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SENDETERMIN Di, 2.6.2015 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

Bahnlärm im Mittelrheintal Wie geht es weiter in Sachen Lärmschutz?

Das Mittelrheintal: wunderschöne Natur und tolle Wanderwege. Aber leider auch das: höllisch laute Güterzüge. Wir haben mit Betroffenen und Experten über den Stand der Dinge in Sachen Lärmterror im Mittelrheintal gesprochen.

Die Natur im Mittelrheintal in Ruhe zu genießen, ist fast unmöglich. Die Menschen sind hier massivem Bahnlärm ausgesetzt, und das rund um die Uhr. 550 Züge rauschen hier täglich hindurch. Inzwischen bleiben auch die Touristen aus. Viele Restaurants und Hotels mussten bereits schließen.

rasender Zug, verschwommen

Im Fünf-Minuten-Takt ...

Die Lärmschutzmaßnahmen der Bahn gehen nur langsam voran, denn es fehlt am Geld. Und auch die Politik verweist auf die hohen Kosten. Die Anwohner fühlen sich von allen Seiten im Stich gelassen.

An Schlaf ist für viele nicht zu denken

Sie haben sich daher zu Initiativen zusammengeschlossen und halten regelmäßige Mahnwachen ab, wie beispielsweise kürzlich in Kamp-Bornhofen. "Bei uns schläft nachts kein Mensch mehr", sagt Klaus Backes. "Die Kinder gehen unausgeschlafen zur Schule, werden krank und unsere Häuser haben Risse."

Willi Pusch

Willi Pusch

Vor allem auf die Deutsche Bahn sind die Demonstranten sauer, denn die habe das Tempo der Züge in den letzten Jahren sogar noch erhöht. Eine andere Demonstrantin ist aus Augsburg angereist. "Wir sind vor Jahren aus St. Goar geflüchtet", erzählt sie. "Mit unserem Sohnemann und dem Bahnlärm war das nicht mehr auszuhalten."

"Wir haben hier Güterzüge, die - je nach Ladung - sogar bis zu 110 Dezibel laut sind", erklärt Willi Pusch, Vorsitzender der Bundesvereinigung gegen Schienenlärm. "Und genau diese Spitzenwerte machen die Menschen krank."

Bereits ab 45 Dezibel (db) ist eine Unterhaltung in normaler Lautstärke nicht mehr möglich. Zwischen 65 und 75 db gilt Lärm als Stressfaktor und ab 80 db wird das Gehör geschädigt. Güterzüge sind durchschnittlich etwa 90 db laut.

Dabei gibt es heutzutage mehrere Ansätze, den Bahnlärm zu reduzieren. Eine technische Entwicklung sind die so genannten Flüsterbremsen. Am einfachsten einzusetzen wären diese bei neuen, moderneren Waggons. Doch dafür fehle, so die Deutsche Bahn, zurzeit das Geld.

Daher sollen jetzt erst einmal bis zum Jahr 2020 die alten Waggons umgerüstet werden. Insgesamt 60.000 Güterwagen will sie bis dahin mit den neuen Flüsterbremsen ausstatten.

Flüsterbremse nah

Patentlösung Flüsterbremse?

Flüsterbremsen genügen nicht

Das Problem: Wenn ein Zug auch nur einen alten Waggon enthält, ist die Wirkung der Flüsterbremse gleich null. Um den Lärm im Mittelrheintal auf ein erträgliches Maß von etwa 20 Dezibel zu reduzieren, brauche es daher ein umfassendes Maßnahmenpaket, meint Willi Pusch. Dieses müsse neben den Bremsen auch Schienenschmieranlagen und Schienenabsorber gewährleisten.

Und es droht bereits neues Ungemach: Im Schweizer Gotthard-Massiv wird zurzeit ein Tunnel gebaut, der eine bessere Verbindung zwischen den Häfen von Rotterdam und Genua schaffen soll. Ab 2016 sollen dann 160 Güterzüge mehr durchs Mittelrheintal donnern.

Karte der Wasserstraßenverbindung zwischen Genau und Rotterdam mit Mainz und Koblenz

Nadelöhr Mittelrheintal

Experten prognostizieren, dass alle bisher getroffenen Lärmschutzmaßnahmen dann nicht mehr ausreichen werden. Die einzig verbleibende Lösung wäre eine weitläufige Umgehung des Mittelrheintals. Diese würde jedoch mehrere Milliarden kosten. Die Kämpfer gegen den Bahnlärm werden also wohl auch zukünftig noch einige dicke Bretter bohren müssen.