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SENDETERMIN Di, 16.8.2016 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

Eine Hütte aus Holz Gute Ökobilanz und ziemlich abhörsicher

Stein auf Stein - das muss beim Hausbau nicht sein. Man kann sich seine vier Wände auch komplett aus Holz bauen lassen. Im Hunsrück gibt es mehrere Blockhausbauer, ihr Material wächst vor der Haustür. Holzhäuser sind nicht nur im Trend, sondern haben auch noch eine gute Ökobilanz.

Kräftige Männer, riesige Baumstämme - das muss wohl Kanada sein. Doch weit gefehlt: Mitten in Rheinland-Pfalz, in Morbach im Hunsrück, wird gesägt und gehobelt, dass die Späne nur so fliegen. Am Ende steht ein komplettes Haus da, genauer gesagt gesagt ein Blockhaus - also doch ein Stück Kanada.

Ein Baumstaumm ist so eingeschliffen, dass die Rundung genau auf einen zweiten Baumstamm passt

Grob zurecht hacken, das geht nicht

Vom Baumstamm zum Haus

Bei einem Blockhaus-Bauer im Hunsrück sind Spezialisten am Werk. Anders als bei einem gemauerten Haus passiert die meiste Arbeit nicht auf der Baustelle, sondern auf dem Werkshof. Zunächst muss nämlich jeder einzelne Baumstamm passgenau in Form gebracht werden.

Für den Rohbau eines kleineren Einfamilienhauses bräuchten die Arbeiter etwa sechs bis acht Wochen, erklärt Blockhausbauer Bertfried Günter. Bis aber jemand in das Haus einziehen kann, braucht man insgesamt drei bis vier Monate, denn nach dem Rohbau folgt der Innenausbau.

Legospiel für Große

Die Hölzer werden Stamm für Stamm aufeinander gelegt, jeder Stamm muss zurecht geschnitzt werden, damit das ganze Konstrukt passt. Wenn das Haus soweit steht, werden die Stämme nummeriert und nacheinander wieder abgebaut. Mit dem Lkw wird das in seine Einzelteile zerlegte Baumhaus dann zur Baustelle transportiert. Dort kann man es wie bei einem Legosystem zusammenfügen. "Wenn ein Stamm fehlt, haben wir natürlich Pech gehabt", sagt Bertfried Günter schmunzelnd.

Holzstamm wird mit einem Kran durch die Luft transportiert

Nur gerade Stämme taugen für den Hausbau

Nichts für Grobmotoriker

Auf den ersten Blick sieht die Arbeit beim Blockhaushersteller grob und urtümlich aus. Auf den zweiten erkennt man, dass alles ganz genau ausgetüftelt ist, damit sich alles ineinander fügt. Das verarbeitete Holz stammt direkt aus dem Umkreis, weiter als 20 oder 25 km entfernt ist kein Baum "aufgewachsen". Günter verbaut in seiner Firma zwei Nadelholzarten: Fichte und Douglasie. Jeder Stamm wird einzeln ausgesucht. Sie müssen vor allem ganz gerade gewachsen sein, verdrehte Hölzer können nicht verbaut werden.

Geeignet sind nur die Nadelhölzer, meist werden Fichte, Tanne oder Douglasie verwendet. Western-Red- Cedar-Holz ist quasi der Rolls-Royce unter den Hölzern. Diese Thuja-Art muss aber importiert werden. Einheimische Bäume sind zwischen 100 und 140 Jahre alt, wenn sie für den Hausbau verwendet werden. Für ein rund 160 qm großes Haus braucht man 80 bis 100 Stämme.

Charlie Manz ist ebenfalls Blockhausbauer in Morbach und ein echter Pionier auf dem Gebiet. Er hat viele Jahre mit seiner Familie in Kanada gelebt und dort das Handwerk von der Pike auf gelernt. Das Wissen hat er schon vor 33 Jahren nach Deutschland importiert. Mittlerweile hat er 700 Blockhäuser gebaut.

Blockhausbauer Charlie Manz

Charlie Manz

Nichts für Handy-Verrückte

"Die Nachfrage nach der kanadischen Bauweise ist im Vergleich zu den Anfangsjahren deutlich gestiegen", sagt Manz. Die Käufer kommen dabei aus allen Schichten. "Es sind eben alles Leute, die eine gesunde Wohnweise bevorzugen", so Manz. Der Fachmann ist überzeugt, dass Holzhäuser eine gute Wärme-Dämmeigenschaft haben und gute Brandschutzeigenschaften. Holz stehe in dem Ruf, schnell zu brennen. Doch Manz widerspricht dieser Meinung: "Dem ist nicht so, man könnte außen in der Ecke vom Holzhaus ein großes Feuer machen, da passiert überhaupt nichts. Vielleicht würde der Stamm ankohlen, mehr aber nicht."

Holzhäuser haben noch andere, ein wenig überraschende Eigenschaften: Manz erklärt, dass das Holz verrauchte Luft gut filtert. Die Blockhäuser Holzhäuser filterten aber noch etwas ganz anderes: "Man hat einen ganz schlechten Handy-Empfang in Blockhäusern, man ist drinnen relativ gut abgeschirmt."

Bauingenieur Timo Manz

Timo Manz

Wenig Maschine, viel Mensch

Timo, der Sohn von Charlie Manz, ist Bauingenieur und beschäftigt sich vor allem mit der Energiebilanz der kanadischen Blockhäuser. "Die Ökobilanz ist sehr gut", sagt Timo Manz und begründet: "Die Baumstämme werden mit sehr wenig Maschineneinsatz und sehr viel Handarbeit bearbeitet."

Außerdem sei im Holz so viel CO2 gespeichert, welches die Bäume im Wachstum aufnehmen, dass man quasi mit einem Guthaben das haus errichtet. Die Baumstämme holen das schädliche Kohlendioxid aus der Atmosphäre und lagern es quasi ein. "Bei solch einem Haus kann man etwa zehn Jahre heizen, bis dieses Guthaben aufgebraucht ist", stellt Timo Manz die Ökobilanz auf.

aus der Sendung vom

Di, 16.8.2016 | 18:15 Uhr

SWR Fernsehen