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Ein Bio-Bauer hält eine alte Getreidesorte Einkorn in der Hand.

SENDETERMIN Di, 6.10.2015 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen RP

Emmer, Einkorn und Dinkel Die Wiederentdeckung der Ur-Getreide

Die Vielfalt der Nutzpflanzen schwindet. Dazu kommt der Klimawandel, der dem Weizen zu schaffen macht. Lange Frostperioden im Winter, ein trockenes und kurzes Frühjahr und ein zu heißer Sommer, all das setzt dem hochgezüchteten Weizen zu.

Doch wir müssen nicht um das tägliche Brot fürchten - zumindest nicht, wenn sich Bauern, Bäcker und Verbraucher auf alte Getreidesorten besinnen: Einkorn, Emmer und Dinkel.

Welche alten Getreidesorten gibt es?

Bei der Gletschermumie Ötzi fand man Einkorn im Magen. Einkorn ist ein Wildgetreide, das es seit rund 10.000 Jahren gibt. Ursprünglich kommt es aus Asien und wurde durch den Handel nach Europa gebracht. Emmer ist seit 6.000 Jahren bekannt. Dinkel wurde schon von den Ägyptern und Kelten angebaut.

Dinkelkörner

Dinkel ist besonders gesund

Aus der Mischung von Einkorn mit Wildgräsern entstanden der würzige und größere Emmer und der gehaltvolle dunklere Dinkel. Der wurde besonders durch Hildegard von Bingen bekannt, denn sie benutzte das Getreide in zahlreichen Ernährungs-Rezepten.

Bis ins 19. Jahrhundert baute man diese alten Sorten auf unseren Feldern an. Erst als der Mineraldünger Einzug in die Landwirtschaft fand und mit ihm der moderne Weizen hochgezüchtet wurde, verschwanden die alten Getreidesorten. Der neue Weizen war ertragreicher und ließ sich besser von der Saatschale, der Spelz trennen.

Warum lohnt der Anbau alter Sorten?

Einkorn, Emmer und Dinkel überzeugen mit nussigen, würzigen Aromen. Die Spelze der alten Getreidesorten, die Haut der Getreide, sind besonders fest und schützen vor Hagel, vor Regen oder vor sehr trockenen Sommern. Und sind somit robuster gegen Krankheiten, Frost und Hitze. Aber: Der Mähdrescher kann die festere Samenhaut der alten Sorten nicht schälen. Ein zusätzlicher Arbeitsschritt kostet Zeit und Geld.

Der moderne Weizen bekommt bei 37 Grad Sonnenbrand. Bei einer Temperaturabweichung von 1 Grad können 10 bis 30 Prozent der Ernte ausfallen. Vor diesem Hintergrund kann sich der Anbau alter Sorten lohnen.

Wie gesund sind die alten Sorten?

Die Ur-Getreidesorten haben noch das volle Spektrum an Nährstoffen, was insbesondere beim Weizen, der auf industrielle Verarbeitung hin gezüchtet wird, nicht gegeben ist. Insgesamt haben sie einen hohen Gehalt an B-Vitaminen, auch an Carotinoiden. Dazu kommen viele Mineralstoffe, vor allem dann, wenn man das ganze Korn verarbeitet.

Dinkelprodukte

Dinkel: vielseitig zu verarbeiten

Der Dinkel weist viele Aminosäuren auf, die günstig sind für das Gehirn. Bei Emmer und Einkorn ist ein hoher Anteil an Carotinen nachweisbar - besonders das Lutein, das gut für die Augen ist, einen Schutz gegen UV-Strahlung bietet und auch bei der Krebsabwehr wichtig scheint.

Vorsicht bei Weizenallergie! Menschen mit Weizenallergie können Dinkel ausprobieren. Grundsätzlich ist der Gluten-Anteil der alten Sorten ähnlich wie beim modernen Weizen.

Welche Produkte mit alten Getreidesorten bietet der Handel an?

Im Handel gibt es die Körner pur – zum selber mahlen oder im fertigen Müsli. Auch Back- und Teigwaren aus Dinkel werden angeboten. Außerdem Kaffee, Süßes oder Salziges – ja sogar Dinkel-Bier gibt es. Immer mehr Bäcker setzen auf die alten Getreide-Sorten, denn sie bringen neuen Geschmack ins Sortiment. Allerdings ist ihre Qualität nicht so standardisiert wie zum Beispiel beim Weizen, was durchaus eine Herausforderung beim Backen bedeutet.

Fazit

Noch sind die alten Getreidesorten vor allem im Öko-Landbau zu finden, denn die Erträge sind niedriger und ihre Verarbeitung zeitaufwendiger. Dafür sind sie gehaltvoller, gesünder und robuster: In Zeiten von bewusster Ernährung und fortschreitendem Klimawandel ein klares Plus.

aus der Sendung vom

Di, 6.10.2015 | 18:15 Uhr

SWR Fernsehen RP