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SENDETERMIN Di, 8.5.2018 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

Bunter Vogel in Rheinland-Pfalz Erfolgsgeschichte Bienenfresser

Vogelexperten sind stolz: In Rheinland-Pfalz gibt es wieder mehr Bienenfresser. Sie sind so bunt wie keine anderen Vögel bei uns, und in diesen Tagen kehren sie zurück aus ihrem Winterquartier.

Jörn Weiß leitet einen ornithologischen Arbeitskreis in Rheinland-Pfalz, der sich mit dem Bienenfresser beschäftigt. Seine Bilanz: "Wir hatten 1993 ein Brutpaar in der Südpfalz – damit begann hier die Besiedlung. Aber richtig losgegangen ist es 2002 mit vier Paaren landesweit, von denen wir gewusst haben, und jetzt gehen wir auf gut 300 Brutpaare in Rheinland-Pfalz zu. Innerhalb von 15 Jahren eine tolle Steigerung."

Name „Bienenfresser" führt in die Irre

Der Vogelexperte, Jörn Weiß, spaziert mit einer Kamera durch ein Wiesenstück.

Der Bienenfresser-Experte Jörn Weiß

Der Bienenfresser liebt es warm und trocken. Das hängt vor allem mit seiner Ernährung zusammen. Er ist auf Großinsekten angewiesen. Wobei der Name "Bienenfresser" ein bisschen in die Irre führt. Der Experte Jörn Weiß erklärt: "Ja, er frisst auch Bienen, aber den Großteil seiner Nahrung machen Großlibellen aus – fast 70 Prozent. Und dann kommen andere Artengruppen, besonders Hummeln und dann erst, an dritter Stelle, kommen Bienen in Form von wilden Bienen oder auch Honigbienen."

Zum Brüten braucht der bunte Vogel geeignete Brutmöglichkeiten. In Rheinland-Pfalz findet der Bienenfresser diese fast ausschließlich in Kies-, Sand- und Lehmgruben, die zum Teil bewirtschaftet werden.

Ein Bienenfresser vor seinem Nesteingang in einer Sandgrube

Der Vogel nistet in Steilwänden aus Sand.

Für den Vogel gehören alle, die in der Grube arbeiten, zum "Inventar". Empfindlich reagiert er nur auf Fremde – vor allem übereifrige Fotografen können in der Brutzeit zum Problem werden. So ist der Mensch gleichzeitig Chance und Gefahr für den Bienenfresser: Einerseits droht bei zu viel Störungen ein Verlust der Brut, andererseits macht das menschengemachte "Biotop Sandgrube" seine Existenz bei uns erst möglich.

Die Sandgruben beherbergen neben dem Bienenfresser noch viele andere, etwas unauffälligere Arten: Zum Beispiel Uferschwalben, Bluthänflinge und Steinschmätzer. Ab und an brütet dort sogar ein Uhu. Wenn sich Tümpel bilden, beherbergen Sandgruben auch Wasservögel wie Blässhühner, Enten, Zwergtaucher und verschiedene Watvögel, die die Gruben vor allem zur Nahrungssuche nutzen.

Bienenfresser sind Koloniebrüter

Mehrere Bienenfresser sitzen im einem Strauch.

Bienenfresser nisten gemeinsam.

Doch die Fressfeinde dieser Tierarten sind nicht weit: In der Luft kreist der Sperber, immer auf der Suche nach einem unaufmerksamen Kleinvogel. Auch der Turmfalke versucht hier sein Glück. Die Bienenfresser sind als Koloniebrüter aber besonders erfolgreich, weil sie einander vor diesen Feinden warnen und der Gefahr gemeinsam trotzen. Der Vogel-Experte Jörn Weiß ist gerade von dem Zusammenhalt der bunten Vögel fasziniert.

Entwicklung der Bienenfresser hängt vom Menschen ab

In den folgenden Jahren wird interessant zu beobachten sein, wie sich der Bestand des Bienenfressers weiterentwickelt. Wir Menschen werden dabei eine wichtige Rolle spielen: Von der Art, wie wir Landwirtschaft betreiben, hängt maßgeblich ab, wie viele Insekten den Vögeln zur Verfügung stehen. Wie wir die Landschaft gestalten, entscheidet, wie viele Brutmöglichkeiten die Vögel nutzen können. Und von unserem Verhalten bei der Annäherung an den Bienenfresser hängt ab, ob er es schaffen wird, seine hungrige Brut im Sommer durchzubringen und gemeinsam mit seinen Jungen im Spätsommer den Zug in sein tropisches Winterquartier anzutreten.

Wer den Bienenfresser einmal live beobachten möchte, sollte das nicht auf eigene Faust versuchen, sondern sich zu einer Führung anmelden. Bienenfresser-Experte Jörn Weiß bietet die beispielsweise in der Pfalz an.
Anfragen und Anmeldungen per E-Mail an joern_weiss@web.de