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Abrissgerätschaften und Arbeiter auf der Krone des Kühlturms

SENDETERMIN Di, 16.10.2018 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

"Atomkraft? - Nein danke!" Mülheim-Kärlich: Das Problemkraftwerk wird abgerissen

Dreißig Jahre ist es her, dass das Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich durch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes abgeschaltet werden musste und seitdem auch abgeschaltet blieb. Probleme gab's von Anfang an: Schon der Bau des Atomkraftwerks (AKW) Mülheim-Kärlich in den 1970ern stand unter einem schlechten Stern. Vor etwa 14 Jahren begann dann der Rückbau des einzigen Atommeilers in Rheinland-Pfalz. Jetzt wird es abgerissen.

Was tut sich beim Abbau des AKW Mülheim-Kärlich?

Seit vergangenen Juni geht es endlich dem Kühlturm an den Kragen. Jahrelang markierte er mit seinen über 150 Metern Höhe das Neuwieder Becken. Nur sechzehn Zentimeter stark ist die Haut vom Kühlturm des Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich. Trotzdem ist das harte Arbeit für den Abriss-Roboter und nicht ganz ungefährlich für die Arbeiter oben am Turm und unten am Boden.

Das Kernkraftwerk Mühlheim-Kärlich mit Kühlturm

Das ehemalige Kernkraftwerk in Mühlheim-Kärlich wird seit 2004 zurückgebaut

"Wir haben hier im Grunde genommen eine sehr gefährliche Baustelle", bestätigt Olaf Day, RWE-Projektmanager. "Zum einen sind die Gefahren dadurch bedingt, dass wir natürlich in der Höhe arbeiten. In 162 Metern sind wir gestartet, wir sind jetzt so fünf Meter tiefer." Die Arbeiter müssten dort oben sehr aufpassen, wohin sie treten und dass sie immer gesichert seien, erklärt er. Außerdem fielen "Kindskopf große Brocken" von oben herab. "Wenn die unten aufschlagen und würden eine Person treffen, würde es eine Riesenverletzung geben", befürchtet der Projektmanager.

Gut neunzig Prozent des hier anfallenden Bauschutts kann recycelt werden – ein Beitrag zur CO2-Reduzierung zum Beispiel bei der Betonherstellung.

Übrigens muss in der schwindelerregenden Höhe von 115 Metern der Abrissroboter auch betankt werden - ebenfalls ist nicht ganz ungefährlich, zumal die Arbeiter Wind und Wetter ausgesetzt sind.

Pleite-Kraftwerk "Mülheim-Kläglich"

Gleich zu Beginn des Abbruchs gab es mit dem Abrissroboter selbst ein Problem: Der Antrieb hatte nicht genug Leistung und für zirka sechs Wochen ging erstmal gar nichts. Ein Abriss wie dieser war und ist für alle Beteiligten Neuland. Doch auch in der Bauphase Mitte der 70er Jahre kam es bereits immer wieder zu Unterbrechungen. Denn es hagelte Klagen gegen das umstrittene Kraftwerk. Trotzdem wurde der Reaktor fertig gestellt und ging 1986 in Betrieb. Doch nur zwei Jahre später entzog das Bundesverwaltungsgericht dem Kernkraftwerk die Betriebsgenehmigung. Es musste sofort abgeschaltet werden.

ein Demonstrationszug durch die Koblenzer Innenstadt mit einem Transparent

Am 26.04.1997 demonstrierten rund 600 Atomkraftgegner in Koblenz gegen eine mögliche Wiederinbetriebnahme des Kernkraftwerkes Mühlheim-Kärlich.

Ursprünglich sollte der Koloss Ende 2018 aus dem Neuwieder Becken verschwunden sein. Das wird aber wohl nicht mehr klappen. Trotzdem läuft der Abriss auf Hochtouren. "Mülheim-Kläglich" – so hieß die Problemruine im Volksmund - verschwindet jetzt als Symbol einer veralteten Technologie Stück für Stück. Nach jahrelangem Hin und Her scheint auch diese schier unendliche Geschichte so langsam zu einem Schluss zu kommen.