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Gesundheit Gefährliches Chrom VI in Lederprodukten

Jeder fünfte Kinderschuh und jeder dritte Arbeitshandschuh ist so stark mit Chrom VI belastet, dass er aus den Verkaufsregalen genommen werden muss. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest, die sechzig Lederprodukte auf das Allergien auslösende Chrom VI getestet hat.

Lederschuh

Chrom VI in Lederprodukten kann Allergien auslösen

Endlich ist der Sommer da! Da tragen viele auch gerne wieder Sandalen – am liebsten aus echtem Leder. Doch leider ist verarbeitetes Leder nicht immer gesund, denn es enthält häufig Chrom VI, ein Reaktionsprodukt aus dem Gerbprozess, das Allergien verursachen kann. Laut Stiftung Warentest ist von sechzig getesteten Lederprodukten jeder fünfte Kinderschuh und jeder dritte Arbeitshandschuh so stark belastet, dass er nicht hätte verkauft werden dürfen.

Selbst Socken schützen nicht vor Schadstoffen

Fast alle Leder für Kleider und Schuhe werden heute mit Chromsalzen gegerbt. Wenn die Gerber aber nicht nach dem Stand der Technik arbeiten, kann sich in chromgegerbtem Leder noch lange nach der Herstellung das sogenannte Chrom VI bilden. Chrom VI kann über den Schweiß selbst durch Socken und Strümpfe hindurch auf die Haut gelangen.

Eine halbe Millionen Deutsche betroffen

Auswahl an Leder-Herrenschuhen

Auswahl an Leder-Herrenschuhen

Renate Ehrnsperger von der Stiftung Warentest erklärt: "Chrom VI kann, ähnlich wie Nickel, Allergien verursachen. Das sind Allergien, die zu Hautausschlägen führen. Leidet man einmal unter einer solchen Allergie, dann hat man sie ein Leben lang." Allein in Deutschland sollen etwa eine halbe Million Menschen betroffen sein. Umso ärgerlicher ist es, dass viele Hersteller die Grenzwerte für Chrom VI nicht einhalten.

Hersteller reagieren

"Bei vier von zwanzig Kinderschuhen und bei sechs von zwanzig Arbeitshandschuhen haben wir Chrom VI in Mengen gefunden, die in Deutschland gesetzlich nicht erlaubt sind. Diese Produkte hätten nicht verkauft werden dürfen", kritisiert Ehrnsperger. Immerhin haben bereits einige Unternehmen einen Rückruf angekündigt und wollen die betroffene Ware aus den Regalen nehmen.

Worauf kann man als Kunde achten?

Ledersiegel

Garantiert Chrom VI-frei sind Produkte mit dem IVN-Zertifikat Naturleder oder dem ECARF-Siegel

Doch damit ist das Problem nicht aus der Welt. Allergikern rät Renate Ehrnsperger auf Nummer sicher zu gehen und auf pflanzlich gegerbte oder synthetisch gegerbte Leder ausweichen. Einige Siegel garantieren bereits chromfrei gegerbtes Leder, zum Beispiel das IVN-Zertifikat Naturleder oder das sogenannte ECARF-Siegel der Europäischen Stiftung für Allergieforschung.

Allerdings muss man als Kunde lange nach zertifizierter Ware suchen, denn selbst wer gezielt im Schuhgeschäft nachfragt, wird meist enttäuscht. Ein Beispiel: Von siebenzufällig ausgewählten Schuhläden an der Stuttgarter Königstraße führen fünf überhaupt keine chromfrei gegerbten Schuhe. In zwei Läden sind zwar Schuhe aus Naturleder im Angebot - allerdings ohne Siegel.

Test enthüllt falsche Kennzeichnung

Auf die Herstellerangaben allein kann man sich laut Stiftung Warentest nicht immer verlassen: "Wir hatten auch ein Produkt im Test, auf dem "Chrom VI-frei" drauf stand. Trotzdem haben wir Chrom VI gefunden", sagt Ehrnsperger. Die Fachfrau sieht vor allem den Handel in der Pflicht. Der sollte mehr pflanzlich gegerbtes Leder anbieten und bei chromgegerbtem Leder dafür sorgen, dass die Lieferanten sauber und nach dem Stand der Technik arbeiten, damit Chrom VI gar nicht erst zum Problem wird.

Schuhe und Pflegemittel

Pflegetipp

Pflege und Schutz für Schuhe aus Synthetik und Kunstleder

Immer mehr Straßen- Sport- und Wanderschuhe werden aus glattem oder aufgerautem Kunstleder oder synthetischen textilen Stoffen wie Nylon, Canvas oder Mesh hergestellt. Die Materialien sind preiswerter und pflegeleichter als Leder. Allerdings brauchen sie auch eine spezielle Pflege.

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