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Erderwärmung verstärkt Armut Klimawandel ist eine unfaire Sache

Der Klimawandel ist schon jetzt spürbar und wird uns alle treffen - die Ärmsten aber besonders hart. Auf Überschwemmung folgt Trockenheit. Böden werden unfruchtbar.

Computersimulationen machen die globale Erwärmung zwischen den Jahren 1900 und 3000 sichtbar.

Computersimulationen machen die globale Erwärmung zwischen den Jahren 1900 und 3000 sichtbar.

Klimawandel heißt: Der Meeresspiegel steigt. Martin Frick, Klimadirektor der Welternährungsorganisation, sagt, dass in vielen tief liegenden Gegenden der Welt Böden versalzen, weil Meereswasser eindringt - zum Beispiel in Bangladesch oder im Nil-Delta. Die Folge: Die Böden werden unfruchtbar. Steigt der Meeresspiegel zu stark, müssen viele Millionen Menschen fliehen. Im Gegensatz zu Deutschland oder den Niederlanden können sich arme Länder wie Bangladesch keinen teuren Küstenschutz mit Deichen leisten.

Arme Länder haben das Nachsehen

Durch den Klimawandel wird das Wasser wärmer, Fische weichen weiter in die See zurück.

Durch den Klimawandel wird das Wasser wärmer, Fische weichen weiter in die See zurück.

Klimawandel ist eine unfaire Sache: Die Hauptverursacher sind reich genug, sich zu schützen - die Armen gucken in die Röhre. Oder in leere Fischgründe - an den Küsten, wo das Wasser immer wärmer wird.

Klimaexperte Martin Frick: "Das sind nicht mehr die Bedingungen, die Fischschwärme brauchen. Die ziehen sich zurück auf die hohe See, wo sie außerhalb der Reichweite der Armen kommen, die mit sehr kleinen Booten mit Segeln versuchen, an diese Fischschwärme heranzukommen."

Auf Überschwemmungen folgt Trockenheit

Im Himalaya drohen durch Gletscherschmelze zuerst Überschwemmungen, dann Trockenheit.

Im Himalaya drohen durch Gletscherschmelze zuerst Überschwemmungen, dann Trockenheit. 

Verlierer des Klimawandels sind auch Gegenden, die auf Gletscher als Süßwasserspeicher angewiesen sind - Gebiete im Himalaya und in den Anden. Wenn die Gletscher tauen, drohen erst Überschwemmungen. Später sitzen die Menschen auf dem Trockenen.

Wo es heute schon trocken ist, könnte es noch trockener werden - die Sahara etwa wächst. Klimafachmann Frick geht davon aus, dass - sollte die Erderwärmung tatsächlich mehr als zwei Grad betragen - Hunderte von Millionen Menschen zusätzlich in Armut und Hunger rutschen.

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Klimawandel im Südwesten

Gottesanbeterin rein, Perlmutterfalter raus

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Wenn sich das Klima verändert, wirkt sich das auch auf Flora und Fauna aus. Weltweit gesehen ist jede sechste Tier- und Pflanzenwelt vom Aussterben bedroht. In den kommenden Jahrzehnten werden wir uns von einigen Tieren und Pflanzen verabschieden müssen, andererseits dürfen wir auch einige Einwanderer begrüßen.

Bekanntermaßen hat der Kuckuck keine Lust, seine Eier selbst auszubrüten, stattdessen legt er sie in fremde Nester. Doch weil der Frühling immer zeitiger startet, fangen auch viele heimische Arten früher mit dem Brüten an. Kommt der Kuckuck dann aus seinem Winterquartier in Afrika zurück, ist es zu spät, um sein Ei noch einem anderen Vogelpaar unterzujubeln. Deshalb weicht er in immer höhere Lagen aus - dorthin, wo der Frühling später beginnt.

Wenn sich das Klima verändert, wirkt sich das auch auf Flora und Fauna aus. Weltweit gesehen ist jede sechste Tier- und Pflanzenwelt vom Aussterben bedroht. In den kommenden Jahrzehnten werden wir uns von einigen Tieren und Pflanzen verabschieden müssen, andererseits dürfen wir auch einige Einwanderer begrüßen.

Bekanntermaßen hat der Kuckuck keine Lust, seine Eier selbst auszubrüten, stattdessen legt er sie in fremde Nester. Doch weil der Frühling immer zeitiger startet, fangen auch viele heimische Arten früher mit dem Brüten an. Kommt der Kuckuck dann aus seinem Winterquartier in Afrika zurück, ist es zu spät, um sein Ei noch einem anderen Vogelpaar unterzujubeln. Deshalb weicht er in immer höhere Lagen aus - dorthin, wo der Frühling später beginnt.

Der Natterwurz-Perlmutterfalter ist ein wunderschöner Schmetterling, der es nicht so warm mag. Und er hat noch ein anderes Problem: Denn auch seine bevorzugte Futterpflanze, der Wiesenknöterich, scheut die Wärme und ist immer seltener anzutreffen.

Die Fichte: Lieblingsbaum der deutschen Forstwirtschaft, aber leider extrem gefährdet. Da sie nur sehr flache Wurzeln hat, leidet sie stärker als andere Baumarten unter sommerlichen Trockenphasen.

Die Edelkastanie findet man jetzt schon in milden Regionen, etwa dort, wo Wein angebaut wird - wie in der Pfalz. Wird es wärmer, könnten sie häufiger anzutreffen sein - etwa da, wo es die Fichte nicht mehr aushält.

Die Gottesanbeterin ist eine Fangschrecke, die es warm mag. Ursprünglich gab es sie nur im Mittelmeerraum, dann wagte sie sich bis an den Kaiserstuhl und mittlerweile gibt es sie auch schon deutlich nördlich von Karlsruhe.

Lange Zeit wurde der Bienenfresser, der ursprünglich aus Südeuropa stammt, in Deutschland nur selten gesehen. Jetzt brütet er regelmäßig bei uns, zur Freude vieler Vogelfreunde. Aber auch wenn es sich möglicherweise so anhört: eine Win-win-Situation wird es beim Klimawandel nicht geben. Es werden - da sind sich Forscher einig - deutlich mehr Arten verschwinden als kommen. Denn die Zeit, um sich an die veränderten Klimabedingungen anzupassen, reicht den meisten nicht aus.

Autorin: Stefanie Peyk, SWR Umwelt und Ernährung / Online: Jutta Kaiser