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Sendung vom 4. Februar 2014 Giftige Altlasten

Deponie Flotzgrün bedroht Speyerer Trinkwasser

9:22 min | Di, 4.2.2014 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen RP

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Deponie Flotzgrün bedroht Speyerer Trinkwasser

Idyllisch liegt die Insel Flotzgrün im Rhein bei Speyer. Doch sie ist ein echtes Problem für die Natur und die Menschen. Denn auf ihr liegt die größte Sondermülldeponie in Rheinland-Pfalz. 1966 wurde sie von der BASF in Betrieb genommen. Auf dem Gelände lagert ein gigantischer Cocktail an gefährlichen Substanzen aus der Industrie, die womöglich unkontrolliert in den Rhein und sogar ins Trinkwasser gelangen.

Romantisch begrenzt der Berghäuser Altrheinarm die 340 Hektar große Rheininsel Flotzgrün. Die Gegend ist ein wertvolles europäisches Vogel- und Naturschutzgebiet. Doch mitten auf der Insel ragt ein 40 Meter hoher Berg in den Himmel – ein Berg aus Industriemüll. Schon in den 60er Jahren kaufte die BASF die Insel.Seitdem ist sie der „Mülleimer“ des Chemie-Riesen. Hier landet so ziemlich alles: gefährliche Produktionsabfälle, kontaminierter Bauschutt aus Kriegszeiten, giftige Klärschlämme mit Schwermetallen und selbst die Abfälle des Dioxinunfalls aus den 50er Jahren.

Blick auf die Deponie

Blick auf die Deponie

Bis heute wurden auf der Insel etwa 13 Millionen Tonnen Material abgelagert und täglich kommt mehr dazu. Deshalb wird zur Zeit bereits der achte von zehn Deponie-Abschnitten auf dem 80 Hektar großen Gelände eingerichtet. Mittlerweile wird der Müll zwar sicher und nach neuester Technik gelagert – auch mit undurchdringbaren Abdichtungen nach unten – doch in den ersten fünf Abschnitten war das nicht so. Und das ist das Problem. Denn die giftigen Wässer aus den alten Abschnitten sickern unkontrolliert in den Untergrund. Naturschützer vom BUND sprechen von einem regelrechten „chemischen Zoo“, der sich sogar in 40 bis 50 Meter Tiefe ausbreite. So haben Messungen in dieser Tiefe angeblich Ergebnisse geliefert, die die normalen Schadstoff-Grenzwerte um das bis zu 10.000fache übersteigen.

Brunnen

Brunnen

Die BASF weiß schon lange von der Problematik der Altlasten und hat reagiert. 13.000 Kubikmeter verseuchtes Wasser werden jedes Jahr abgepumpt und in die BASF-Kläranlage gebracht. Unter Fachleuten wird auch von sogenannte Abschirm- oder Sanierungsbrunnen gesprochen. Doch vor zwei Jahren wurden die ersten Giftstoffe auch hinter diesen Abschirmbrunnen entdeckt – in 70 Metern Tiefe. Während die Überwachungsbehörde in Neustadt, die SGD Süd, darin weder ein Problem noch Handlungsbedarf sieht, machen sich nicht nur die Naturschützer große Sorgen. Auch die Speyerer Stadtwerke sind beunruhigt, denn nur ein Kilometer entfernt liegt bereits der erste Trinkwasserbrunnen der Stadt. Die Verantwortlichen fordern den Schutz des Trinkwasser-Reservoirs. Doch wie unrealistisch das ist, zeigt die Tatsache, dass mittlerweile bereits zwei Drittel des Trinkwassers aus alternativen Brunnen bezogen wird.

Deponie

Deponie

Um das Problem der giftigen Altlasten auf der Deponie Flotzgrün wirklich in den Griff zu bekommen, so Naturschützer des BUND, müsse man die Giftstoffe vollständig ausgraben und die betreffenden Deponieabschnitte „auskoffern“. Das aber würde gigantische Millionen-Summen kosten und noch nicht einmal mit Sicherheit zum Erfolg führen. Kein Wunder also, dass die BASF nicht bereit dazu ist, obwohl ähnliche Lösungen z.B. in der Schweiz bereits mit Erfolg durchgeführt worden sind. Auch Böhringer Ingelheim hat gerade einen dreistelligen Millionenbetrag in die Hand genommen, um eine Deponie vollständig und sicher zu sanieren. Dass die BASF dies auch auf der Insel Flotzgrün tun wird, ist höchst unwahrscheinlich. Deshalb wird die Giftmüll-Deponie wohl noch lange Zeit ihre Umgebung verseuchen – in der Hoffnung, dass die Natur das Problem alleine regele und das Rheinwasser die Gifte einfach wegwasche. Für die Ewigkeit aber kann das keine Lösung sein.