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Artenschutz im Südwesten Zoos sichern biologische Vielfalt

Jahr für Jahr strömen Millionen Besucher in Zoologische Gärten, um wilde Tiere aus der Nähe erleben zu können. Die Zoos fördern zudem auch den Artenschutz in freier Wildbahn.

Gänsegeier mit ausgebreiteten Schwingen

Gänsegeier gehörten bis ins 19. Jahrhundert zur normalen Fauna der Schwäbischen Alb.

In Landau in der Pfalz treffen sich vom 14. bis 17. Juni über hundert Direktoren führender deutschsprachiger Zoos zur Jahrestagung des Verbands der Zoologischen Gärten (VdZ).

Der Zooverband will nicht nur mit Tiererlebnissen begeistern, er hat sich auch den Erhalt der biologischen Vielfalt auf die Fahnen geschrieben. Die Zoos fühlen sich verantwortlich für eine intakte Natur auch außerhalb der Tierparks.


Was Gänsegeier oder Gorillas vom Artenschutz im Zoo haben

Gänsegeier sind Artenschutz-Promis ohne jegliche Star-Allüren. Mit typisch gekrümmtem Hals hocken mehrere von ihnen im Stuttgarter Zoo Wilhelma auf einem dicken Ast. Um die Besucher vor der Voliere scheinen sich die eindrucksvollen Vögel nicht weiter zu scheren. Dabei spielen sie für den Artenschutz der Wilhelma eine besondere Rolle. Seit einigen Jahren wildert der Zoo gemeinsam mit anderen Nachzucht-Stationen einzelne junge Gänsegeier in Bulgarien aus. Dort galt die Art schon beinahe als verloren.

Am Zielort bringt man die Gänsegeier erst einmal in Volieren unter. Von dort aus können sie zunächst die wildlebenden Geier und deren Verhalten beobachten. So sehen sie zum Beispiel, wie diese jagen. Nach einer Weile werden sie mit einem Sender versehen und ausgewildert. Dadurch hat man Kontrolle über ihren Verbleib. Schon jetzt zeigen sich Erfolge: Die Bestände stabilisieren sich und werden größer. Das Projekt ist erst dann abgeschlossen, wenn genug Tiere ausgewildert sind und der Bestand stabil bleibt.

Ohne Zoos wären viele Arten bereits ausgestorben

Eine Säbelantilope im Stuttgarter Zoo Wilhelma

Auch Oryx-Antilopen werden in Stuttgart nachgezüchtet.

Die Wilhelma hat auch schon eine ganze Reihe anderer Auswilderungsprojekte mit eigenen Nachzuchten unterstützt. Zum Beispiel gingen Seeadler nach Irland, Steinböcke nach Österreich oder Auerhühner in den Schwarzwald. Einige Arten wären ohne die Zucht in Zoos ganz ausgestorben - etwa der Wisent oder die Arabische Oryx-Antilope. Für sie waren die Zoos eine Art Arche.

Thomas Kölpin, Zoodirektor der Wilhelma, spricht von "Reserve-Populationen" in Zoos. Deutlich wird dies am Beispiel Nashorn: Dem Pulver aus dem Horn des Tiers werden in Asien besondere Heilkräfte zugesprochen. Wilderer können deshalb mit dem Horn Höchstpreise erzielen, wie Thomas Kölpin erläutert:

"Derzeit werden zwischen 60.000 und 100.000 US-Dollar für ein Kilogramm geriebenes Nashorn-Pulver bezahlt. Selbst in den Nationalparks werden die Tiere gewildert. Insofern ist es wichtig, dass wir diese Reserve-Populationen haben. Denn wenn ein so großer Druck auf ihre natürliche Population besteht, sind die Tiere ansonsten kaum vor dem Aussterben zu bewahren."

Schutz in den Herkunftsländern unentbehrlich

Zoos arbeiten international zusammen, um Nashörner - aber auch andere Arten - gezielt zu züchten und zu erhalten. Doch die Reserve-Populationen in den Zoos können den Artenschutz in der Fläche nicht ersetzen. Darum bemühen sich Zoos wie die Wilhelma gleichzeitig, gefährdete Arten in ihren Herkunftsländern zu schützen.

Gorillas und Wildkatzen - Botschafter für den Tierschutz

Berggorilla im Virunga-Nationalpark

Ein Berggorilla im "Senkwekwe"-Zentrum, einem Waisenhaus für Menschenaffen im Virunga-Nationalpark

Beispielhaft hierfür ist ein Projekt im Virunga-Nationalpark in Zentralafrika. Dort werden immer wieder Gorillas gewildert. Dank speziell ausgebildeter Bluthunde können die Wilderer jedoch aufgespürt und überführt werden. "Diese Hundestaffel statten wir mit Geld aus, damit sie sich Fahrzeuge leisten, passende Hundezwinger bauen und die Ranger mit Materialien ausstatten kann", so Thomas Kölpin.

Das Geld dafür stammt aus Fundraising Aktionen. Als Botschafter ihrer Art können Gorillas oder Raubkatzen in Zoos wie der Wilhelma die Besucher davon überzeugen, wie wichtig der Schutz von Arten und Lebensräumen ist.

Stefanie Peyk, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Stefan Heinz, Heidi Keller