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Es ist noch lange nicht vorbei Gefährliche PCB-Fugen

PCB ist eines der gefährlichsten Gifte der Welt. Vor dem Verbot 1989 wurde es 30 Jahre lang in Gebäuden vor allem als Fugendichtung verbaut. Alle betroffenen Schulen, Kitas, Verwaltungsgebäude und Krankenhäuser müssten geprüft und viele saniert werden. Was plant das Land Rheinland-Pfalz in Sachen PCB?

7:51 min | Di, 12.11.2013 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen RP

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Gefährliche PCB-Fugen

PCB ist eines der gefährlichsten Gifte der Welt. Vor dem Verbot 1989 wurde es 30 Jahre lang in Gebäuden vor allem als Fugendichtung verbaut. Alle betroffenen Schulen, Kitas, Verwaltungsgebäude und Krankenhäuser müssten geprüft und viele saniert werden. Was plant das Land Rheinland-Pfalz in Sachen PCB?

In der Gesamtschule in Hermeskeil bei Trier ging noch bis vor zwei Jahren die Angst um. Unglaublich hohe PCB-Werte wurden im Blut der Betroffenen gefunden. Ein Gift, das man weder sehen, riechen noch schmecken kann, war überall. Die Schule wurde saniert, mit dem Gift verseuchte Baumaterialien und Fugendichtungen beseitigt. Jahrelang konnten viele Räume nicht betreten werden. Erst nach fünf Jahren und 17 Millionen Euro Kosten ist das Problem behoben. Zu spät für den damaligen Schulleiter. Er ist gestorben. Mit Schuld an seiner Krankheit - das PCB im Gebäude, davon war er überzeugt.

Hermeskeil ist kein Einzelfall: PCB-verseuchte Baumaterialien werden bundesweit in vielen öffentlichen Gebäuden vermutet - in mindestens 15.000 Schulen bundesweit und in mehr als 500 Schulen in Rheinland-Pfalz. Eine tickende Zeitbombe. Doch Sanierungsteams sieht man sehr selten, obwohl das PCB-Problem dringend gelöst werden müsste. Der Dachverband der deutschen Umweltorganisationen - DNR - fordert endlich systematisches Handeln. Alle Gebäude aus den Baujahren 1960 bis 1990 müssten aufgelistet und nach PCB-Gefahren durchforstet werden. Dann müsse ein Sanierungsplan folgen. Nicht zuletzt, weil die Weltgesundheitsorganisation (WHO) PCB in die höchste Gefahrenstufe für Krebserkrankungen eingeordnet hat. Dioxin-PCB gehört zu den gefährlichsten Chemikalien der Welt. Sie können schwere Gesundheitsstörungen wie Krebs, Nervenerkrankungen und Fortpflanzungsstörungen hervorrufen. Sie wirken schon in sehr geringen Konzentrationen, die sich in unserem Körper Tag für Tag ansammeln und dann in der Lage sind, schwere Krankheiten zu verursachen.

Sanierungen wären also dringend nötig, aber sie bedeuten gigantische Kosten. In Nordrhein-Westfalen hat sich diesen Sommer der Landtag mit PCB beschäftigt und die Kommunen zum Handeln aufgefordert. Aktuell wurde die Drei-Königen-Schule in Neuss geräumt. Doch auch hier werden nur Einzelfälle angepackt.
Manfred Etscheid hat auch die kranken Lehrer in Hermeskeil betreut. Er wundert sich, dass man aus den vergangenen Erfahrungen nichts gelernt hat.

Fuge

Fuge

Im rheinland-pfälzischen Landtag hat man sich seit der Sanierung der Hermeskeiler Schule nicht mehr mit dem Thema beschäftigt.
Wir haben die rheinland-pfälzische Regierung und die Ministerien gefragt, wie sie mit dem PCB-Problem umgehen wollen. Doch man schiebt die Verantwortung hin und her - keiner fühlt sich richtig zuständig.

Beim Landesbetrieb Bau erfahren wir zumindest, wie man mit einem Teil der Gebäude umgeht – obwohl man gerade für die Schulen nicht zuständig ist: „Also, das, was wir gemacht haben ist als erstes einmal die Gebäude zu untersuchen, die einer entsprechenden Gefährdung unterliegen, danach sind wir seit 1990 dabei, dass immer, wenn wir ein Gebäude anfassen – sei es ein Umbau, sei es eine Schönheitsreparatur auch immer eine Schadstoffmessung machen.“ Aktives PCB-Management sieht anders aus. Die Landesregierung sieht – jedenfalls derzeit - noch keinen Handlungsbedarf – es gebe „keine akute PCB-Problematik“, so der Finanzminister in einer schriftlichen Stellungnahme.

Einziger Lichtblick – die Stadt Trier. Nach Insider-Informationen durchforstet man dort aktuell die 400 städtischen Gebäude nach möglichen Schadstoffbelastungen unter anderem nach PCB. Zumindest hier will man nicht warten bis das nächste Mal Betroffene krank werden und sich wehren – wie damals vor acht Jahren im Trierer Polizeipräsidium, das nach seiner PCB-Sanierung bis heute fast vollständig leer steht.

Dr. Gies

Dr. Andreas Gies

Dr. Andreas Gies vom Umweltbundesamt fordert, dass alle PCB belasteten Gebäude saniert werden müssen. Das ist sehr teuer. PCB in einem Gebäude setzt sich auch in umgebenden Materialien fest. Oft müssen Gebäude komplett auseinander genommen werden. Und selbst nach Abschluss der Arbeiten kann die Belastung noch so hoch sein, dass die Gebäude abgerissen werden müssen. Aber wenn man die Gesundheit der Menschen, die in solchen Gebäuden leben und arbeiten, schützen will, müssen diese Kosten geschultert werden. Versuche, die Herstellerkonzerne der chemischen Stoffe an den Kosten der Schadensbehebung zu beteiligen, seien in anderen Fällen schon gescheitert. Wahrscheinlich werden die Ausgaben am Steuerzahler hängen bleiben.

Ansprechpartner:
Netzwerk schadstoffgeschädigter LehrerInnen
Manfred Etscheid
Tel: 0221/2941774
E-Mail: metscheid@web.de