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SENDETERMIN Fr, 5.7.2019 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Sendung am 5. Juli 2019 Für meine Überzeugung

Die SWR Talkshow Gäste bei Michael Steinbrecher

Es gibt Menschen, die haben eine unerschütterliche Überzeugung und stehen entschlossen für sie ein. Seien es Werte, Leidenschaft, der feste Glauben an ein höheres Ziel oder ein Ungerechtigkeitsempfinden, dem man etwas entgegensetzen will. Was treibt Menschen dazu, unnachgiebig für ihre Überzeugung zu kämpfen – gegen alle Widerstände und trotz aller Hindernisse?

Manche Menschen tragen eine ganz klare Haltung in sich. Sie setzen sich für das große Ganze ein, streiten zum Beispiel für Menschenrechte oder Umweltschutz. Einfach, weil sie fest davon überzeugt sind, für die richtige Sache zu kämpfen. Andere werden erst durch persönliche Erfahrungen, zum Beispiel durch ein erfahrenes Unrecht zu Kämpfern, die alles dafür tun, damit andere Menschen nicht ebenfalls zu Opfern werden müssen.
Egal ob aus dem Glauben an eine größere Sache oder entsprungen aus eigenen Erfahrungen: Viele Menschen – egal wie jung oder wie alt – setzen sich ein, auch wenn sie noch so viel Gegenwind erfahren. Dabei zahlen sie nicht selten einen hohen Preis für ihr Engagement. Wie zum Beispiel die Whistleblowerin, die einen Missstand anprangert und dafür ihren Job verliert oder der sozial Engagierte, der darüber sein eigenes Leben, Familie und Freunde vernachlässigt. Doch kann man auch zu verbissen und unnachgiebig für seine Ziele kämpfen? Ist es wichtig, Grenzen zu ziehen und irgendwann eigene Bedürfnisse und eigene Sicherheit wieder über den Kampf für die Überzeugung zu stellen?
Und ist Überzeugung per se etwas Gutes, immer sinnvoll und erstrebenswert? Gibt es nicht auch falsche Überzeugungen und Ideologien, mit denen man sich selbst und anderen Schaden zufügt? Wie schwer fällt es zu erkennen, dass die Überzeugung, die man zeitlebens für die einzig richtige hielt, falsch ist? Und wie gelingt es dann, sich von ihr zu lösen?

Wie entstehen Überzeugungen? Was treibt Menschen dazu, für Ihre Überzeugung auf die Straße zu gehen, sich laut und stark zu machen? Und wo liegen Grenzen?

Oliver Riek

Oliver Riek war fast zwei Jahre Mitglied einer rechtsextremen und antisemitischen Burschenschaft. Diese Zeit genügte, um ihm eine menschenverachtende Überzeugung tief einzuschreiben. Viele Jahre glühte er vor Hass auf Ausländer und einen Staat, der in seinen Augen die Interessen der wahren Deutschen verriet. Es dauerte schließlich mehr als 15 Jahre, bis er sich von diesem Gedankengut lösen konnte und heute sagen kann: „Diese Person von damals hat nichts mehr mit mir zu tun.“

Kristina Hänel

Kristina Hänel wollte eigentlich Landärztin werden. Doch seit sie in Beratungsgesprächen immer wieder feststellte, dass es viel zu wenig Ärzte gibt, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, nimmt sie diese in ihrer Praxis selbst vor. Seitdem wird sie massiv angefeindet und verklagt. Doch für ihre Überzeugung, dass Frauen ein Recht auf Abtreibung haben und sich auch informieren können sollten, kämpft sie bis zum Schluss: „Ich kann nicht damit rechnen, dass ich das noch erlebe, aber ich trage gerne meinen Teil dazu bei.“

Jean Ziegler

Als Jean Ziegler als junger Mann im Kongo mitansehen musste, wie Soldaten auf hungernde Frauen und Kinder einschlugen, schwor er sich, sein Leben für die gerechte Sachte einzusetzen. „Was total unverantwortlich wäre, wäre einfach nur auf der Terrasse zu sitzen, Tennis zu spielen und Rotwein zu trinken. Das wäre ein Verbrechen.“ Als Parlamentsabgeordneter und UN-Sonderberichterstatter engagierte sich der überzeugte Menschenrechtler und Globalisierungsgegner ein Leben lang für eine bessere Welt.

Nick Heubeck

Nick Heubeck fand in „Fridays for Future“ endlich die Gleichgesinnten, mit denen er für eine andere Klimapolitik demonstrieren kann. Dass auch der Einzelne etwas ändern kann, dafür ist der 20-jährige Student ein leuchtendes Beispiel. So konnte er Borussia Dortmund bewegen, bei Heimspielen im eigenen Stadion weitgehend auf Einwegbecher zu verzichten. „Ich selbst verzichte aus Umweltgründen aufs Fliegen und esse kein Fleisch mehr.“

Prof. Dr. Pasqualina Perrig-Chiello

„Wer für seine Überzeugungen kämpft, zahlt dafür oft auch einen Preis”, erklärt die Entwicklungspsychologin Prof. Dr. Pasqualina Perrig-Chiello. Trotzdem seien Überzeugungen wichtig, würden sie doch in einer komplexen Welt Halt und Orientierung vermitteln. Während Jugendliche häufig anfällig seien für einfache Erklärungen, würden ältere Menschen dazu neigen, eher unbeweglich in ihren Überzeugungssystemen zu verharren.

Dr. Wolfgang Kraushaar

„Wir brauchen Menschen, die für ihre Überzeugung einstehen, insbesondere dann, wenn nicht ausgemacht ist, wie Politik und Gesellschaft weiter agieren“, so der Hamburger Politikwissenschaftler Dr. Wolfgang Kraushaar. Als Teil der Studentenbewegung konnte er aus nächster Nähe beobachten, wie Aktivisten und auch Mitläufer denken und handeln. Seine Schlussfolgerung: Nicht jede Bewegung braucht ein Gesicht oder Gallionsfiguren, aber es kann vieles erleichtern.

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