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Eine Bachforelle im Bach

SENDETERMIN Di, 8.1.2019 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

Die Forelle lebt! Zucht und Schutz der Eifeler Bachforelle

Lange Zeit stand die Bachforelle in Rheinland-Pfalz als "stark gefährdete Art" auf der Roten Liste, verdrängt von der aus Amerika stammenden Regenbogenforelle. Für das Artenschutzprojekt "Eifeler Bachforelle und Flussperlmuschel" errichtete das Land die Teichanlage "In der Litzer", in der der Angelverein Prüm e.V. seit 1991 die "Eifeler Bachforelle" nachzüchtet. Seitdem sind aus tausenden Forelleneiern Forellensetzlinge entstanden, die in Eifelbächen ausgewildert wurden.

In der Eifel werden die Bachforellen naturnah gezüchtet ohne Einsatz von Medikamenten. Sie wachsen in kleineren Erdteichen auf und werden von dort in Becken umgesiedelt. Netze verhindern das Eindringen von räuberischen Graureihern und Kormoranen.

Erfolg durch künstliche Befruchtung

Die männlichen Fische sind durch ihren Laichhaken, der zu einem Haken geformte Unterkiefer, von den weiblichen zu unterscheiden.

Die erwachsenen Bachforellen werden im Winter nach Männchen und Weibchen sortiert und voneinander getrennt. Ein sanftes Bad mit Nelkenöl beruhigt anschließend die Tiere und betäubt sie leicht.

Bachforellenfischeier

So wird der Kaviar der Bachforelle gewonnen: das sogenannte "Abstreifen".

Dann geht es an das sogenannte "Abstreifen": Mit vorsichtigem Druck werden etwa 1.000 Eier aus dem Bauch von jeweils einer weiblichen Bachforellen gestrichen. Tausende so gewonnener Eier werden mit dem männlichen Sperma, der "Milch", besamt. Das kommt zusammen mit den Eiern der Weibchen in eine Schüssel und alles wird mit einer nassen Gänsefeder vorsichtig umgerührt.

Forellen werden seit über 100 Jahren gezüchtet, also künstlich vermehrt.

Durch die Zugabe von Wasser werden die Spermien beweglich und "schwimmen" praktisch in die Eizellen hinein. "In der künstlichen Befruchtung ist der Erfolg viel höher", erklärt Christian Ziwes, der zweite Vorsitzende des Vereins. "In der Natur kommt unter einem Prozent durch und in der künstliche Zucht über zehn Prozent."

Die "Eltern"-Forellen kommen nach der ganzen Prozedur in ein Aufwachbecken und später wieder in den Teich. Den Rest der Brutsaison haben sie dann ihre Ruhe.

Fischeier der Bachforelle

Nach Schätzungen des Angelvereins würde der Preis für 1.000 Eier bei etwa 25 Euro liegen. Der seltene Kaviar der Eifeler Bachforelle ist für die Artenschützer hingegen unbezahlbar.

Der Brütling ernährt sich nach dem Schlüpfen zunächst aus seinem Dottersack. Wenn dieser bis auf etwa ein Viertel aufgezehrt ist, erhalten die "Fischbabys" Trockenfutter.

Die befruchteten Eier kommen ins Bruthaus und werden dort in Brutbecken groß gezogen. Nach etwa 60 Tagen beginnen die Brütlinge mit dem Schlüpfen, so sagt Manfred Vorderwülbecke, der 1. Vorsitzende, und weiter: "Der Schlupf kann sich aber über einen Zeitraum von zirka zwei Wochen vom ersten bis zum letzten Schlüpfen ziehen."

Alte und neue Probleme

Die Bachforelle war früher in Rheinland-Pfalz weit verbreitet. Durch die Verschmutzung der Gewässer und den technischen Ausbau von kleinen Bächen gingen allerdings die Laichgebiete verloren. Heute gibt es noch dazu Probleme wie zum Beispiel den immer niedriger werdenden Grundwasserspiegel. Auch die inzwischen trockener gewordenen Sommer wie der im Jahr 2018 wirken sich auf die Zucht und ihre Ergebnisse aus. In Folge hat der Angelverein Prüm nach eigenen Angaben über 50 Prozent Verlust zu verzeichnen. Denn, so Christian Ziwes: "Es ist ja nicht nur in der Anlage das Problem, sondern das ganze Flusssystem trocknet aus und da gehen die Bestände entsprechend auch zurück."

Um die Anlage ausreichend mit Wasser zu versorgen, wurde eine Photovoltaikanlage gebaut, die seit 2017 im Probebetrieb arbeitet. Es wird also weiter gezüchtet, gehegt und gepflegt beim Angelverein Prüm e.V. - Die Eifeler Bachforelle lebt!