreiche Landschaften. Besonders die Intensivierung der Landwirtschaft macht ihnen zu schaffen.

Fledermäuse haben nicht gerade das beste Image. Viele Menschen fürchten sich vor ihnen, sie sind verschrien als Blutsauger und Vampire der Lüfte. Dabei sind die Tiere äußerst nützlich. Denn in Europa sind alle Fledermaus-Arten Insektenfresser.

Bis zur Hälfte ihres eigenen Körpergewichts kann ein Exemplar pro Nacht an Insekten vertilgen. Übersetzt heißt das für eine Zwergfledermaus: Sie frisst pro Nacht rund 2.000 Mücken. Um die 20 Fledermaus-Arten leben in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, das ist mehr als in den meisten Bundesländern.

Fledermaus an Mensch: Es fehlt an Insekten und Quartieren

schwarz glänzende Fledermaus

Mopsfledermaus

Fast alle Populationen stehen auf der roten Liste oder auf der sogenannten Vorwarnliste. Ein Grund dafür ist das Insekten-Sterben. Darunter leiden vor allem Arten, die sich auf bestimmte Insekten spezialisiert haben, wie das große Mausohr, das dicht über dem Boden nach Laufkäfern jagt oder die große Hufeisennase, die Nachtfalter bevorzugt. Weniger Probleme hat die Zwergfledermaus - ein Insekten-Allesfresser.

Aber nicht nur das Nahrungsangebot für die Fledermaus wird knapp - auch an Quartieren fehlt es. Ausgebaute Dachstühle etwa für die große Hufeisennase gibt es kaum noch. Diese Art ist in Baden-Württemberg deshalb auch so gut wie ausgestorben. In Rheinland-Pfalz taucht sie vereinzelt in Winterquartieren auf. Auch hier sind die Zwergfledermäuse im Vorteil, die mit kleineren Ritzen und Spalten in Häuserwänden zurecht kommen - die einzige Art, die zurzeit nicht bedroht ist.

Fledermausnacht mit Veranstaltungen in 35 europäischen Ländern

Mausohren-Fledermäuse

Große Mausohren sind typische Kirchenfledermäuse, sie bewohnen großräumige Dachböden.

Genau solche Fakten sind es, die in der Fledermausnacht vermittelt werden. Sie sollen den Menschen die Scheu vor den Tieren nehmen und sie für ihren Schutz begeistern. Geplant sind in der Nacht von Samstag, 26. August, auf Sonntag, 27. August, zahlreiche Veranstaltungen in 35 europäischen Ländern.

Auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gibt es viele Batnight-Angebote. Sie werden vom Naturschutzbund NABU organisiert und durchgeführt. Besonders beliebt sind dabei nächtliche Exkursionen mit Taschenlampen.

"Batnight"-Tipps für Rheinland-Pfalz

Flugsequenz einer Wasserfledermaus

Wasserfledermäuse jagen am liebsten über stehenden und fließenden Gewässern.

In Rheinland-Pfalz werden nächtliche Ausflüge unter anderem in Essingen in der Vulkaneifel, in Annweiler im Kreis Südliche Weinstraße oder in den Koblenzer Rheinanlagen angeboten. Häufig gibt es vor den Exkursionen auch noch Vorträge zum Leben der Fledermäuse, zum Beispiel in Bingen.

In Biersdorf im Landkreis Altenkirchen werden einzelne Exemplare sogar mit Netzen eingefangen, um sie aus der Nähe betrachten zu können. In Fell im Landkreis Trier-Saarburg werden Nistkästen für Fledermäuse gebaut.

"Batnight"-Tipps für Baden-Württemberg

Eine Gro0azfbahme eines Fledermauskopfes.

Ein weiblicher Gemeiner Vampir (Desmodus rotundus) mit Nachwuchs

In Baden-Württemberg finden geführte nächtliche Touren zum Beispiel in Oberweissach im Rems-Murr-Kreis statt, in Laupheim im Kreis Biberach oder in Wiesloch im Rhein-Neckar-Kreis.

In Roßwag im Landkreis Ludwigsburg wird vor der Exkursion ein Film über Fledermäuse gezeigt. Bei einigen Veranstaltungen werden die Fledermäuse nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören sein - mit Hilfe von Ultraschall-Detektoren.


Von Claudia Bathe und Dominik Bartoschek, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Heidi Keller, Stefan Heinz