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SENDETERMIN Di, 24.10.2017 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

Fahrsimulator der Deutschen Bahn Vollgas geben - um Energie zu sparen

Die Deutsche Bahn muss sparen - auch Strom. Damit die Energiebilanz besser ausfällt, werden die Lokführer in Simulatoren virtuell geschult. Denn vom Fahrstil hängt fast alles ab.

Wer etwa beim Autofahren Energie sparen will, muss weniger Gas geben. Anders ist das bei der Bahn. Sie hat zwar keine Fahrschule für ihre Lokführer. Diese üben sicheres und energiesparendes Fahren unter anderem im Simulatorzentrum der Deutschen Bahn in Mainz, einem von bundesweit zwölf solcher Zentren.

Bei einem Zug macht es durchaus Sinn, Vollgas zu geben, damit am Ende eine Energieersparnis herauskommt. Und deshalb schult die Deutsche Bahn ihre Lokführer in Simulatoren, damit sie lernen, im richtigen Moment Gas zu geben, um Strom zu sparen. Das hört sich verrückt an, ist aber so. Denn je schneller ein Zug seine Endgeschwindigkeit erreicht, desto länger kann er dann ohne Antrieb rollen. "Die richtig guten Lokführer erreichen bis zu 30 Prozent weniger Energieverbrauch", sagte Instrukteur Ulrich Pietsch.

Umsichtige Fahrweise spart Energie

Alle zwei Jahre müssen Lokführer in den Simulator. Ihre Fahrleistungen und Energiesparergebnisse sind allerdings vertraulich.

Im Simulator wird auch vorausschauendes Fahren geübt, der beste Energiespartrick. Beispielsweise bei Strecken mit Anstiegen bedeutet das, schon lange vor der Kuppe das Gas wegnehmen. Trainiert wird auch das geschickte Bremsen mit der E-Bremse. Denn dadurch wird sogar Strom erzeugt.

In den moderneren Zügen der deutschen Bahn wird der Elektromotor beim Bremsen zum Generator. Das bringt eine Energieersparnis von rund zehn Prozent. Allerdings kann schlechtes Wetter auch einem gut geschulten Lokführer die Energiebilanz verhageln. Nasse Schienen zum Beispiel sorgen für weniger Zugkraft.

Lokführer heißen offiziell Triebfahrzeugführer oder Eisenbahnfahrzeugführer. Zugführer bei der Bahn sind Mitarbeiter, die für die Sicherheit und ordnungsgemäße Abwicklung einer Zugfahrt verantwortlich sind.

Durch ihr Fahrverhalten können gute Lokführer selbst auf kurzen S-Bahnstrecken bis zu zehn Prozent Strom einsparen. Und das wollen sie auch umzusetzen, unter anderem weil mittlerweile jede Fahrt ausgewertet wird. Trotzdem ist nicht bekannt, wie viel Strom tatsächlich eingespart wird. Denn darüber macht die Deutsche Bahn keine Angaben.

Sicherheit und Pünktlichkeit gehen vor

Priorität bei der Bahn haben jedoch Sicherheit und Pünktlichkeit. Das Energiesparen steht an dritter Stelle und ist eines der Ausbildungsziele im Simulator. Denn ein Triebfahrzeugführer kann laut DB Fernverkehr während einer Schicht rund 5.000 Kilowattstunden (kWh) einsparen. Das ist etwa die Menge, die eine vierköpfige Familie im Jahr verbraucht.

Zirka elf TWh Strombedarf im Jahr

Nach Informationen des Energieversorgers der Deutschen Bahn, DB Energie, liegt der jährliche Strombedarf der Bahn bei rund elf Terawattstunden (TWh). Das sind rund elf Millarden kWh und entspricht in etwa dem Jahresverbrauch einer Metropole wie Berlin. Im Vergleich dazu benötigt der Chemiekonzern BASF an seinem Standort Ludwigshafen über sechs TWh Strom pro Jahr, gut ein Prozent des gesamten deutschen Verbrauchs.