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Elektrofischen EU-Parlament verbietet Fischfang mit Strom

Mithilfe von Stromschlägen im Wasser können Tiere auf dem Meeresboden beim Elektrofischen einfacher gefangen werden. Doch das ist jetzt verboten, hat das Europaparlament entschieden.

Zwei Fischer beim Elektrofischen.

In Flüssen wird das Elektrofischen oft zur Bestandaufnahme der Gewässer genutzt.

Das Europaparlament hat sich für ein EU-weites Verbot des Elektrofischens ausgesprochen. Damit stellt sich das Parlament gegen einen Vorschlag der EU-Kommission. Diese wollte die bisher geltenden Genehmigungen für die neue Fischfang-Methode nicht nur beibehalten, sondern auch noch ausweiten. In dieser Frage entscheiden der Rat der EU-Staaten und das EU-Parlament gemeinsam. Jetzt muss also ein Kompromiss gefunden werden.

Fragen an Alice Thiel-Sonnen, SWR-Umweltredaktion

Wie funktioniert das Elektrofischen?

Vor dem Netz werden Elektroden, die an einem langen Arm befestigt sind, über den Gewässerboden gezogen. Diese Elektroden geben Stromstöße ab. Im Meeresboden haben sich die Plattfische eingegraben: Seezunge, Scholle und auch die Krabben leben dort. Tiere wie diese werden durch die Stromstöße aufgescheucht. Die kleinen Krabben springen dann regelrecht vom Meeresboden hoch. Das Fischernetz, das dahinter eingespannt ist, kann die Tiere dann problemlos einfangen.

Die Technik hat gezielt die Beute am Meeresboden im Auge. Bei den Schwarmfischen, die im Meer herum schwimmen, wird sie nicht angewandt. Besonders interessant ist das Elektrofischen für die Niederlande und Belgien. Hier ist man damit bereits versuchsweise unterwegs. Aber auch für deutsche Krabbenfischer ist die Technik relevant.

Will man damit vor allem mehr Fische fangen oder hat das Elektrofischen auch für Tier und Umwelt etwas Gutes?

Ein Fischer mit seinem Krabbenkutter auf der Nordsee.

Für Krabbenfischer auf der Nordsee hätte das Elektrofischen eine Erleichterung bedeutet.

Die Befürworter des Elektrofischens werben sowohl mit ökonomischen als auch mit ökologischen Pluspunkten: Bisher scheucht man die Tiere im Meeresboden mit einer mechanischen Baumkurre auf. So heißt das Gerät, das dort mithilfe dicker Scheuch-Ketten den Boden pflügt. Die Methode wird von Umweltschützern stets kritisiert, weil sie die Ökosysteme schädigt. Die Stromstoß-Technik ist dagegen vergleichsweise schonend.

Die deutschen Nordsee-Krabbenfischer, die das Elektrofischen bereits ausprobiert haben, haben in einem Versuch in der gleichen Zeit deutlich mehr Speisekrabben gefangen als normalerweise. Weil die Ausrüstung beim Elektrofischen außerdem deutlich leichter ist und die Fischer langsamer fahren, spart die Methode zudem Treibstoff.

Warum kritisieren Tier- und Umweltschützer die Methode trotzdem?

Plenarsaal des Europaparlaments

Das EU-Parlament hat in diesem Fall pro Tierschutz entschieden.

Ob das Elektrofischen auch für die Fische und Krabben eine schonende Fangmethode ist, hängt stets von der Stärke des Stromschlags ab. Ist er zu kräftig, kann er den Tieren das Rückgrat brechen. Außerdem ist noch offen, was die Stromschläge mit anderen kleinen Meeresbewohnern wie Würmern, Schnecken und Krebsen machen. Hier fehlt es an unabhängigen ökologischen Untersuchungen.

Eine andere Sorge ist: Um die Effizienz der Fangmethode weiter zu steigern, könnten Fischer den Strom stärker aufdrehen als nötig. Das könnte zur Überfischung verleiten. Deshalb hat man sich gegen die generelle Einführung des Elektrofischens so gewehrt - offenbar mit Erfolg.


Online: Inga Vennemann