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SENDETERMIN Di, 5.1.2016 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

Der Umwelt zuliebe! Kunst aus Plastikmüll von der Mosel

Ein Fotodesigner aus Winningen fotografiert Müll. Aber nicht irgendwelchen Müll. Den Abfall sammelt er mit dem Kajak aus der Mosel.

Stephan Horch ist nicht nur Fotograf aus Leidenschaft, er fährt auch sehr gerne mit dem Kajak auf der Mosel. Vor zweieinhalb Jahren hat er seine Liebe zum Kajak entdeckt. Gleich bei seiner ersten Paddeltour im Rhein stieß er auf einen schwimmenden Fußball. "Durch den Fußball wurde ich zum ersten Mal auf den Müll im Wasser aufmerksam", erzählt Stephan Horch. Seitdem sieht er in den Flüssen von Rheinland-Pfalz ständig Müll. Das hat ihn so geärgert, dass er beschlossen hat, etwas dagegen zu tun. Er gründete sein eigenes Umweltprojekt mit dem Namen "Clean River Project". Mindestens zwei Mal pro Woche geht er mit seinem Wildwasserkajak auf die Mosel und sammelt Müll. Mit einem Körbchen bewaffnet ist er so etwas wie die "Müllabfuhr" auf der Mosel.

Durch die Fotos auf den Müll aufmerksam machen

Am häufigsten fischt Stephan Horch Plastikflaschen aus der Mosel. Aber auch Spielzeug, Kartoffelsäcke oder eine Wasserpistole hat er schon in der Mosel gefunden. "Dass der Müll hier liegt, kann ich nicht ändern. Jedoch kann ich darauf aufmerksam machen. Ich möchte für das Problem ein Bewusstsein schaffen", sagt er.

Hintergrund: Plastikmüll nicht nur im Meer ein Problem
Nach Angaben des deutschen Umweltbundesamtes treiben rund 75 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren. Doch nicht nur die Meere sind belastet. Auch in den deutschen Flüssen und Seen schwimmen Plastikabfälle. Neben Plastikflaschen findet man dort vor allem Mikropartikel aus Plastik. Die kleinen Kunststoffteile sind in vielen Kosmetikprodukten oder sie entstehen, wenn Plastikmüll lange im Wasser liegt. Wissenschaftler der Universität Wien fanden beispielsweise im März 2014 in der Donau mehr Plastikartikel als Fischlarven. Auch im Rhein wurde bereits eine Belastung durch Plastikpartikel festgestellt.

Aus den gesammelten Abfällen entstehen dann Kunstwerke. Der Fotodesigner stellt seine Funde aus der Mosel zu aufwendige Fotocollagen zusammen. Seine Fundstücke fotografiert er vor einem weißen Hintergrund. So sollen die Abfälle ganz im Mittelpunkt stehen. Seine fertigen Fotografien veröffentlicht er im Internet. Erst danach wandert der Müll in die Tonne. Denn neben der Kunst geht es Stephan Horch vor allem um Eines: Er möchte die Mosel sauberer machen.

Bei seinen Paddeltouren auf der Mosel stößt Stephan Horch auch immer wieder auf Überraschungen: In einem leeren Geldbeutel fand er einmal einen kleinen metallfarbenen Klumpen. Nichts besonderes, sollte man denken: "Doch bei genauerem Hinsehen erkannte ich, dass es sich um zusammengeschmolzene DM-Münzen handelte". Auch sonst staunt der Wassersportler über manche seiner Funde. Die bisher größte Überraschung sei der Fund von Sexspielzeug gewesen, wie er mit einem Lächeln erzählt.

Stephan Horch beim Fotografieren

Stephan Horch setzt den Müll in Szene.

Ab und zu melden sich beim ihm auch Interessierte wegen seines Projekts. Viele sind begeistert. Manche lassen sich sogar durch den Fotografen inspirieren. Sie berichten, dass sie durch ihn auf das Thema aufmerksam geworden sind und nun selbst Abfälle in der Natur sammeln. Nicht selten schicken sie Bilder von ihren eigenen Funden. "Das freut mich natürlich", sagt Stephan Horch und hofft, dass bald noch andere Paddler ihn bei seinem Projekt unterstützen.


aus der Sendung vom

Di, 5.1.2016 | 18:15 Uhr

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