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SENDETERMIN Di, 1.8.2017 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

Hufschmied aus Leidenschaft Heiße Eisen und viel Feingefühl

Die Bändigung von Feuer und Eisen, das Formen in der lodernden Flamme - das Schmiedehandwerk fasziniert seit Tausenden von Jahren. Wir haben mit Markus Ax und Toni Ott zwei sehr originelle Hufschmiedepersönlichkeiten aus der Nahe-Region begleitet und mit ihnen über die Herausforderungen ihres Berufs gesprochen.

Hufschmiede haben den Ruf, echte Männer zu sein, schließlich wird ihnen in ihrem Beruf auch einiges abverlangt. Sie brauchen beim Schneiden der Hufe viel Kraft, aber auch viel Feinmotorik. Sie müssen mit den Tieren umgehen können, ohne zimperlich mit ihnen zu sein. Etwa 5.000 Hufschmiede gibt es in Deutschland - für rund eine Million Pferde.

In der freien Natur tragen Pferde keine Hufeisen, doch in den Ställen werden sie überwiegend beschlagen. Das hat vor allem einen Grund, wie Hufschmied Markus Ax erklärt: "Wir wollen die Tiere ja nutzen, für unsere Hobbys und auch für die Arbeit, entsprechend muss man auch für den Schutz der Hufe sorgen. In der Natur laufen sie ja auch nicht über Betonböden." Außerdem gebe es, so der Schmied, in der Natur die natürliche Auslese - ein Pferd mit schlechten Hufen würde dort gar nicht erst überleben.

Gutes Material, viel Gefühl und jede Menge Erfahrung

Hufschmid Markus Ax

Hufschmied Markus Ax

Um die Pferde nicht zu verletzen, kommt es beim Hufschmiedehandwerk auf die richtige Mischung aus grober und feiner Arbeit an. "Das wichtigste beim Beschlagen ist, dass die Hufstellung korrekt ist und die Last beim Auftreten immer gleichmäßig verteilt ist", sagt Ax. "Man braucht viel Gefühl, aber auch viel Erfahrung."

Seine Erfahrung gibt er zurzeit an seinen Gehilfen Toni Ott weiter. Gemeinsam reisen sie durch die gesamte Nahe-Region, arbeiten dort, wo sie gerade gebraucht werden. Alles, was sie für ihre Arbeit benötigen, haben sie dabei - inklusive dem schweren Amboss und dem Gasofen für die Hufeisen. Bis zu 1.600 Grad kann dieser heiß werden. Das ist auch notwendig, denn die Hufeisen sind vorgefertigt und müssen vor Ort zurecht geschmiedet werden. Das Material kann dabei unterschiedlich sein. Es gibt Hufeisen aus Baustahl, aber auch solche mit Metallkern und einer Kunststoffummantelung. Für den Schmied sind echte Eisen aber klar die Nummer Eins. "Seit 2.000 Jahren wird mit Eisen beschlagen und das wird wohl auch noch 2.000 Jahre so bleiben", glaubt Markus Ax.

Auch Barhufer brauchen Pflege

Ein Trend, an dem auch die bekennenden Eisen-Fans Markus Ax und Toni Ott nicht vorbeikommen, ist die Barhufbewegung. Denn auch um Pferde, die keine Eisen unter den Füßen tragen, müssen sie sich kümmern - mit einer Pediküre der besonderen Art. Statt sie zu beschlagen, werden die Hufe regelmäßig ausgeschnitten. Haben Pferde besonders starke und gesunde Hufe, ist das Barhuflaufen auch weitgehend ungefährlich.

"Die Barhufpflege unterscheidet sich eigentlich kaum von der Pflege beschlagener Hufe", erklärt Toni Ott. Die Hauptsache sei immer, dass die Pferde einen runden Gang haben. Wenn es nötig ist, helfen die starken Männer dazu auch mal mit einer orthopädischen Einlage nach.

Hauptberuflich Hufschmied:
Die Ausbildung zum Hufschmied ist in Deutschland inzwischen gesetzlich geregelt. Nach einer Grundausbildung im Metallbau mit dem Kernbereich Hufbeschlag und anschließender Gesellenprüfung folgt meist ein viermonatiger Vorbereitungslehrgang an einer staatlich anerkannten Hufbeschlagschule und schließlich die staatliche Hufbeschlagprüfung. Aber auch Quereinstiege sind möglich.

Hufschmied Toni Ott

Hufschmied in Ausbildung: Toni Ott