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Sendung vom 09.04.2013 Einige Gründe, weniger Fleisch zu essen

7:50 min | Di, 9.4.2013 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen RP

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Einige Gründe, weniger Fleisch zu essen

Fleisch sieht lecker aus, riecht und schmeckt lecker - für die meisten von uns. Wir haben schon immer Fleisch gegessen und auch heute gehört es zur Ernährung einfach dazu. Was aber, wenn sich unsere Ernährungswelt geändert hat und wir unseren Planeten mittlerweile durch unseren Konsum gefährden?

Man muss kein Veganer oder Vegetarier sein, um zu verstehen, das Fleischkonsum ein Problem darstellen kann: Mit mehr als 60 Kilogramm im Jahr essen wir in Deutschland doppelt so viel Fleisch wie die Menschen in Entwicklungsländern. Jeder Deutsche isst in seinem Leben demnach im Durchschnitt 1100 Tiere: 4 Rinder, 46 Schweine, 4 Schafe, 46 Puten, 12 Gänse, 37 Enten und 945 Hühner. Zum Vergleich: In den ärmsten Ländern der Welt liegt der Fleischverzehr bei unter 10 Kilogramm im Jahr.

Auf fast zwei Drittel unserer Agrarflächen erzeugen wir mittlerweile Futtermittel und: Wir erzeugen auch etwa 17 Prozent mehr Fleisch als wir verzehren. Die globalen Zusammenhänge der Fleischerzeugung hat ein „Fleischatlas“ zusammengefasst und aufgezeigt. Herausgegeben wurde er vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, der Heinrich Böll Stiftung und dem Le Monde Diplomatique.

Darüber hinaus, zeigt die Medienlandschaft, dass die Branche alle Jahre wieder von Skandalen geschüttelt wird. Kein Wunder, denn Massentierhaltung ist das Einzige, was sich bezahlt macht, wenn man Unmengen an Fleisch liefern muss.

Da beißen sich Schweine schon mal die Schwänze ab, Puten können kaum noch aufrecht stehen, Rinder haben Euter- und Hinterlaufsverletzungen, Gänse vom Stopfen verletzte Speiseröhren, Kaninchen Wirbelsäulenverkrümmungen und, und, und. Bakterien werden resistent durch Antibiotika in der Tiernahrung.

Mit Folgen für uns Menschen: 25.000 Tote – Menschen wohlgemerkt – sollen es pro Jahr sein, weil Antibiotika nicht mehr wirken. Um Futtermittel, etwa genveränderten Mais oder Soja herzustellen, werden in Südamerika Urwälder gerodet und jede Menge Pflanzen und Insektengifte versprüht. Wegen dem vielen Tierfutter und damit unser Mastvieh schneller wächst, werden keine Nahrungsmittel für die arme Bevölkerung angebaut.

Soweit, so schlecht. Aber bringt das den Planeten in Gefahr? Fest steht: Der Schaden, den wir uns selbst und unseren Monokultur geplagten Böden zufügen, ist erheblich. Und es kommt noch ein Aspekt hinzu: Alle Wiederkäuer produzieren Methan. Wissenschaftler haben genau gemessen, wie viel Umweltgift ein Rind erzeugt. Ergebnis: Eine mittlere Herde produziert so viel, dass ein Auto 300.000 Kilometer fahren muss, um auf die gleiche Menge zu kommen.

Bei Milliarden von Rindern kommt da etwas zusammen. Von BSE, Schweinepest, Nitrofen im Geflügel, Hormonen im Fleisch, Gammelfleisch und vielem Anderem haben wir dabei noch gar nicht gesprochen. Und auch nicht davon, dass die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, pro Woche nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch zu verzehren, wenn möglich fettarmes. Um nicht falsch verstanden zu werden: Gegen eine gute Fleischmahlzeit pro Woche ist überhaupt nichts zu sagen: Allerdings von Tieren, die nicht in Legebatterien gequält, nicht in Massenställen eingepfercht und, nicht mit Medikamenten vollgestopft sind. Da kann das Fleisch sogar teurer sein, weil man ja erheblich weniger verzehrt

Seite zum Fleischatlas des BUND
www.bund.net/fleischatlas
Seite zum Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung
www.boell.de/fleischatlas
Initiative des Umweltministeriums
www.rheinland-pfalz-isst-besser.de