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Gewässer im Südwesten Deshalb könnten Fische bei Hitze verhungern

Im Rhein an der Grenze zur Schweiz hat aufgrund der hohen Wassertemperaturen bereits das Fischsterben begonnen. Auch im Südwesten leiden die Fische unter der Hitzewelle.

Toter fisch in ausgetrocknetem Bachbett

Auch die Tierwelt leidet unter der aktuellen Hitzewelle in Deutschland.

Eine Tonne toter Fische wurden im Rhein an der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz bislang aufgrund der Hitze eingesammelt. Im Hochrhein leben vor allem sehr wärmeempfindliche Fische wie Äsche und Forellen. Die sterben, weil sie mit Temperaturen über 25 Grad kaum noch klarkommen.

Die Fische sind zurzeit auf Zwangsdiät

Hier im Südwesten leben im Rhein zunehmend karpfenartige Fische, die mit der Hitze besser zurechtkommen. Ende des Monats dürften aber auch sie an ihre Grenzen stoßen, wenn es weiter so heiß bleibt, schätzen Experten. Dann verhungern die Fische nämlich als Folge des Sauerstoffmangels.

Tote Fische

Fische brauchen Sauerstoff, um überleben zu können.

Durch die Hitze hat sich deren Stoffwechsel stark erhöht. Jede kleine Bewegung kostet die Tiere derzeit drei Mal so viel Energie wie gewohnt. Um Energie zu sparen, jagen sie weniger, obwohl sie eigentlich mehr fressen müssten, um die Energie wieder einzuholen. Die Fische hungern also seit rund 20 Tagen.

Gesunde Tiere können diese Zwangsdiät noch ungefähr weitere 20 Tage durchhalten. Mit der Hitze kommt noch ein zusätzlicher Stressfaktor: der Sauerstoffgehalt im Wasser, der bei steigenden Temperaturen sinkt. Im Moment enthält der Rhein etwa ein Drittel des Sauerstoffs, den er bei zehn Grad hat. Noch genug, um die Fische am Leben zu halten.

Kleinere Flüsse in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

In der Mosel sieht es etwas besser aus, weil dort viele Unterwasserpflanzen Sauerstoff produzieren. Außerdem ist sie besser beschattet als der Rhein und erwärmt sich deshalb nicht so schnell. Ähnliches gilt für Nahe, Lahn und Neckar zum Beispiel. Schwierig wird es aber in Seen und Teichen, weil dort durch die fehlende Wasserbewegung kein Sauerstoff eingetragen wird.

Gewässer müssen mit Sauerstoff versorgt werden

Blick auf den Fluss Lieser im Wald

Ein Massensterben der Fische im Südwesten gibt es bislang noch nicht.

Deshalb waren im Stausee Rötlen bei Ellwangen am Wochenende viereinhalb Tonnen Fisch verendet. Noch ist das ein Einzelfall. Selbst wenn sich ähnliches in den nächsten Tagen wiederholt, kann von einem Massensterben der Fische im Südwesten noch keine Rede sein.

Doch damit das so bleibt, müssen die Gewässer ausreichend mit Sauerstoff versorgt sein. Dann halten Fische auch Wärmestress besser aus. Renaturierte Flüsse mit Strudeln und viel Platz sind deshalb wichtig, genauso wie breite Uferrandstreifen mit Büschen und Bäumen.

Die sorgen nicht nur für Schatten. Sie verhindern auch, dass etwa Dünger im Wasser landet, was den Fischen ebenfalls Sauerstoff entzieht.

Von Sabine Schütze, SWR-Umweltredaktion | Online: Tobias Frey