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Sendung am 24. September 2013 Artenfrevel für die Bratpfanne

Vogeljagd am Mittelmeer

Tierschützer Willi Schuppert aus Lambrecht in der Pfalz kämpft gegen den Vogelmord - jedes Jahr: Er reißt Netze ein, zerstört Fallen – überall am Mittelmeer. Eine gefährliche Mission: Er riskiert dabei nicht selten sein Leben. Aggressiv verteidigen die Jäger überall ihre Singvogeljagd. Doch Willi Schuppert aus Lambrecht macht weiter: "Und da bin ich echt mit Leib und Seele dabei, weil – wenn man dieses Leid und Elend sieht, dann hat man auch eine Verpflichtung etwas zu tun, etwas zu unternehmen."

Etwas unternehmen – das würden viele gerne auch in Ägypten. Dort gibt es Fangnetze am Mittelmeer – auf 700 Kilometern. Vor kurzem hat ein ARD-Bericht aus dem Krisenland das Elend der Singvögel bekannt gemacht. Geschützte Vögel wie wilde Wachteln oder der seltene Neuntöter sind dort Handelsware für die Kochtöpfe in Restaurants. Manche Zahlen sprechen von über hundert Millionen getöteten Vögeln pro Jahr. Hier könnte Willi Schuppert gar nicht helfen. Als Mitglied beim Komitee gegen den Vogelmord beteiligt er sich nur an legalen Aktionen. Das wäre in Ägypten nicht möglich und außerdem wäre es lebensgefährlich.
Einer der Gründe, warum der Nabu den politischen Weg sucht, den illegalen Vogelfang in Ägypten zu stoppen. Mit einer Internet-Petition, will der Nabu bei der ägyptischen Regierung Druck machen.

Ob geschützt oder nicht - in den Mittelmeerländern interessiert die Vogeljäger gar nicht, was sie da fangen und töten. Ist der Vogelfang in Ägypten tatsächlich eine Bedrohung für unsere einheimischen Singvögel? Davon geht die Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland in Frankfurt aus, denn ein großer Teil der gefangenen Vögel gehört zu Arten, die bei uns in Rheinland-Pfalz sehr selten, oder sogar fast ausgestorben sind und in ganz Europa durch die Europäische Vogelschutzrichtlinie geschützt werden. Dazu gehören der Pirol, der Neuntöter oder östlich ziehende Blauracken.

Aber auch die Jagd auf Singvögel in Europa auf tausenden von Kilometern zwischen Zypern und Gibraltar hat immer noch gigantische Ausmaße. Tradition und Jagdtrieb lassen den europäischen Vogelschutz vielerorts ins Leere laufen. Singvögel werden sogar bei uns in der EU in Massen illegal getötet und gegessen.
Hier hat Willi Schuppert zwar die Polizei auf seiner Seite – aber gegen einen Mob von 30 Vogeljägern kommt ein einzelner Polizist nicht wirklich an. Deshalb wird Willi Schuppert bei seiner letzten Aktion in Frankreich verprügelt, mit Schweineurin übergossen, seine Kamera wird zerstört und sein Laptop aus dem Auto gestohlen.

Alexander Heyd, Geschäftsführer beim Komitee gegen den Vogelmord, wertet die Aktion in Frankreich trotz des Widerstandes als Erfolg. Denn endlich wird in Frankreich die Vogeljagd öffentlich diskutiert und klar gemacht, dass die Singvogeljagd illegal ist. Er weiß aber auch aus Erfahrung, dass es seine Zeit dauert, bis Traditionen aufgegeben werden. In Frankreich arbeitet das Komitee erst seit drei Jahren. In Italien hat die Arbeit des Komitees inzwischen vielerorts zu einer Abnahme des Singvogelfangs geführt. Wenn Wilderer immer wieder durch Aktionen gestört, mit Hilfe des Komitees von der Polizei festgenommen und zu Bußgeldern verurteilt werden, dann verlieren sie die Lust an der Vogeljagd.