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Heinz Sielmanns 100. Geburtstag Er brachte die Wildnis ins Wohnzimmer

Seine "Expeditionen ins Tierreich" haben ihn ab den 1960er Jahren berühmt gemacht. Heute wäre der Tierfilmer Heinz Sielmann 100 Jahre alt geworden. Sein Beruf war mitunter gefährlich.

Tierfilmer Heinz Sielmann mit Kamera

Heinz Sielmann und sein wichtigstes Werkzeug

Mit Spiegelreflex- und Filmkamera ist Heinz Sielmann ein halbes Jahrhundert lang auf die Pirsch gegangen. Quasi schon jedes Kind kannte den Tierfilmer und Publizisten aus dem Fernsehen. Seine Stimme klingt vielen noch heute in den Ohren, auch mehr als zehn Jahre nach seinem Tod.

Die Tierwelt war seine Berufung

Man hatte das Gefühl, dabei gewesen zu sein, so bildhaft konnte Heinz Sielmann von seinen Erlebnissen erzählen. Wie zum Beispiel damals, als ihn in Zentralafrika ein Gorilla angriff.

"Der richtet sich zwei Meter hoch auf. Der hat also einen Bizeps - Arme von zwei Metern Länge. Dann trommelt er auf die Brust und schreit, und dann macht er das Maul auf, und da sind Beißerchen drin wie beim Löwen! Und die Kraft - der kann mich wie eine Weißwurst zerreißen!"

Hat der Gorilla aber zum Glück nicht getan, das Ganze war nur ein Scheinangriff.

Mit lebensnaher Sprache und Humor: Des Affen Blähungen

Heinz Sielmann mit Arktis-Jungwölfen

Ganz in seinem Element: Heinz Sielmann spielt mit Arktis-Jungwölfen.

Aber auf eine andere Art machten die Gorillas dem Tierfilmer doch sehr zu schaffen: "Sie haben entsetzliche Blähungen, und die stinken so widerlich. Also, diese Sache, die vergisst man nicht."

Heinz Sielmann, wie viele ihn kennen: humorvoll und engagiert. Sein Name steht für beeindruckende Film-Aufnahmen von tierischem Verhalten - egal, ob von Gorillas, Eisbären, Eichhörnchen oder Störchen.

Sielmann trifft mit seinen Tierfilmen das Herz der Zuschauer

Schon als Junge im ostpreußischen Königsberg liebte Sielmann es, Vögel zu beobachten.

"Dieses erregende Erlebnis, Tieren mit einem Versteck am Boden in der Baumkrone ganz nah zu sein, sie zu beobachten, sie zu fotografieren, das nahm mich derartig in Anspruch, dass die Leistungen in der Schule katastrophal wurden. Man war zunächst mal zu Hause und an der Schule ratlos. Was soll nun aus so einem Burschen werden, der nur die Vögel im Kopf hat?"

Natürlich das Naheliegende: Aus ihm wurde ein Vogelkundler und Tierfilmer.

In England hat er den Spitznahmen "Mr. Woodpecker"

Heinz Sielmann mit Fernglas

Heinz Sielmann (hier im Jahr 2002) interessierte sich schon als Kind für Tierbeobachtungen.

Heinz Sielmann arbeitete gern mit versteckter Kamera. In den 1950er Jahren veröffentlichte er damals spektakuläre Aufnahmen aus dem Inneren einer Spechthöhle: Unbemerkt von den Vögeln hatte Sielmann die Baumrinde durch eine Glasscheibe ersetzt. Das Ergebnis war der Film "Die Zimmerleute des Waldes". In England, wo seine Filme von der BBC gezeigt wurden, trug ihm das den Spitznamen "Mr. Woodpecker" - "Herr Specht" - ein.

Pionier der gefährdeten Arten: "Expeditionen ins Tierreich"

Für seine Filme wurde Sielmann mit Preisen überhäuft. Sein wohl größter Publikumserfolg aber waren die mehr als 200 Folgen der ARD-Serie "Expeditionen ins Tierreich". Schon früh wies Sielmann auf das Artensterben hin. Er gilt als einer der Pioniere der deutschen Umweltbewegung: "Wir werden uns mit der Natur, von der wir leben, arrangieren müssen - sonst wird uns Mutter Natur um die Ohren hauen", so Sielmann damals.

"Mein Beruf ist mein Hobby. Ich wage zu sagen: Ich habe in meinem Leben noch nie gearbeitet."

Sielmanns Botschaft war: Wer gefährdeten Arten helfen will, muss ihre Lebensräume schützen. Das ist auch ein Ziel der Stiftung, die er und seine Frau gegründet haben. Damit auch kommende Generationen die Umwelt schützen, will die Stiftung schon Kinder und Jugendliche für die Natur begeistern. Eine Begeisterung, die dann vielleicht nie nachlässt - wie bei Heinz Sielmann.

Von Stefanie Peyk, SWR Umweltredaktion | Online: Stefan Heinz, Heidi Keller