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SENDETERMIN Di, 5.6.2018 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

"Fuchs, du hast die Gans gestohlen" Waisenheim für Wildtierkinder

Junge, neugierige Füchse und freche Waschbärkinder sind eigentlich alles wilde Tiere. Wer kümmert sich um sie, wenn sie zum Beispiel ihre Eltern verloren haben? Im rheinland-pfälzischen Maßweiler gibt es für sie die landesweit einzige Auffangstation "Tierart e.V.". Geleitet wird sie von Florian Eiserlo.

Etwa 20 Füchse werden hier im Jahr groß gezogen - hauptsächlich finanziert mit Hilfe von Spenden. Zurzeit sind es acht Füchschen, zwischen vier und sechs Wochen alt. Alle haben Schreckliches erlebt." Hauptverursacher sind Verkehrsunfälle. Was aber auch häufig vorkommt ist, dass freilaufende Hunde im Wald die Kleinen aus ihrem Bau herausholen", berichtet Eiserlo. Viele Füchse würden in Deutschland auch immer noch geschossen, um die Population einzudämmen. "Das funktioniert leider nicht", meint der Tierschützer dazu und ergänzt: "Es gibt viele wissenschaftliche Studien, auch aus den Nachbarländern, die eindeutig zeigen, dass die Fuchspopulation sich viel besser selbst reguliert, wenn man sie nicht bejagt."

Kein Gänsedieb

Regelmäßig wird das Gewicht der Tiere kontrolliert. Denn gut gestärkt dürfen ältere Füchse auch schon mal ins große Freigehege. Dort sollen sie langsam vom Menschen entwöhnt werden, damit sie später nicht in Hausgärten laufen oder zutraulich einem Jäger vor die Flinte.


Axel Weiß wiegt einen kleinen Fuchs

Axel Weiß schaut, was der kleine Fuchs schon auf die Waage bringt.

In der Natur ernähren sich Füchse von kleinen Nagetieren, Insekten, zu einem großen Teil von Regenwürmern. "Wenn sie mal ein größeres Säugetier schlagen, ist das meistens ein verletztes oder krankes Tier. Deshalb ist der Fuchs wichtig in unserem ökologischen Gleichgewicht als eine Art Gesundheitspolizei", erklärt Florian Eiserlo.





Eine Chance auf Freiheit

Im Waschbärgehege nebenan leben momentan 30 Tiere. Sie haben ähnliche Schicksale erlebt wie ihre Leidensgenossen in der Fuchs-Abteilung. Sie fressen eigentlich so ziemlich alles, sind anhänglich und verspielt. "In Deutschland wird der Waschbär aber leider als Problemtier bezeichnet", erzählt Eiserlo. Ursprünglich sei der Waschbär kein heimisches Wildtier und habe sich in den Jahrzehnten, seitdem er aus Nordamerika hierher gekommen sei, rasant vermehrt – auch in unseren Städten.


Dachs

Waschbärkinder spielen genauso gerne wie Menschenkinder.

Für den Leiter und sein Team ist es eine Herausforderung, die Tierwaisen gesund zu pflegen. Und dennoch: "Der Kontakt zu den Wildtieren, die Pflege – das ist das, was einen berührt, gerade wenn man die Hintergrundgeschichten mitbekommt", sagt Eiserlo. "Schlimm, diese Schicksale mitzubekommen, aber dann auch wieder schön, dass wir den Tieren hier die Chance auf die Freiheit geben können."