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Afrikanische Schweinepest eindämmen Millionen Wildschweine töten ist unrealistisch

Die Afrikanische Schweinepest soll nicht nach Deutschland kommen. Deswegen fordert der Bauernverband: Viele Tiere sollen abgeschossen werden. Wir klären, warum das utopisch ist.

Sind auch Feinschmecker: Wildschweine

Mit Afrikanischer Schweinepest infizierte Wildschweine leben etwa in Russland.

Der Bauernverband fordert: 70 Prozent der Wildschweine in Deutschland sollen abgeschossen werden. Die Theorie dahinter: Je weniger Schweine, desto kleiner die Gefahr, dass sich die Afrikanische Schweinepest von Osteuropa nach Deutschland ausbreitet. Kritiker bezweifeln aber, dass dies der richtige Weg ist.

Fragen an Petra Haubner, SWR Umwelt und Ernährung

70 Prozent der Wildschweine abschießen - ist das realistisch?

Ein Jäger sammelt nach einer Treibjagd erlegte Wildschweine ein

Kritiker halten es für unrealistisch, Millionen Wildschweine erlegen zu wollen.

In einem Wort: Nein. Niemand weiß genau, wie viele Wildsäue in Deutschland unterwegs sind. Wildschweine sind Meister der Tarnung und deswegen schwer zu erfassen. Deswegen ist diese Zahl utopisch und eine so große Abschussrate nicht sinnvoll.

Christian Kirch, Vorsitzender des Ökologischen Jagdverbandes Baden-Württemberg, sagt, 70 Prozent der Wildschweine zu töten, sei, so als ob man fordern würde, 70 Prozent des Fischbestandes im Rhein zu töten.

Wie können wir verhindern, dass sich die Krankheit bis nach Deutschland verbreitet?

Wildschweine

Wildschweine aus Osteuropa wandern normalerweise nicht bis nach Deutschland.

Das Problem sind weniger die Tiere, als die Menschen. Etwa Urlauber oder Berufspendler können die Krankheit ins Land einschleppen, indem sie infiziertes Fleisch nach Deutschland bringen. Wir müssen besser kontrollieren, auf welchen Wegen die afrikanische Schweinepest importiert wird.

Möglicherweise infizierte Wildschweine aus Osteuropa wandern in der Regel nicht so weit, dass sie die Krankheit auf Artgenossen hierzulande übertragen könnten. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie hunderte Kilometer weit wandern, ist eher gering.

Wir brauchen aber eine bessere Kontrolle überall dort, wo ein verendetes Tier gefunden wird. Der Wildökologe Sven Herzog sagt, das ansässige Veterinäramt könnte prüfen, ob das tote Wildschwein die afrikanische Schweinepest hatte. Falls ja, könne man das betroffene Gebiet lokal abgrenzen und dort die Afrikanische Schweinepest eindämmen.

Gleichzeitig wird Jägern die herkömmliche Jagd durch riesige Mais-, Raps- und Weizenfelder erschwert. In den Monokulturfeldern der Landwirtschaft kann der Jäger die Wildschweine nicht entdecken. Die Landwirtschaft müsste durch Schneisen in den Feldern für bessere Bedingungen sorgen.

Online: Jutta Kaiser