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Sendung vom 10. Dezember 2013 Wald versus Wiese

Ersatzaufforstungen werden in Rheinland-Pfalz zur Ausnahme

8:42 min | Di, 10.12.2013 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen RP

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Wald versus Wiese

SWR

Werden Wälder vom Menschen vernichtet, zum Beispiel aufgrund von Baumaßnahmen, muß für Ersatz gesorgt werden. Rheinland-Pfalz möchte solche Ersatzaufforstungen künftig allerdings nur noch in Ausnahmefällen zulassen – um artenreiches Grünland zu schützen. Die Pläne sorgen bei vielen für Unmut.



waldreiches RP

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Nirgendwo in Deutschland gibt es soviel Wald wie in Rheinland-Pfalz: 42 Prozent der Landesfläche. Das ist dreimal so viel wie die bebaute Fläche – und sogar ein bisschen mehr als der Anteil der Landwirtschaft. Prima Sache, könnte man denken. Wald ist schließlich = Natur. Und deshalb muss, wer etwa einen Windpark in den Wald baut und dafür Bäume fällt, woanders Ersatz schaffen. Also neuen Wald anpflanzen. Klingt erst mal gut, hat aber einen Haken. Denn wo sollen die neuen Bäume wachsen? Geht eigentlich nur auf ungenutztem Grünland, zu deutsch: auf Wiesen. Doch die sind mindestens ebenso sehr Natur wie der Wald, mehr noch: Auf Wiesen herrscht große Artenvielfalt, gerade auch an seltenen Tieren und Pflanzen. Wird die Wiese zum Wald, verschwinden diese wertvollen Arten. Und deshalb zieht das Mainzer Umweltministerium jetzt die Notbremse. Eine Ersatzaufforstung soll es künftig nicht mehr geben. Um die Wiesen zu schützen. In nahezu waldlosen Landstrichen wie Rheinhessen soll auch künftig aufgeforstet werden. Doch in großen Teilen des Landes steht genug Wald, meint das Ministerium. Da sehen Kritiker das Prinzip nachhaltiger Forstwirtschaft in Gefahr.


Ersatzaufforstung

Ersatzaufforstung

Der Vorwurf: Erst lassen grüne Politiker zu, dass Wald für Windparks gerodet wird – und jetzt wollen sie nicht mal Ersatz schaffen!! Doch von welcher Größenordnung reden wir eigentlich? 2012 waren es umgerechnet gerade mal 49 Fußballfelder Ersatzaufforstungsfläche. Eine Kleinigkeit – verglichen mit dem Wiesenverbrauch durch Bauprojekte und Landwirtschaft. Der BUND fordert deshalb ganz andere Maßnahmen zum Grünlandschutz. Einen Stop der sog. „Vermaisung“ der Landschaft, ein Grünlandumbruchsverbot und, analog zum Wassercent, einen „Bodencent“ – eine Zwangsabgabe auf Flächenversiegelung. Für viele Investoren, vor allem aber für viele Landwirte klingen solche Forderungen bedrohlich. Denn noch immer „vermaisen“ sie das Land, brechen Wiesen um – zu Äckern für Energiepflanzen. Und das ist für die Artenvielfalt weitaus schlimmer als ein bisschen neuer Wald, denn Maisplantagen sind Wüsten.

Lebensraum Wiese

Lebensraum Wiese

Nicht überall ist man so weit wie in Kleinfischlingen in der Pfalz, wo sich die Bürger darauf verständigt haben, landwirtschaftliche Flächen nicht länger zu nutzen – und neue Wiesen anzulegen. Das Ergebnis: Ein Tier- und Pflanzenparadies. Doch in der Tat: Auf Waldersatz künftig zu verzichten, ist nur ein kleiner und keineswegs entscheidender Schritt auf dem Weg zum Wiesenschutz. Das sieht auch das Umweltministerium in Mainz so. 2014 tritt eine Verordnung in kraft, die EU-Vorgaben umsetzt; danach wird jeder Grünlandumbruch genehmigungspflichtig, de facto also das geforderte Umbruchsverbot umgesetzt sein. Und auch den „Bodencent“ haben die Mainzer unter dem Stichwort „Versiegelungsabgabe“ schon ins Gespräch gebracht – auf Bundesebene, denn diese Neuerung setzt eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes voraus.

Und der Wald? Auch ohne Ersatzaufforstung wuchert er uns längst über den Kopf, denn: Alle drei Sekunden wächst in Rheinland-Pfalz ein Kubikmeter Holz nach. Das sind 1200 20-Meter Bäume pro Stunde, 30 000 jeden Tag. Kann man da wirklich noch fragen: Wie viel Wald brauchen wir? Im Sinne des Artenschutzes sollte man eher fragen: Welchen Wald brauchen wir? Naturnaher Waldumbau ist wichtiger als Aufforstung. Qualität, nicht Quantität ist das Gebot der Stunde.

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