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30 Jahre Naturschutzzentrum Federsee Im Reich der Schilfschweine und Moorochsen

In See, Schilf, Feuchtwiesen und Moor-Urwald gibt es eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt. Darüber hat die Naturfilmerin Sabine Häring einen Dokumentarfilm gedreht.

Der Sonnenaufgang am Federsee erzeugt eine besondere Atmosphäre.

Der Sonnenaufgang am Federsee erzeugt eine besondere Atmosphäre.

Den größten See in Baden-Württemberg kennt jeder: Das ist der Bodensee. Das größte Moor im Südwesten ist dagegen vor allem Naturfreunden wegen der unglaublich artenreichen Tier- und Pflanzenwelt ein Begriff - es umgibt den Federsee in Oberschwaben.

Das Naturschutzzentrum Federsee in Bad Buchau feiert sein 30-jähriges Jubiläum. Von Freitag, 7. Juli, bis Mittwoch, 12. Juli, gibt es Programm rund um die Natur mit Führungen und Mitmach-Angeboten für Familien. Auftakt ist ein Fledermaus-Abend am Freitag. Am Jubiläumssonntag, 9. Juli, sind alle Veranstaltungen kostenlos.

Schweinelaute aus dem Schilf

Morgennebel über dem Federsee.

Morgennebel über dem Federsee - faszinierend.

Blutrote Sonnenaufgänge über See und Schilf, äsende Rehe im morgendlichen Nebel der Feuchtwiesen, ein Spinnennetz voller Tauperlen - die Naturfilmerin Sabine Häring empfindet das Federsee-Moor in Oberschwaben als eine Landschaft voller Schönheit und Magie. See, Schilf, Feuchtwiesen und Moor-Urwald sind ein echtes Naturparadies.

Über die unglaublich artenreiche Tier- und Pflanzenwelt dort hat Sabine Häring für das Naturschutzzentrum Federsee den Dokumentar-Film "Geheimnisvolles Federseemoor" gedreht. Eine prominente Rolle in ihrem Film spielen die Vögel, die Jahr für Jahr viele Vogelkundler und Fotografen an den See ziehen.

Einer dieser Vögel ist scheu, aber laut, sagt Sabine Häring: "Das Schilfschwein ist ein Tier, das kaum jemand kennt, weil man es nur hört, aber nie sieht, weil es verborgen im Schilf lebt. Es ist die sogenannte Wasserralle - also kein Säugetier, sondern ein Vogel. Sein Revierruf klingt so, als wäre es ein quiekendes Schwein. Den hört man sehr häufig, aber keiner weiß, wo dieses Geräusch herkommt."

Der Kuckuck auf der Balz

Am Federsee hört man auch jedes Jahr bis zu 20 Kuckucke rufen. Die Naturfilmerin hat ein Kuckuckspaar bei der Balz beobachtet. Sie habe die Tiere Anfang Mai, an einem Morgen bei Sonnenaufgang, gesehen und sich angepirscht. Das Männchen habe erst mit einem Ruf aus der Ferne versucht, das Weibchen auf sich aufmerksam zu machen, und sei dann immer wieder auf es zugeflogen - wie um zu prüfen, ob es bereit sei. Leider sei Frau Kuckuck am Ende der Stunde aber immer noch desinteressiert gewesen.

Vom Gletschersee zum Moor und Vogelparadies

Blick von der Besucherplattform des Federseestegs.

Naturidylle mit Wasser und Schilf - Blick von der Besucherplattform des Federsee-Stegs.

Der Federsee war nicht immer ein Vogelparadies. Er war am Ende der Eiszeit aus einem Gletschersee entstanden und im Lauf der Zeit stark verlandet, so dass sich Moorflächen bildeten. Früher wurde in der Gegend viel Torf gestochen. Seit Anfang des vorigen Jahrhunderts aber sorgen Unterschutzstellung, Landschaftspflege, Wiedervernässung und Verbesserung der Wasserqualität dafür, dass der Federsee heute ein Paradies für Wasservögel und viele andere Tiere ist.

Besondere Tierbeobachtungen das ganze Jahr über

Die Große Rohrdommel kommt als Wintergast an den Federsee.

Die Große Rohrdommel - oder: Moorochse

Im Naturfilm von Sabine Häring kommen Libellen vor, die ihre Eier im Stängel einer Seerose ablegen. Sie hat viele schöne Erinnerungen an die Dreharbeiten: "Ganz toll sind die riesengroßen Starenschwärme, von vielen Tausend Tieren, die richtig schöne Muster an den Himmel zaubern, wenn sie auffliegen."

Im Herbst kommt noch ein besonderer Wintergast an den See - die Große Rohrdommel. Ihre seltsam dumpfen, tiefen Balzrufe haben auch diesem Vogel einen Spitznamen eingebracht: Er wird auch Moorochse genannt.

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Federsee in Oberschwaben

Paradies für Naturfreunde

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Morgennebel über dem Federsee - faszinierend.

Morgennebel über dem Federsee - faszinierend.

Der Sonnenaufgang am Federsee erzeugt eine besondere Atmosphäre.

Stare zeichnen oft eindrucksvolle Bilder am Himmel, wenn sie im Schwarm losfliegen.

Rehe bellen, wenn sie erschreckt werden. Allerdings bedeutet das keine Angst, sondern Aggression.

Libellen können eine Flügelspannweite von bis zu 20 Zentimetern erreichen.

Der Kuckuck ist ebenfalls am Federsee heimisch. Nur im Winter zieht er nach Afrika.

Naturidylle mit Wasser und Schilf - Blick von der Besucherplattform des Federsee-Stegs.

Das "blaue Wunder" im benachbarten Alleshausen - es blüht der Lein.

Quiekt hier etwa ein Schwein? Die Wasserralle ist offensichtlich ein Vogel - wird aber auch Schilfschwein genannt, wegen des Lauts, den sie ausstößt. Der Revierruf des scheuen Vogels klingt wie ein quiekendes Schwein.

Die Große Rohrdommel kommt als Wintergast im Herbst an den Federsee. Ihre dumpfen Balzrufe haben auch diesem Vogel einen Spitznamen eingebracht: Moorochse. Sie klingt ein wenig wie ein Ochse, mit einem tiefen, dunklen Ton - weit zu hören.

Wenn nötig, stoßen sich Biber im Winter ein Stück des zugefrorenen Federsees auf - mit Hilfe von Treibholz.

Autorin: Stefanie Peyk, SWR Umwelt und Ernährung / Online: Heidi Keller und Jutta Kaiser