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SENDETERMIN Di, 18.9.2018 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen

Anfangs belächelt, jetzt ausgezeichnet Bester Bio-Hofladen Deutschlands

Der Albertshof ist ihr Leben. Kerstin und Peter Doppstadt sind Biobauern aus Überzeugung. Für ihren Hofladen wurden sie ausgezeichnet - als bester Deutschlands.

Die Kühe warten schon unruhig. Nach dem Melken möchten sie nun endlich raus auf die Wiese. Für Peter und Kerstin Doppstadt ein tägliches Schauspiel. Sie bewirtschaften den Albertshof bei Rennerod. Auf dem im Westerwald gelegene Biobauernhof gibt es für die Doppstadts viel zu tun: Außer den 250 Milchkühen müssen sie ihre Rinder, Kälber, Hühner und Gänse versorgen. "Das hier kann man nur leben, wenn man davon überzeugt ist", sagt Kerstin Doppstadt. Oft ist sie und ihr Mann 14 Stunden auf den Beinen. Doch sie lieben ihren Job und machen ihn aus Überzeugung.

Bio-Pioniere im Westerwald

Peter Doppstadt

Peter Doppstadt war im Westerwald einer der ersten Biobauern.

Der Albersthof war einer der ersten Biohöfe im Westerwald. Als Peter Doppstadt 1988 sich dem Biolandverband anschloss, belächelten ihn manche Bauern. Doch das machte ihm nichts aus. Darin haben sicher auch seine Freunde großen Anteil: Sie machten ihn erst auf die ökologische Landwirtschaft aufmerksam. Wenn Peter Doppstadt heute auf seine Weide mit den Kühen blickt, ist er glücklich: "Die Kühe können sich frei bewegen und sind an der frischen Luft."

Nach der Bio-Umstellung setzte der Albertshof auf Direktvermarktung. Alles was auf dem Hof produzierte wurde, ging direkt an den Kunden. Das war vor allem Fleisch, frische Milch und Eier. 1993 eröffnete Peter Doppstadt zum ersten Mal seinen Biohofladen. Damals war alles noch ein bisschen improvisiert und deutlicher kleiner als heute und es gab ausschließlich Produkte direkt vom Hof. Später kamen dann die Milchprodukte der Molkerei hinzu, an die der Albertshof seine Milch liefert.

Auszeichnung für den Hofladen

Kerstin Doppstadt

Ehefrau Kerstin kümmert sich unter anderem um den Hofladen.

2006 begann für den Hofladen ein weiterer neuer Abschnitt. Ehefrau Kerstin Doppstadt übernahm die Verantwortung, wollte ihn professioneller machen. Schnell wuchs der Laden um das Doppelte: Der Hofladen wurde bekannt und die Nachfragen nach einem breiteren Sortiment wurden häufiger. Heute ist der Laden fast 100 Quadratmeter groß und hat mehr als 3000 verschiedene Produkte aus dem Öko- und Biobereich im Angebot. Allein 60 Gemüse- und Obstsorten stehen im Regal. Das kommt bei den Kunden an. Von den Lesern eines Naturkostmagazins wurde er nun 2016 als bester Biohofladen Deutschlands ausgezeichnet. Das macht Kerstin Doppstadt stolz: "Dieser Preis ist ein Gemeinschaftserfolg", sagt sie. Es sei ein Preis für ihre Mitarbeiter und für den ganzen Betrieb.

Bauernhof als Lernort für Kinder

Kleines Mädchen streichelt ein junges Kalb

Für Kinder und Jugendliche sind die Türen geöffnet.

Trotz des großen Erfolgs des Hofladens sind noch immer die Milchkühe das wichtigste Standbein. Der Albersthof ist breit aufgestellt. Eine weitere Einnahmequelle gibt es seit 2006 als der Hof zum ersten Mal seine Türen für Kinder und Jugendliche öffnete: Kerstin Doppstadt ist gelernte Pädagogin und bietet Führungen und Seminare an. Hier erfährt der Nachwuchs ganz praktisch, was es bedeutet, Landwirt zu sein. Anpacken, fühlen, schmecken, riechen – und den Tiere auch mal ganz nah sein können. Für Kerstin Doppstadt ist das ein ganz wichtiger Bestandteil der Hofphilosophie.

Ohne Marketing geht nichts

In den letzten Jahrzehnten ist der Albertshof nach und nach gewachsen. Doch mit dem stetigen Wachstum ist nun erst einmal Schluss: "Wir für uns haben unsere Ziele jetzt erreicht", sagt Peter Doppstadt. Jetzt gehe es nur noch um kleine Verbesserungen. Das betrifft vor allem das Marketing. Es wird für den Albertshof immer wichtiger, was die Ehefrau bedauert: "Das kostet uns leider natürlich sehr viel Zeit." Doch ohne Werbung könne der Albertshof auf Dauer nicht überleben: "Es ist schön, dass es uns hier gibt, aber wenn die Kunden das nicht wissen, dann bringt das wenig."

Seit 2015 erhält der Bauernhof nochmal mehr Aufmerksamkeit: Der Albertshof wurde damals vom Landwirtschaftsministerium zum Demonstrationsbetrieb benannt. Seitdem steht der Hof nicht nur Schülern und Kindergartenkindern offen, auch Erwachsene dürfen hinter die Kulissen schauen.

In Zukunft möchten die Doppstadts ihren Hof noch bekannter machen. Auch rund um den Hofladen gibt es noch Pläne. Ein kleines Hofcafé ist ein Herzenswunsch von Kerstin Doppstadt "Wir wollen hier auch ein sozialer Treffpunkt für Kunden sein, die nicht nur zum Einkaufen kommen."

Hintergrund: Was ist ein Demonstrationsbetrieb?
Fast 23.000 Biobetriebe gibt es in Deutschland. 243 wurden bisher vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zum Demonstrationsbetrieb ernannt. Diese öffnen ihre Türen für alle Interessierten. Für Verbraucher werden Führungen und Seminare angeboten. Auch andere Bauern dürfen hinter die Kulissen schauen. Außerdem werden die Demonstrationsbetriebe regelmäßig von Schulklassen, Kindergartenkindern und Unternehmen besucht. In Rheinland-Pfalz gibt es derzeit 24 Demonstrationsbetriebe, in Baden-Württemberg 38.

aus der Sendung vom

Di, 18.9.2018 | 18:15 Uhr

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